Sie wollen für unter 1.000 Euro auf Mallorca zur Miete wohnen? Sparen Sie sich die Suche
Auf der gesamten Insel gibt es derzeit noch 23 Mietwohnungen unter dieser Grenze. Das stellt vor allem Familien vor große Probleme

Miete für unter 1.000 Euro? Nahezu eine mission impossible auf Mallorca. / Manu Mielniezuk
Ebbe auf dem Mietmarkt auf Mallorca bei Angeboten unter 1.000 Euro: Für mallorquinische Familien, die derzeit bei den großen Immobilienportalen nach einer Mietwohnung für weniger als 1.000 Euro im Monat suchen, ist das Ergebnis ernüchternd. Eine entsprechende Recherche des "Diario de Mallorca" auf Idealista ergab am Donnerstag (9.7.) auf der gesamten Insel gerade einmal 23 Wohnungen unterhalb dieser Schwelle. Davon entfielen nur vier auf Palma, wo die Nachfrage am größten ist.
Spitzenreiter bei diesem knappen Angebot waren Manacor und Sant Llorenç. Viele der Wohnungen werden zudem nur für kurze Zeiträume vermietet. Wer stattdessen auf Fotocasa sucht, dürfte noch frustrierter sein: Bei den 24 Angeboten handelt es sich bei einem großen Teil lediglich um Zimmervermietungen, während komplette Wohnungen kaum zu finden sind. Bezeichnend ist auch, dass Idealista auf Ibiza nur eine einzige Wohnung unter 1.000 Euro anbietet, die nicht als Winter-Saisonmiete deklariert ist.
Familien brauchen mehr als 3.000 Euro im Monat
Der Präsident der balearischen Maklervereinigung API, José Miguel Artieda, bestätigt den Eindruck. Angebote für unter 1.000 Euro existierten demnach derzeit praktisch nicht. Eigentilch sollte für Wohnen nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens aufgewendet werden.

Schnäppchen vergeblich gesucht: Interessenten an einem Schaufenster einer Immobilienagentur. / B. Ramon
Daraus folgt, dass eine Familie auf Mallorca mehr als 3.000 Euro im Monat zur Verfügung haben müsste, um sich eine Wohnung leisten zu können. Für einen großen Teil der Bevölkerung, insbesondere für junge Menschen, ist das nicht realistisch.
Die Ursachen für die angespannte Lage
Artieda nennt mehrere Gründe für die derzeit besonders prekäre Lage. Zum einen gehöre der Juli zu den Monaten mit der höchsten Nachfrage, weil viele Saisonarbeitskräfte dann Wohnraum suchen. Hinzu komme, dass die Mieten auf den Balearen seit Jahren in die Höhe schießen – auch wenn sich in diesem Jahr erste Anzeichen einer leichten Beruhigung zeigten. Nicht umsonst stehen die Balearen bei den Immobilienpreisen regelmäßig an der Spitze in Spanien.
Einen weiteren entscheidenden Punkt sieht der API-Präsident in einem Strukturwandel innerhalb des Marktes: Gerade in sozialen Brennpunktvierteln, die traditionell günstiger waren, wechseln zahlreiche Eigentümer inzwischen von der klassischen Wohnungsvermietung zur Zimmervermietung – weil diese deutlich rentabler ist.
Vermieter nutzen die Situation aus
Artieda verweist auf einen Fall, den der Präsident des Verbraucherschutzverbands Consubal, Alfonso Rodríguez, vor wenigen Tagen im "Diario de Mallorca" öffentlich machte: In einer Wohnung im Viertel Son Oliva, die ursprünglich über drei Zimmer verfügte, machten die Eigentümer aus dem Wohnzimmer zwei weitere Zimmer – obwohl dies illegal ist. Während die Wohnung auf dem klassischen Mietmarkt höchstens 800 bis 900 Euro pro Monat eingebracht hätte, erzielten die Vermieter mit 475 Euro pro Zimmer insgesamt 2.375 Euro monatlich.
Artieda stimmt hier der Einschätzung von Consubal zu: Hinter solchem Mietwucher stünden in den meisten Fällen keine großen Immobilienunternehmen, sondern kleine Eigentümer.

José Miguel Artieda, der Präsident der Maklervereinigung API. / B. Ramon
Dieses Phänomen habe bereits vor zwei Jahren an Dynamik gewonnen, inzwischen aber ein Ausmaß erreicht, das nach seiner Ansicht eine neue Regulierung erforderlich mache. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, die Zimmervermietung zu verbieten oder einzuschränken, sondern ihr durch eine Einbindung in das spanische Mietgesetz (LAU) einen klaren rechtlichen Rahmen zu geben.
Mit Blick auf frühere schlechte Erfahrungen betont José Miguel Artieda jedoch, dass eine solche Regulierung – sowohl für die Zimmervermietung als auch für die saisonale Vermietung – nur dann sinnvoll sei, wenn sie auf breitem politischen Konsens beruhe und zuvor mit Fachleuten aus der Branche abgestimmt werde.
Hilfen ausweiten
Nach Ansicht von Artieda stützt die aktuelle Lage auf dem Mietmarkt zugleich die Forderung der Balearen-Regierung, die Obergrenze für staatliche Mietbeihilfen anzuheben. Diese greift derzeit nur bei Wohnungen mit einer Monatsmiete von maximal 900 Euro und soll nach dem Wunsch der Landesregierung auf 1.200 Euro steigen.
Artieda weist darauf hin, dass erschwinglicher Mietwohnraum derzeit praktisch nur noch über das Programm Lloguer Segur zugänglich sei. Allerdings seien auf diesem Weg bislang nur rund hundert Wohnungen angeboten worden.
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