17. April 2008
17.04.2008

Opernfreund Pere Bujosa über die erste Saison des Teatre Principal

17.04.2008 | 02:00
Pere Bujosa, Opernfan Nummer eins der Insel.

Pere Bujosa ist Opernfan, diplomierter Pianist, von Beruf Englischlehrer und außerdem mit der angemessenen Leidenschaft ausgestattet, um einem Verein vorzustehen, der seit seiner Gründung 2001 Mallorcas Opernwelt mehr und mehr prägt: 400 Mitglieder zählen die Amics de l´Òpera del Teatre Principal, die „Freunde der Oper im Teatre Real ? und anderswo", wie der 55-Jährige es formuliert. Der Vorstand berät die Leitung des Teatre Principal bei der Programmgestaltung, bietet Einführungen an und organisiert selbst Liederabende und Kammerkonzerte. 

Von Brigitte Kramer

Opernsaison in Palma: Auch das Auditorium bietet seit mehr als 20 Jahren Opern. Was ist der Unterschied zu den Werken, die ins Teatre Principal kommen?

Das Auditorium ist ein privates Unternehmen ohne eigenes Ensemble, es produziert deshalb auch keine Opern selbst. Dass da Pakete eingekauft werden, zum Beispiel von der bulgarischen Staatsoper Sofia, die dann an vier Abenden hintereinander gespielt werden, ist nachvollziehbar. Dem wahren Opernfan bringen diese Inszenierungen meist wenig, zumal es Repertoire-Opern sind.


Auch ?Madame Butterfly´ ist ein Klassiker. Das Stück kommt am 27. und 29. April ins Teatre Principal. Kann man Neues erwarten?

Es kommt immer auf die Inszenierung an. Diese Produktion ist aus Modena, ich habe sie schon gesehen, sie ist hervorragend. Und: Wie fast alle Puccini-Opern zeichnet ?Madame Butterfly´ eine gute Handlung, psychologische Tiefe der Figuren und sinnliche Musik aus. Puccini hat den Handlungsort Japan musikalisch eingefangen: Er hat zum Teil nach der pentatonischen Tonleiter komponiert, orientalische Klänge erzeugt ? Die Hauptrolle der Cio Cio San ist anspruchsvoll. Maria Callas hat sie geprägt: Sie hat es geschafft, ihre Seelenzustände - von der verliebten Jugendlichen zur Selbstmörderin - gesanglich hervorragend zu interpretieren. In Palma wird sie Olga Romanko singen, eine sehr gute Sopranistin, auch wenn sie kein Star ist.


Werden Opernstars nach Palma kommen?

Das hängt vom Budget der Stiftung ab, die dem Teatre Principal vorsteht. Grundsätzlich wird in der internationalen Opernwelt von einem Wechsel gesprochen, was das Star-System angeht. Diven und Götter wie Callas oder Pavarotti gehören der Vergangenheit an, jetzt spricht man mehr über Regisseure und Inszenierungen. Denken Sie an die europaweiten Diskussionen um den katalanischen Opernregisseur Calixto Bieito oder um den Kanadier Robert Carsen. . .


Beide Regisseure provozieren durch zeitgenössische Neuinterpretationen von Opern. Werden wir Ähnliches auch in Palma sehen können?

Das ist wieder eine Budget-Frage. Grundsätzlich halte ich mehr davon, Vielfalt zu bieten, als das Geld für eine Starproduktion auszugeben. Die beiden Kurzopern ?La voix humaine´ und ?Una voce in off´ zum Beispiel sind selten gespielte Werke des Franzosen Poulenc und des Katalanen Montsalvatge. Die Poulenc-Oper habe ich einmal in Toulouse gesehen, toll! Beide Werke entsprechen nicht den Erwartungen an das Genre: ?La voix humaine´ ist der Monolog einer Sopranistin, die am Telefon mit ihrem Ex-Liebhaber spricht, beziehungsweise singt. Bei ?Una voce in off´ sehen wir drei Personen auf der Bühne, eine vierte ist nur vom Tonband zu hören, sie gehört einem Toten. Das ist Oper der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, modern, anders.


Wird sich Palmas Publikum auf Ungewöhnliches einlassen?

Das Teatre Principal hatte in den 90er Jahren sehr viel Publikum und ein sehr gutes Opernprogramm. Die Leute standen Schlange bis zum Kiosk an der Plaça Mercat. Dieses Publikum muss die Leitung nun zurückerobern. Der erste Opernabend dieser Saison, ?Le Villi´ und ?Suor Angélica´, war nicht ausverkauft. Mit dem Klassiker ?Madame Butterfly´ schaffen wir das vielleicht wieder. Wenn wir das Vertrauen des Publikums gewonnen haben, können wir auch Gewagteres bieten. Auf die beiden Kurzopern ?La voix humaine´ und ?Una voce in off´ freue ich mich besonders. Wir haben sie der Leitung des Theaters wärmstens empfohlen.


In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:

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