02. Oktober 2008
02.10.2008

Kreatives Tohuwabohu auf dem „Ping!"-Festival

02.10.2008 | 02:00
Kopflos durchs Wasser gleiten? ýErased head", Werk von Enric Socias beim Festival ýPing!" 08.

"Ping" heißt eine Software mit der - vereinfacht gesagt - ein anderer Computer geortet wird, um zu ermitteln, ob er am Netz ist. "Ping!" heißt aber auch das internationale Festival für experimentelle Kunst und Musik, das vom 3. bis 26. Oktober vom Kulturzentrum Sa Taronja aus Andratx veranstaltet wird.

Die Idee, die hinter dem „Ping" der Computerwelt steht, ist auf das mallorquinische Avantgarde-Festival übertragbar. Internationale Künstler werden auf Mallorca zusammengebracht, ein kreativer Prozess wird angestoßen. "Sie werden vernetzt und erweitern hier den kreativen Horizont", sagt Veranstalterin Tina Horne. Gerade für die mallorquinischen Künstler sei dieser Austausch wichtig. Das Festival ist das einzige seiner Art auf der Insel. Von "außen" kommen in diesem Jahr rund 20 Künstler aus Deutschland und etwa zehn aus Belgien. Sie treffen auf 25 Insel-Künstler. Alle zusammen präsentieren einen weiten Reigen von Konzerten, Ausstellungen, Workshops, Installationen und Performances.

Auch das Publikum soll dabei "angepingt" werden und wird in viele der Aktionen, die in den ehemaligen Hühnerställen des heutigen Kulturzentrums Sa Taronja stattfinden, einbezogen. Beispielsweise bei einer Installation wie "Lung - The Breather", einem Atemgerät der Brüsseler Künstlerin Laura Colmenares, das an ein virtuelles Aquarium mit Quallen angeschlossen ist. "Drei bis vier Personen pusten durch das Atemgerät hinein, und die Quallen fangen an, zu schweben und zu fliegen. Eine sehr ästhetische und interessante Erfahrung", verspricht Horne mit einem verschmitzten Lächeln.

Mehr noch: Die deutsch-spanische Künstlerin Isabel Castro Jung zeigt zur Eröffnung am 3. Oktober eine poetische Kochperformance mit dem Titel "Corazonada: La Ceremonia" bei der sie rohe Rinderherzen verarbeitet. "Kochen hat etwas mit Fürsorge zu tun, ebenso mit Kannibalismus und mit dem deutschen Sprichwort ?Liebe geht durch den Magen", sagt sie. Bei ihrer Show wird auch getanzt und Musik gemacht - der Herzschlag gibt den

Rhythmus vor.

Die deutsche Künstlergruppe "Weltausstellung" wird ihre interaktive Klanginstallation "Tubo de sonido" (Klangrohr) vorstellen, bei dem meterlange Plastikrohre mit Ventilen versehen sind, durch die Geräusche geschickt werden. Diese wurden von den Künstlern in mallorquinischen Dörfern aufgenommen. Durch Öffnen und Schließen der Ventile entstehen neue Klangeffekte.

Ungewohnte Töne sind auch zu hören, wenn der mallorquinische Künstler H1000VM mit der Gruppe NeoTokyo ein Konzert gibt, für das er weggeworfenes Spielzeug neu beseelt (24.10.). "Wir machen ein elektronisches Musical, bei dem ich verschiedenste Spielsachen ­recycele, um aus ihnen Klänge heraus­zuholen", sagt H1000VM (dessen eigenwilliger Künstlername sich aus "Hombre 1.000 Veces Muerto" ableitet, der „Mann, der 1.000 Tode gestorben ist").

Am gleichen Abend gibt die Berliner Musikforscherin Barbara Buchholz ein Theremin-Konzert. Ihr Antennen-Instrument spielt sie, ohne es zu berühren. Die Töne entwickelt die Musikerin aus elektromagnetischen Feldern, die um die Antennen herum entstehen.

Einige der Künstler nehmen nicht zum ersten Mal an dem Festival teil. "Ping!" wächst seit fünf Jahren. Inzwischen sei es ohne Sponsoring nicht mehr tragbar, sagt Horne, die in diesem Jahr unter anderem von der Balearen-Regierung und vom Inselrat unterstützt wird. Sie haben mitgeholfen, das Festival im September in Berlin und Brüssel der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mallorca könne mit dieser Veranstaltungsreihe zu einer kreativen Schnittstelle für avantgardistische Kunst werden, erhoffen sich die mallorquinischen Kulturpolitiker.

"Ping!". Internationales Festival für experimentelle Kunst und Musik. 3. bis 26. Oktober. Informationen über Programm und Eintrittspreise auf http://sataronja-es.blogspot.com/

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