03. Juni 2017
03.06.2017

Leere Weingläser im "Garten der Toleranz"

Am Sonntag (4.6.) zeigt Dörte Wehmeyer eine neue Installation in ihrem Langzeitprojekt in Cala Llombards

03.06.2017 | 01:00
Dörte Wehmeyer hinter einer ihrer neuen Arbeiten.

Es ist ein Gedanke, der nicht unbedingt naheliegt: auf einer futuristisch anmutenden Finca mit sensationellem Meerblick eine Ausstellung einzurichten, die das gesammelte Leid der Welt beinhaltet. Seit sieben Jahren arbeitet die deutsche Künstlerin Dörte Wehmeyer aber auf ihrem Grundstück in Cala Llombards genau an dieser Idee. „Garten der Toleranz" nennt sich die immer weiter wachsende Sammlung an Skulpturen und In­stallationen, in denen sich die 72-Jährige sowohl mit dem Schrecken der Vergangenheit als auch mit Ungerechtigkeiten der Gegenwart auseinandersetzt.

Am Pfingstsonntag (4.6.) von 11 bis 15 Uhr öffnet sie ihr Haus wieder für die interessierte Öffentlichkeit. Eines der neuen Stücke, die dieses Mal präsentiert werden, ist eine Installation mit leeren Weingläsern, die an Fäden gebunden von der Decke eines Gewölbes auf dem Gelände hängen. Wehmeyer möchte damit an das Grundrecht auf sauberes Wasser erinnern, das vielen Menschen vor allem in Afrika und in Asien verwehrt ist. Dass Weingläser aber auch ein Symbol für ein gutes, reiches Leben sind, ist ein Kontrast, der durchaus gewollt ist.


Auf der Biennale

Bewusstsein schaffen, das möchte Wehmeyer, die lange Zeit in der Wirtschaftsberatung gearbeitet hat. „Ich habe 15 Jahre in den USA gelebt, dort wurde im Gegensatz zu Deutschland über die Nazizeit gesprochen. Ich wollte meinen Beitrag leisten, damit es auch in der Heimat passiert." In Köln schuf sie erste Ausstellungen, bevor sie ihr Projekt auf Mallorca begann. Mittlerweile hat sie Mitte Mai schon zum zweiten Mal nach 2015 auf der Bien­nale in Venedig eine Installation gezeigt. „Mute Music" bestand aus Kinderfotografien, die zum Teil abgedeckt waren, und einem Geigenkasten, der mit Kohle gefüllt war. Wehmeyer will damit geraubte Kindheiten und das Fehlen von Musik in unserer Gesellschaft ins Bewusstsein rufen.

Ihre bevorzugten Materialien für die Installationen sind Steine, Eisen, Glas und Kohle. Sie verbindet sie mit Fotografien, Spiegeln und Papier. Der studierten Psycholinguistin ist zudem die Arbeit mit Worten wichtig. An einer Wand hat sie auf Marés-Stein Begriffe gesammelt, die für sie Grund für Kriege und Leid sind. Rund 20 Wörter stehen da. Ein Stück weiter weg hat sie positive Begriffe vereint. Sie kommt da gerade auf fünf. „Unsere Sprache ist sehr präzise, wenn es darum geht, Negatives zu beschreiben. Es gibt allein 180 Wörter, die mit der Vorsilbe ver- beginnen und die beschreiben, wie man anderen Menschen Leid zufügt. Aber man kommt nicht ansatzweise auf so eine Zahl, wenn es darum geht, Syno­nyme etwa für 'Liebe machen' zu finden."

Stühle im Garten

Manche der Skulpturen und Installationen erschließen sich schnell, wie etwa jene eines großen Kreuzes, das am Boden liegt, und in dem verkohlte Bücher liegen. „Hier behandle ich die unrühmliche Rolle der Kirche im Dritten Reich und bei der Fluchthilfe für Nazi-Größen nach dem Krieg", sagt Wehmeyer.

Stühle sind ein häufiges Motiv in den Werken der Künstlerin. Für Wehmeyer sind sie zum einen ein Symbol für Bildung und zum anderen für das, „was den Menschen vom Tier unterscheidet".

Sich über so viele Jahre auf ihrer Finca mit dem Leid der Welt auseinanderzusetzen, habe sie nicht untergekriegt. „Ich bin ein lebenslustiger Mensch und glaube an das Gute im Menschen, auch wenn es bei manchen verschüttet ist. Ich glaube, es ist die Verantwortung eines jeden, zum Gelingen der Demokratie beizutragen. Wir müssen für unsere Freiheit kämpfen. Sie ist nicht selbstverständlich."

Wie lange das Projekt weitergehen soll, weiß Wehmeyer nicht. „Ursprünglich war es auf fünf Jahre ausgelegt, jetzt sind es zehn. Womöglich kann es aber auch zwanzig Jahre weitergehen. Und eines Tages sollte vielleicht jemand Neues kommen, alles abreißen und mit den eigenen Ideen ein Projekt aufbauen, das den Gedanken von Tole­ranz und Aufklärung fortträgt."

Garten der Toleranz, Carrer de la Fontanella, 7, Cala Llombards, Eröffnung 4.6. 11 bis 15 Uhr, Gruppen können auch an weiteren Terminen Führungen mit der Künstlerin durch die Finca vereinbaren, Tel.: 661-80 02 62 oder über doertewehmeyer@gmail.com

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