Vorsicht vor neuer Betrugsmasche: So nutzen Betrüger die Wohnungsnot auf Mallorca und die Plattform Airbnb aus
Eine Mallorca-Residentin, die auf der Suche nach einem bezahlbaren Häuschen im Sóller-Tal ist, wurde abgezockt

Das Logo von Airbnb. Eine Mallorca-Residentin ist einem Betrug mit der Plattform zum Opfer gefallen / Airbnb
Neue Betrugsmasche auf Mallorca: Offensichtlich nutzen Betrüger einmal mehr die Verzweiflung vieler Menschen bei der Wohnungssuche aus. Cristina Gómez (Name geändert) hat die MZ informiert, dass sie Opfer von Betrügern wurde und möchte andere warnen. Gómez lebt in der Nähe von Sóller, will aber aus ihrer jetzigen Wohnung ausziehen und sucht ein Haus im Grünen, das einigermaßen bezahlbar ist – keine einfache Aufgabe im Orangental.
Umso glücklicher war sie im Juni, als sie auf dem bekannten Immobilienportal idealista.com die Anzeige eines Häuschens fand, das die Voraussetzungen erfüllte, die Gómez sich gewünscht hatte. „Da es in der Gegend sehr viel Ferienvermietung gibt, war ich froh, dass in der Anzeige das Haus zur Langzeitmiete ausgeschrieben war“, berichtet Gómez der MZ. Sie schrieb die Inserenten sofort an, hörte aber zunächst nichts von ihnen. Nach kurzer Zeit verschwand die Anzeige für das Haus von der Plattform.
Alles wirkte echt
Groß war dann war die Freude bei Gómez, als vier Tage später eine Frau mit spanischer Handynummer bei ihr anrief und fragte, ob sie noch an dem Haus interessiert sei. „Es wirkte alles echt, auf dem Profilfoto bei WhatsApp war eine ältere Frau zu sehen, das Bild muss in der Nähe der Torre Picada bei Port de Sóller entstanden sein“, sagt Gómez, die viel wandert und die Ecke gut kennt. Sogar das Haus selbst hatte sie bereits bei einer ihrer Touren entdeckt. „Ich wusste also, dass es existiert.“

Das Tal von Sóller. / MZ
Die Frau, die sich Karolien nannte, erklärte, dass sie nicht ganzjährig auf Mallorca lebe, sondern erst wieder im Herbst auf die Insel komme. Gómez aber könne das Haus auch schon vorher beziehen. Der einzige Haken: In den Sommermonaten werde die Immobilie über Airbnb als Ferienhaus angeboten. Deshalb müsse sie, wenn sie das Haus bereits im August beziehen wolle, den ersten Monat über Airbnb buchen und die höhere Gebühr zahlen. Ab September greife der Jahresvertrag mit der regulären Miete.
Der Link war gehackt
„Alles schien seine Richtigkeit zu haben, ich bekam einen Vertrag zugeschickt, der von der Eigentümerin bereits unterschrieben war“, erzählt Gómez. Bis zum Moment der Zahlung. Der 43-Jährigen wurde ein Link zugeschickt, über den sie die Zahlung auf Airbnb abwickeln sollte. „Der Link und die Seite sahen eins zu eins wie die von Airbnb aus“, berichtet Gómez. Allerdings funktionierte die Zahlung scheinbar nicht, auch ein weiterer Versuch mit einer Banküberweisung scheiterte. Die Seite blockierte, Gómez bekam keine Bestätigung über eine Zahlung.
Sie kontaktierte die vermeintliche Eigentümerin, die sie zunächst beruhigte. Das Geld allerdings war abgebucht– ein vierstelliger Betrag. Auch in der Airbnb-App fand Gómez keine Bestätigung über die Buchung. „In diesem Moment wusste ich, dass ich einem Betrug zum Opfer gefallen war.“ Als sie sich den Link noch einmal genauer ansah, bemerkte sie, dass die Seite von Airbnb offenbar geklont worden war und zusätzlich zur Adresse booking.com noch andere Buchstaben und Zeichen in der URL standen.
Sie versuchte, das Geld zurückzubuchen. Allerdings war Sonntag und sie erreichte ihre Bank nicht. Die vermeintliche Betrügerin tauchte ab. Die Bank konnte das Geld nicht zurückholen, weil es bereits auf ein anderes Konto transferiert worden war. Und Gómez stand ohne Geld und Wohnung da – und erstattete Anzeige bei der Guardia Civil. Eine Kontaktaufnahme mit Karolien seitens der MZ verlief im Sande.
Das sagt Airbnb dazu
Inzwischen hat Airbnb der MZ eine Stellungnahme zu dem Betrug zukommen lassen. Offenbar ist das Problem bekannt und weit verbreitet. Eine Sprecherin sagte, dass das Unternehmen bereits auf der Website Warnhinweise angebracht hat, "um Nutzern dabei zu helfen, sich online zu schützen". Airbnb empfehle, für Kommunikation, Buchungen und Zahlungen auf der eigentlichen Website des Unternehmens zu bleiben.
Und weiter: "Wir arbeiten daran, Verbraucher über Online-Betrug aufzuklären – insbesondere über Phishing-Betrug durch Dritte, bei dem Kriminelle das Vertrauen in Marken wie Airbnb missbrauchen, um Urlauber zu betrügen. Betrüger erstellen gefälschte Websites oder Rechnungen, inserieren Unterkünfte auf Drittanbieter-Plattformen oder versenden Phishing-E-Mails und -Nachrichten, die so aussehen, als kämen sie von Airbnb oder stünden damit in Verbindung – mit dem Ziel, Reisende dazu zu bringen, Geld zu überweisen, persönliche Daten wie Passwörter preiszugeben oder ihre Geräte mit Malware zu infizieren."
Sicherstellen, auf welcher Website man gerade ist
Bevor Reisende Unterkunftskosten online bezahlen, empfiehlt die Sprecherin sicherzustellen, dass sie sich auf der Airbnb-Website (www.airbnb.com) befinden oder die Airbnb-App nutzen. "Zudem stellen wir Informationen bereit, die unseren Nutzern helfen zu erkennen, wie ein echter Airbnb-Link oder eine echte Airbnb-E-Mail aussieht."
Wer glaubt, auf eine gefälschte Website gestoßen zu sein, die wie Airbnb aussieht, werde gebeten, diese zur Überprüfung bei Airbnb zu melden. "Wenn uns solche Phishing-Versuche gemeldet werden oder auf andere Weise zu unserer Kenntnis gelangen, arbeiten wir mit Dritten zusammen, um sie zu untersuchen und ihre Entfernung zu veranlassen." Allein innerhalb von zwölf Monaten zwischen Januar und Dezember 2024 habe ein spezialisiertes Team von Airbnb über 3.200 externe Phishing-Domains aufgedeckt und unschädlich gemacht.
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