25. Juli 2018
25.07.2018

So sollen Traditionen vor dem Aussterben bewahrt werden

Der Inselrat hat seit diesem Frühjahr einen Plan zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes auf Mallorca. Ein ehrgeiziges Projekt.

25.07.2018 | 01:00
Das Standartenfest in Palma ist ein gelebtes Beispiel für immaterielles Kulturerbe.

Immaterielles Kulturerbe – ein Begriff, der abstrakt und bürokratisch klingt. So schwammig wie allein die Definition von „Kultur" ist, so ungreifbar wird sie durch die wörtliche Abwesenheit an Materie gemacht. Das macht dieses Kulturerbe besonders verletzlich. Um immaterielle Kulturgüter zu bewahren, bedürfen sie eines expliziten Schutzes. Vor allem im Zeitalter der Globalisierung, in dem internationale Kulturpraktiken lokale immer mehr verdrängen.

Deswegen hat der Inselrat nun einen Plan zu „Verwaltung, Konservierung und Schutz des immateriellen Kulturerbes" ausgearbeitet. Regionen auf dem Festland wie Katalonien, Andalusien oder das Baskenland haben eine solche Regelung schon länger. Auf Mallorca war die Schaffung und Implementierung eines solchen Planes nun der neuen Regionalregierung ein wichtiges Anliegen. „Man hatte vorher nicht über das Thema gesprochen", sagt Kika Coll, Direktorin für Kultur und Kulturerbe für Mallorca. Im Interview mit der MZ 2016 kündigte sie bereits an, die Angelegenheit in Angriff nehmen zu wollen. Zwei Jahre später liegt nicht nur ein genereller Plan, sondern auch die Struktur für die konkrete Durchführung vor.

Doch was genau soll da überhaupt geschützt werden? Als besonders gefährdetes Beispiel nennt Coll das Kulturerbe, was über sogenannte „Oral Histories" eingeholt wird – Erfahrungen und Erinnerungen, die idealerweise von Generation zu Generation weitergegeben werden. Aber: „Vor allem wenn es alte Leute sind, gibt es ein höheres Risiko, dass sie verschwindet", erklärt Coll die Dringlichkeit des Themas. „Da ist schon viel gestorben, daher der besessene Versuch, es zu retten."

Andere Formen immateriellen Kulturerbes hingegen sind sehr lebendig: So zählen natürlich alle Arten von Fiestas dazu, aber auch Musik, Rituale und handwerkliche Techniken. Bei Letzterem ist es Coll wichtig zu betonen, dass der Fokus weniger auf dem Produkt, sondern vor allem auf der Technik liegt. Die zu schützenden Kulturgüter können sich weit bis ins tägliche Leben hinein erstrecken.

Der aktuelle Plan sieht als ersten Schritt die Erfassung und Katalogisierung dessen, was noch nicht verschwunden ist, vor. Logisch, um etwas zu schützen, muss man erst einmal wissen, was. Als Partner bei dieser umfassenden Aufgabe hat sich der Inselrat das Institut Ramon Muntaner aus Katalonien ausgesucht. „Für uns stellen sie einen guten Bezugspunkt hinsichtlich Methodologie und Arbeitsweise dar", begründet Coll die Entscheidung. Außerdem arbeitet das Institut bereits auf Menorca. Die Nachbarinsel hat vor rund anderthalb Jahren mit dem Erstellen ihres „Atlas des immateriellen Kulturerbes" begonnen, eines Tages könnte man die Kataloge beider Inseln zusammenführen.

Die Bezeichnung Atlas weist auf die Vorgehensweise hin: Die vielfältigen Arten kulturellen Erbes sollen anhand geografischer Zonen
ermittelt werden. Im Schnitt sind circa 20 Einträge pro Ortschaft vorgesehen. „Die Größe eines Ortes macht dabei nicht so viel aus. Alle durchleben ja die gleichen Prozesse", rechtfertigt Coll diesen womöglich pauschalisierenden Wert.

Doch was tun mit den multimedialen Aufzeichnungen, wenn man sie dann hat? Die Idee ist, sie in einer Online-Datenbank der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Die Plattform soll außerdem über ein Open-Source-System laufen, das ein Anpassen für viele Zwecke erlaubt. Der Inselrat möchte dem gesammelten immateriellen Erbe so wenigstens die Möglichkeit geben, lebendig zu werden. Womöglich könnte es sogar zu neuer Kultur beitragen. Ob das gelingt, wird sich aber erst zeigen müssen.

Noch in diesem Jahr soll allerdings schon mit der Arbeit „im Feld" begonnen werden. Anthropologen, Historiker, Fotografen werden sich dann auf der gesamten Insel auf die Suche nach diesem Erbe machen. Zunächst einmal ist der Plan auf vier Jahre ausgelegt, möglicherweise wird auf
sechs verlängert. Dabei soll erst einmal ein routinierter Ablauf des Prozesses gefunden werden. Denn im Prinzip ist die Arbeit nie abgeschlossen, wie Coll zugibt: „Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt. Wir wissen, dass wir da ein Fenster in die Unendlichkeit öffnen."

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