22. August 2018
22.08.2018

Steinerne Poesie zwischen Stoppelfeldern

Bei Campos gibt es einen neuen Skulpturengarten. Die Schweizerin Silvia Felix gibt dort auch Workshops – bei denen es nicht zuletzt darum
geht, zu sich selbst zu finden

22.08.2018 | 01:00
Derzeit sind in dem Garten zwölf Skulpturen ausgestellt.

Zwischen Campos und Sa Ràpita, wo sich das Auge an nichts festhalten kann, außer mal an einem Windrad, hat die Schweizerin Silvia
Felix (44) einen Skulpturengarten eröffnet – und damit ein kulturelles Highlight auf dem platten Land geschaffen. Der Garten ist nicht zu verfehlen, flattern doch bunte Bändchen rund um die Einfahrt und zeigen an, dass hier etwas Neues entstanden ist. Einige Mallorquiner aus der Nachbarschaft hätten schon angehalten und sich interessiert gezeigt, erzählt Silvia Felix, die Anfang des Jahres ihr neues Zuhause bezog und sich den Traum erfüllte, auf einer Finca zu leben und Skulpturen-Workshops in ihrem Garten anzubieten.

Jeden Donnerstag sind Besucher zudem willkommen, sich im Skulpturengarten umzusehen, die ausgestellten Steine mit den Händen zu erkunden (anfassen ausdrücklich erlaubt) und die dazugehörigen Gedichte (jedem Stein ist eins gewidmet) bei Kaffee und Kuchen auf sich wirken zu lassen. Zwischen Palmen und Feigenbäumen sind derzeit zwölf Skulpturen ausgestellt, gefertigt hat Silvia Felix bereits an die hundert, von denen ein guter Teil verkauft ist (Preis 1.000–3.000 Euro).

Die Künstlerin arbeitet mit weichen Specksteinen, die sie aus Brasilien, Indien und China importiert. Ihre erste Skulptur fertigte sie vor sieben Jahren während einer Auszeit in Griechenland an. Die Schweizerin wuchs auf einem Bauernhof mit Pferden auf und war es gewohnt, kräftig anzupacken. Als sie den ersten Stein nach tagelangem Bearbeiten durch zu kraftvolles Einwirken zerbrach, lernte sie, dass sie auch mal weich sein darf, um mit einer Sache weiterzukommen. Die erste Ausstellung organisierte sie in einem kleinen Hafen in Griechenland, jedem Stein fügte sie ein Gedicht bei – Gedanken und Weisheiten, die ihr die Steine während der Arbeit zuflüstern, wie sie sagt.

Die Steine ließen Silvia Felix fortan nicht mehr los. Zurück in der Schweiz gab sie Abendkurse mit Speckstein, tagsüber arbeitete sie in einer Biotechnologiefirma. In einem Urlaub auf Mallorca lernte sie die Pension Bellavista in Port de Pollença kennen, Monate später gab sie dort ihren ersten Skulpturen-Workshop. Drei Jahre pendelte sie zwischen der Schweiz und Mallorca, seit zwei Jahren lebt sie ganz auf der Insel.

Ihr Open-Air-Atelier hat Silvia Felix in den Finca-Garten verlegt, wo Heidi gerade an einem Stein arbeitet. Die Schweizerin aus St. Gallen ist für eine Woche angereist, um sich im Urlaub mal ganz einer Sache zu widmen und kreativ tätig zu sein, wie sie sagt. Am Vormittag wird im schönen Ambiente geraspelt und am Stein gefeilt, nachmittags geht's zum Schwimmen mit dem Fahrrad nach Ses Covetes. Eine tolle Kombination, findet Heidi.

Um Specksteinen eine grobe Form zu geben, kommen zunächst Säge, verschiedene Raspeln und Feilen zum Einsatz, für den
Feinschliff liegen Schleifpapiere auf dem Tisch im Garten bereit. „Ich musste kapieren, dass ich zuerst etwas zerstören muss, um etwas Neues zu kreieren", erzählt Heidi. Keine leichte Aufgabe, geht es im alltäglichen Leben doch eher darum, immer mehr anzuhäufen.

Die spielerische Freude, mit der man am Stein herumfeile, wirke befreiend, gleichzeitig verrichte man eine tiefgehende Arbeit, erklärt Silvia Felix, die Heidi beim Feilen begleitet. Für die Künstlerin kommt auch innerlich etwas in Gang: „Ich öffne den Stein und der Stein öffnet mich." Bricht beim Arbeiten ungewollt mal eine Ecke ab, zeigt sie den Teilnehmern, mit der veränderten Lage umzugehen, statt gleich mit einem neuen Stein zu beginnen. Durch eine andere Herangehensweise stellt man eine neue Form und Harmonie her – Fähigkeiten, die man im Seminar erproben und anschließend mit ins Leben nehmen kann.

Dass Specksteine ohne viel Kraftaufwand zu bearbeiten sind, kommt Anfängern entgegen. Nach vier Tagen hält Heidi ihre ganz persönliche, wunderschöne Skulptur in der Hand. Die sie im letzten Schritt im Wasser badet und mit Schleifpapier bearbeitet, um die individuellen Farbnuancen im Stein herauszuholen. Ob sie ihrer Skulptur zum Abschluss auch ein Gedicht widmet, weiß die Schweizerin noch nicht: „Das stelle ich mir eher schwierig vor." Silvia Felix lächelt wissend, stumm. Manchmal formten sich die Worte zum Stein erst einige Tage später, spontan und ohne nachzudenken. Das Gedicht „Fülle" sei auf diese Weise entstanden, sagt die Künstlerin. Es fasst zusammen, was ihr während der Arbeit mit einer Skulptur widerfahren ist: „Erfreut entsteht sie in meinen Händen. Schmerzhaft fällt sie mir auf die Füße und weckt mich auf. Neugierig wollen andere daran teilhaben. Wer hätte gedacht, dass sie so einfach daherkommt?"

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