09. Oktober 2008
09.10.2008

Universalgelehrter, sprachlich reduziert: Ramon-Llull-Ausstellung in "La Caixa"

09.10.2008 | 02:00
Auszug aus dem Werk ?Ars Brevis".

Sehr schön. Nach vier Jahren Vorbereitungszeit ist in der Kulturstiftung der Sparkasse La Caixa die Ramon-Llull-Ausstellung eröffnet worden. Ausführlich kann man sich auf zwei Etagen über Leben und Werk des bedeutendsten Universalgelehrten Mallorcas schlaumachen (1232-1316). Kann man? Ein Rundgang durch die Schau lässt Fragen offen.

Es ist düster, düster wie im Mittelalter, eine einfache Melodie stimmt auf die Epoche ein. Eine Wand heißt den Besucher willkommen, abgedruckt ein kurzer Einleitungstext auf Spanisch und Katalanisch zu Raimundus Lullus: ?Der Mann und der Mythos". Bringt man als Besucher Vorwissen mit, ist der Einstieg gelungen. Man versteht den Hinweis auf den Wendepunkt im Leben des Gelehrten, auf Konvertierung und Erleuchtung. Ein weißer Raum - der einzige - zieht magisch an, vorbei an Llulls erstem bedeutenden Manuskript aus dem Jahr 1300 über Betrachtungen zu Gott. Geschrieben auf Pergament, gebunden in Leder, mit rostenden Verschlüssen. Eine Rarität. Davon gibt es viele hier.

In dem hellen Raum stellen Maler des 15. bis 18. Jahrhunderts den Moment der Llullschen Erleuchtung dar. Ein Zitat aus ?Vida coetània", steht auf Katalanisch an der Wand. Ein erster Moment der Verwirrung. Keine Übersetzung, der Satz steht für sich, obwohl er wichtig ist. Der Wachmann gibt schnell auf, als es um die Übersetzung geht. Ein Mann mischt sich in die Übersetzungsproblematik ein: ?Ihr (damit wendet er sich direkt an die Journalistin) seid auf eure Sprachen, Spanisch, Französisch und Englisch, festgelegt, aber die anderen Sprachen wie das Katalanische und das Baskische vernachlässigt ihr. Ich bin Baske und verstehe auch nicht alles, aber ich respektiere, dass einige Texte und Zitate auf Katalanisch verfasst sind." Da der Baske die Ausstellung anschließend verlässt, kann man davon ausgehen, dass er rein gar nichts von den Ideen Llulls verstanden hat, eines Denkers, der sich für den Dialog der Kulturen einsetzte (wenngleich er Befürworter der Kreuzzüge blieb). Llull, der sich mit den weltlichen und geistlichen Herrschern zusammensetzte, um sie für Sprachschulen zu gewinnen. Llull, der auf Altkatalanisch, Arabisch und Latein schrieb.

Llull, der in Moscheen und Synagogen lehrte. Auf all dies geht die Ausstellung ein, leider an vielen Stellen ausschließlich auf Katalanisch. In einem Video über Llulls Beschäftigung mit den Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam sind die eingeblendeten Zitate auf Katalanisch. Ein Manuskript zeugt von einem Disput mit einem muslimischen Gelehrten. Llull schrieb zunächst auf Arabisch, dann auf Latein. Im gleichen Raum illustrieren Gemälde eine Steinigungsszene: Männer mit Turbanen gehen auf Llull los. Also doch kein Dialog zwischen den Kulturen? Die Erklärungen fehlen und ergeben sich auch nicht aus der Zeitleiste, die das Leben Llulls, kurz vor Ende der Ausstellung im Untergeschoss, dokumentiert. Llull lebte die letzten zwei Jahre in Tunis, ungesichert ist, ob er dort oder auf dem Rückweg nach Mallorca starb. Kein Wort von Steinigung (bei der beschriebenen Szene geht es um die Wut, die Llull in Nordafrika durch seine Lehren angeblich auf sich zog).

Im Obergeschoss hat Kurator Jordi Gayà Llulls Ideenwelt zusammengefasst. Vieles dreht sich hier um sein Hauptwerk ?Ars Magna" und seine Rezeption, unter anderem durch Giordano Bruno und Gottfried Leibnitz. Außerdem sind Manuskripte zu Medizin, Theologie und Anthropologie ausgestellt. Spätestens hier wird klar, warum die Mallorquiner stolz auf ihren Llull sind und die Verfechter des Katalanischen ganz besonders: Llull gebrauchte das Altkatalanische sowohl in seinen Dichtungen als auch in wissenschaftlichen Abhandlungen - er war in dieser Hinsicht eine Art katalanischer Martin Luther.

Und so ist nicht alles, aber doch zu viel in dieser Ausstellung ausschließlich auf Katalanisch erläutert. Zweifel sind angebracht, ob diese wirklich im Sinne Ramon Llulls gewesen wäre.

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:

Auf geht´s ins Ausland: Musik-Kabarett in Son Bauló

Mit Vorspeise und Hauptgericht: Die Spielzeit der Sinfoniker

Fitzners Kunststückchen

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