20. November 2014
20.11.2014

Mallorca-Kunst in Deutschland: Außenhandel mit Pinsel und Leinwand

Das Balearische Kulturinstitut IEB und private Stiftungen exportieren erfolgreich Kunst von der Insel

20.11.2014 | 11:55
November 2014: James Lambourne in Köln

Mallorca hat ein neues Exportgut, die Kunst. Neun Insel-Künstler haben dieses Jahr in Deutschland ihre Arbeit vorgestellt oder tun dies noch. Ermöglicht wurde das durch die Zusammenarbeit zwischen dem Institut d´Estudis Baleàrics (IEB) und privaten Förderern. Das IEB hat unter anderem hiermit in den vergangenen Monaten bewiesen, dass auch Behörden professionell und effizient arbeiten können. 40 Mitarbeiter und 35 Millionen Euro Jahresbudget sind dazu nötig, sowie gute Koordination.

Der scheidende Leiter Antoni Vera, der gerade zum Abteilungsleiter für Kultur im Landesministerium berufen wurde, hat zum Exporterfolg einen guten Teil beigetragen. Sein Team, darunter die mehrsprachige Fachfrau für Kunst Karen Müller, entscheidet in regelmäßigen Abständen über Förderungsanträge von Künstlern. 475.000 Euro gab es dieses Jahr für Filmemacher, Maler, Videokünstler und Bildhauer, die jenseits der
Insel ihre Arbeit vorstellen wollten (2013: 300.000 Euro). „Wir übernehmen selten hundert Prozent der Kosten", sagt Sprecherin Caterina Vidal, „aber Flug und einen Teil der Transportkosten der Werke versuchen wir zu finanzieren."

Das meiste Geld, nämlich 60.000 Euro, investierte das IEB 2014 für die selbst produzierte Ausstellung mit Amparo Sard im März in Berlin. Es war das dritte Mal, dass das Kulturinstitut zeitgleich zur Tourismusmesse ITB einen heimischen Künstler in der deutschen Hauptstadt präsentiert. In den Vorjahren waren Arbeiten von Bernardí Roig und eine Schau mit Erwin Bechtold und anderen zu sehen.

Ein Erfolgsgeheimnis des IEB ist auch dessen Transparenz und Präsenz in der Öffentlichkeit. Mitunter mehrmals die Woche gibt es Pressekonferenzen, bei denen die Medien über die Arbeit des Kulturinstituts informiert werden. Hinzu kommen auf privater Seite eingefleischte Mallorca-Fans aus Deutschland, die mit Geld und Kontakten helfen, Menschen wie der Kunstliebhaber Michael Horbach. Er lebt zeitweise auf Mallorca und betreibt in Köln eine Stiftung. Dort sind seit ein paar Tagen Arbeiten von Luis Maraver und James Lambourne zu sehen. Oder Walter Smerling: Der Vorsitzende des Bonner Vereins der Stiftung für Kunst und Kultur hat im Namen seiner 150 Mitglieder schon mehrere Ausstellungen organisiert, mit Richard Chiang, Mariano Mayol oder Santiago Picatoste. Und die Bonner Stiftung steht auch hinter so hochkarätigen Ausstellungen wie der von Gilbert & George im Casal Solleric oder von Anselm Kiefer im Es Baluard-Museum.

Hier spielt ein Mallorquiner eine Schlüsselrolle, der Anwalt Guillermo Dezcallar aus Palma. Er arbeitet seit zehn Jahren mit Smerling zusammen. Der spricht von „unseren mallorquinischen Freunden" und betont, wie sehr Mallorcas Kulturszene vielen ­Vereinsmitgliedern ans Herz gewachsen sei. „Viele von uns haben ein Ferienhaus auf Mallorca", sagt er, „wir schätzen an der Insel nicht nur die Sonne, sondern auch die dichte Kulturszene."

Der 42-jährige Künstler Toni Barrero aus Sóller ist Teil dieser Szene. Er stellt momentan zum ersten Mal in Deutschland aus, dank des Engagements der Stiftung Art Balear. Die wurde vor ein paar Jahren von dem deutschen Designer Klaus Dorn gegründet. Dorn lebt zeitweise in Fornalutx und organisiert für kunstinteressierte Reisende geführte Tages- oder Halbtagestouren zu Künstler­ateliers in Sóller, Campos oder Son Servera. Einer dieser Künstler, die regelmäßig Besuch von Neugierigen bekommen, ist Toni Barrero.

Auf Dorns Initiative hin sind nun 60 Bilder und Skulpturen von ihm und Ñaco Fabré im Kunst­forum Markert in Hamburg zu sehen. Neben Art Balear und dem IEB haben die Ausstellung auch das spanische Kulturinstitut Cervantes in Hamburg, die Hotelgruppe Barceló und die Schweizer Kulturstiftung Erica Sauter unterstützt. Barroso nennt das eine einmalige Gelegenheit, sich auf einem neuen Markt zu präsentieren. „Vielleicht findet sich ja ein Galerist, der mich in Deutschland vertreten will", sagt er hoffnungsfroh.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 20. November (Nummer 759) lesen Sie außerdem:

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