22. August 2013
22.08.2013

Was bei Oma an der Wand hing

Die Krise zwingt viele mallorquinische Familien, sich von Gemälden und anderen Kunstwerken zu trennen. Ersteigert werden können sie dann etwa bei Maneu Punt d´Art

29.08.2013 | 01:15
Haben einiges auf Lager: Manuel Llabrés (li.) ist der Auktionator, Pep Llabrés sein Chef.

Auktionshäuser haben oft etwas Geheimnisvolles oder Schmieriges an sich. Manche vermitteln unkontrollierbare Leidenschaft, andere dunkle Geschäfte. Meldungen von Millionen, die ein Van Gogh oder ein Miró bei Christie´s oder Sotheby´s eingebracht haben, gehen um die Welt. Wer kauft diese Bilder? Wo verschwinden sie nach der Versteigerung? Sind es gierige Sammler oder geschickte Hehler, die da Geld zu Kunst machen und Kunst zu Geld?

Bei Maneu Punt d´Art, einem der wenigen Auktionshäuser, die sich in Palma mit Kunst beschäftigen, kommen derlei Assoziationen nicht auf. Das liegt wohl an den Objekten, die in dem schmalen, tiefen Saal im Zentrum von Palma gezeigt werden. Landschaftsmalerei, aber auch dunkle Möbel, Nippes, Skulpturen hängen und stehen dort. Alles wirkt erschwinglich und vertraut, erinnert an Wohnungen alter, betuchter Leute, an Erbstücke, die in keinen Neubau passen und den Geschmack der Kinder und Enkel nicht treffen.

Tatsächlich kommen bei Maneu vor allem Erbschaften zur Versteigerung, frische oder viele Jahre zurückliegende. Jetzt, wo viele Mallorquiner materiellen Besitz flüssig machen müssen, sind das oft Stücke lang verstorbener Verwandter. Der Mahagoni­schrank vom Groß­onkel, die Porzell­ansammlung der Oma, Bilder die bislang im Speicher lagen ... vieles davon landet bei Maneu. Manuel Llabrés, der Auktionator, schätzt den Wert der Objekte und setzt dann einen Anfangspreis fest, falls er sie für interessant hält. Wechselt ein Stück den Besitzer, verdient er ­20 Prozent des ersteigerten Preises. Bleibt es liegen, verdient auch der Auktionator nichts. Lediglich das Schätzen der Objekte lässt sich der Fachmann für Malerei und Gegenstände des 19. und 20. Jahrhunderts bezahlen. Dieser Service ist unabhängig von den Versteigerungen.

Für Llabrés, die Buchhalterin und seinen Chef Pep Llabrés (zufällig haben die beiden denselben Nachnamen) ist das Geschäft nicht rentabler geworden, obwohl sie wegen der Krise viele Angebote haben. „Die Preise sind gesunken", sagt Manuel Llabrés, „ein guter Moment zum Kaufen." Für die Käufer lohnt es sich also, bei einer Versteigerung dabei zu sein. Auch wer nur mal schnuppern wolle, sei willkommen, sagt er. Vor allem bei der Kunst seien derzeit Schnäppchen zu machen – wenn man Glück hat. „Auktionshäuser bieten Kunst grundsätzlich billiger an als Galerien", sagt Llabrés, „was nicht heißt, dass ein bestimmtes Bild dann auch billig zu haben ist." Das macht den Reiz der Versteigerungen aus, die bei Maneu einmal im Monat, entweder dienstags oder donnerstags ab 19 Uhr, stattfinden: Man weiß nie, mit wem man konkurriert und wie viel Geld die anderen Teilnehmer in der Tasche haben.

In letzter Zeit verkauft das Auktionshaus also mehr als früher für weniger Geld. Alle Beteiligten sind daran interessiert, dass das Geschäft weiter geht. Bei Maneu gibt es keine archäologischen Fundstücke, kein Elfenbein und kein Gold oder Goldschmuck. „Dafür sind wir keine Fachleute, außerdem braucht man da zu viele Papiere", sagt Llabrés, Papiere, die den legalen Ursprung oder die Echtheit der Objekte bestätigen. Wer sich aber Bilder der so genannten mallorquinischen Schule kaufen will, Landschaftsmalerei von der Insel, der wird bei Maneu sicher fündig. Werke von wichtigen Vertretern dieser Strömung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gibt es zuhauf: Der zweite Zweig des Unternehmens, die Kunstgalerie Maneu, hat viele solcher Werke im Lager, und im Auktionshaus besteht der Kundenstamm vor allem aus alteingesessenen Mallorquinern, die sich jahrzehntelang für Ansichten aus Pollença, Lluc oder Deià begeistern konnten.

Llabrés zeigt uns im Lager Werke des Belgiers Médard ­Verburgh, der Argentinier Tito Cittadini und Roberto Ramauge, von Antoni Gelabert und Ricardo Ankermann. Sie kosten alle unter 10.000 Euro und zeigen das verträumte, unberührte Mallorca der 1890er bis 1920er Jahre.

Wem es vor allem um den Stil, weniger um dessen Originalität geht, der kann sich ähnlich luftige Hafen-, Küsten oder Gebirgsbilder auch für weniger als 1.000 Euro von zeitgenössischen Landschaftsmalern holen – entweder bei einer Auktion oder beim ruhigen Direktverkauf im Lager. Dort geht es bedächtig und seriös zu, Llabrés berät und vergleicht, zieht auch Expressionistisches und Abstraktes zu erschwinglichen Preisen hervor, von John Ulbricht oder Juli Ramis.

Einen Schatz zeigt er uns dann noch. Bei der ersten Auktion nach der Sommerpause wird ein kleines Landschaftsbild von Llorenç Cerdà der Star sein. Es stammt aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und habe einen Marktwert von etwa 9.000 Euro, sagt Llabrés. Anfang Oktober wird es bei ihm mit 3.000 Euro an den Start gehen. Zuletzt wurde ein ähnliches Bild letztlich für 22.000 Euro verkauft. Das war aber vor der Krise.

Auktionshaus Maneu Punt d´Art, Calle Cecili Metel, 6. Tel.: 971-71 82 60. E-Mail: Die nächste Auktion findet Anfang Oktober statt. Interessenten können die Objekte ab dem 1. September besichtigen oder selbst etwas zur Versteigerung bringen. Öffnungszeiten: 10-14 und 16-20 Uhr. Der Auktionskalender steht im Internet: www.maneusubastas.com, E-Mail: info@maneusubastas.com

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 29. August (Nummer 695) lesen Sie außerdem:

- Eigenwillig menschlich: US-Künstler Ellis Jacobson stirbt auf Mallorca

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