27. November 2014
27.11.2014

Kunstgenuss zwischen stummen Möbeln

Die Galerie L21 in Palma geht neue Wege: Der Hauptraum ist zu einem Wohnzimmer umfunktioniert worden. Dort stellen ein Jahr lang neun Künstler aus

27.11.2014 | 10:54
Das Mobiliar ist schlicht, damit die Kunst besonders intensiv wirkt. Als Gag am Rande dachte sich der Galerist eine Tür ins Nichts aus

Óscar Florit kann sich ein stolzes Lächeln nicht verkneifen, wenn er seine neueste Kunstidee in Augenschein nimmt. Werke von acht Spaniern und einem Chilenen haben er und seine Mitarbeiter in seiner Galerie L21 in Palma in den vergangenen Wochen in eine Art Wohnzimmer voller Möbel gehängt, gestellt und gelegt. Das Ergebnis ist das Projekt „The Apartment (Piloto)", das bis zum 10. Januar bestaunt werden kann.

„So etwas hat es in Palma noch nie gegeben", sagt Florit. Auf die Idee sei er gekommen, als er über ähnliche Projekte in London las. Auch die Künstler Rafa Forteza, Bell Fullana, Cristin Garrido, Álvaro Gil, Antonio González, Pol González Novell, Alejandro Leonhardt, Pep Vidal und Ian Waelder waren schnell für die Kunstwohnung zu begeistern.

„Alle Werke mussten zusammenpassen, und die Möbel durften nicht auffällig sein", so der Galerist. Und so wurden lediglich mausgraue Sperrholz-Tische und -Stühle angeschafft. „Stummes Mobiliar", wie Óscar Florit sagt, das die bunten Skulpturen und großflächigen Gemälde nicht in den Schatten stellt. Pate dabei stand der französische Philosoph Gilles Deleuze (1925-1995), der sagte, dass das künstlerische ­Erlebnis durch einen wohlausgestatteten Raum erheblich optimiert werden könne.

„Das Projekt ist auf ein Jahr anlegt, ab Januar werden in ­bestimmten Abständen individuelle Ausstellungen der Künstler folgen", sagt der Galerist. Dabei würden die Möbel nicht ausgetauscht. Abgerundet wird das Kunst­erlebnis mit wöchentlichen Veranstaltungen wie etwa Abendessen, Weinproben oder Modenschauen.

„Die Künstler werden so quasi gezwungen, dieses Wohnzimmer, also das Dreidimensionale, beim Schaffensprozess mitzudenken". Es gehe schließlich um das Verhältnis zwischen Kunst und Raum. In dem wohnlichen Ambiente könnten die Werke zudem ­intensiver genossen werden als etwa in einem herkömmlichen Ausstellungsraum. Ohnehin werde „der Besucher hier zwangsläufig zu einem Voyeur, weil er in etwas Privates eindringt", sagt Óscar Florit. Und zugleich wird der Inselvoyeur auch zum Observierten:„The Apartment (Piloto)" ist verbunden mit „The Window" in der L21-Galerie in Madrid. Die Besucher dort können alles, was in Palma passiert, auf einem Bildschirm mitverfolgen.

Den Kunstgenuss der anderen Art wünscht der Galerist auch den deutschsprachigen Residenten, von denen er sich mehr Mut zur interkulturellen Verschmelzung erhofft. „Sie sollten tiefer in die spanische Galerienszene eindringen". In diesem Sinne überlegt er, im „Apartment" auch ein Abendessen für Deutsche zu organisieren. „Das wäre sehr interessant."

Die Preise der ausgestellten Kunstwerke rangieren zwischen Preise: 650 und 7.000 Euro. Carrer Sant Martí, 1. Tel.: 971-57 72 38. Öffnungszeiten: Di-Fr 10.30-14 Uhr und 17-20 Uhr. E-Mail-Kontakt zu Óscar Florit: oscar@l21gallery.com.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 27. November (Nummer 760) lesen Sie außerdem:

- Finnischer Jazzmusiker eröffnet Zyklus mit internationalen Pianisten
- Galerie L21: Kunst-Ausstellungen im Wohnzimmer

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Gut essen auf Mallorca

Restaurants auf Mallorca

Welches Restaurant darf es sein?

Die Insel kulinarisch entdecken - Restaurant-Empfehlungen in Palma de Mallorca, im Osten, Südosten oder Südwesten von unserer Gastro-Autorin Martina Zender

 

Mallorca-Themen von A bis Z

Mallorca-Themen von A bis Z

MZ-Artikel, geordnet nach Themengebieten

Alphabetische Liste: Von Air Berlin über Kongresspalast bis Wandern

 

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |