Trotz Protesten von Anwohnern und Denkmalschützern: Abriss einer historischen Villa in Palma hat begonnen
Die Eigentümer von Cas Coronel in Palma wollen offenbar schnell Tatsachen schaffen

Abrissarbeiten an dem Haus Cas Coronel in La Vileta (Palma). / DM
Trotz der Proteste von Anwohnern und Denkmalschützern hat am Mittwoch (10.6.) der Abriss einer historischen Villa in Palmas Stadtviertel La Vileta begonnen. Arbeiter rissen zunächst eine Außenmauer und Teile des Turms ab. Bereits am Dienstag waren schwere Maschinen auf das Grundstück gebracht worden.
Nachbarn und der Denkmalschutzverein ARCA hatten die Stadt Palma zuvor aufgefordert, die Abrissarbeiten an der "Cas Coronel" (Haus des Obersts) genannten einstigen Sommerresidenz zu stoppen. ARCA kritisierte den Beginn der Arbeiten scharf.
Der Abriss des Turms habe begonnen, ohne die im Projekt vorgesehene Reihenfolge einzuhalten. Nach Angaben des Vereins sollten zunächst Holzarbeiten und andere Elemente im Inneren entfernt werden. ARCA vermutet, dass die Eigentümer schnell Tatsachen schaffen wollen, bevor die Verwaltung möglicherweise einschreitet.
Mehr als 700 Unterschriften in drei Tagen
Die Initiative Salvem Cas Coronel und ARCA hatten in drei Tagen mehr als 700 Unterschriften gesammelt, um den Abriss vorsorglich zu stoppen und zu prüfen, ob das Haus schützenswert ist.
Laut den Denkmalschützern gibt es dafür genügend Anzeichen. Cas Coronel ist ein auffälliges Wohnhaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit modernistischen Details. Es gehört zu den Villen und Chalets, die wohlhabende Familien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts am Stadtrand von Palma errichten ließen. Viertel wie Son Rapinya und La Vileta entwickelten sich damals zu beliebten Orten für solche Zweitwohnsitze.

Das vom Abriss bedrohte Wohnhaus befindet sich im Carrer Costa de Saragossa. / ARCA
ARCA kritisiert Lücken im Denkmalkatalog
Der Denkmalschutzverein hatte bereits zuvor gewarnt, dass La Vileta mit dem Abriss weiter an Identität verliere. In den vergangenen Jahren seien dort bereits viele traditionelle Wohnhäuser verschwunden.
ARCA sieht die erteilte Abrissgenehmigung auch als Folge von Mängeln im aktuellen Denkmalkatalog. Dieser sei „unvollständig und voller Lücken”. Die Organisation fordert seit Jahren eine gründliche Überarbeitung Straße für Straße. In La Vileta seien nur wenige der Häuser und Chalets geschützt.
Auch die linksökologische Partei Més per Palma fordert einen sofortigen Baustopp und eine dringende Aufnahme des Gebäudes in den Denkmalkatalog. Die Abrisspläne seien eine weitere Folge der Aufhebung eines detaillierten städtischen Raumordnungsplan durch die rechtskonservative Stadtregierung. Deswegen stünden nun 250 Gebäude in der Stadt ohne Schutz dar.
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