06. November 2018
06.11.2018

Als die Nazis in Spanien den Mord aus der Luft übten

Ein Dokumentarfilm erzählt von einem vergessenen Angriff der deutschen Legion Condor auf Dörfer auf dem spanischen Festland

06.11.2018 | 11:21
Der Blick gen Himmel: Ein Dorfbewohner erinnert sich an den Tag der Bomben.

Als 1938 die drei Flugzeuge am Himmel über den kleinen Bauerndörfern in der spanischen Region Castellón auftauchten, gingen die Menschen erstaunt und neugierig auf die Straße, Kinder winkten aufgeregt gen Himmel. Doch die Piloten kamen nicht in friedlicher Mission. Sie warfen Bomben ab, drei Stück, und machten kehrt. Zurück ließen sie 38 Todesopfer, zerstörte Straßen und verzweifelte Menschen, die über Jahrzehnte nicht verstehen sollten, warum gerade ihr Dorf zum Schauplatz der Zerstörung wurde.

Es dauert fast 80 Jahre, bis sich ein Anwohner auf die Suche nach Antworten machte, und die erschreckend ernüchternde Wahrheit herausfand: Die Angreifer waren deutsche Piloten der auch auf Mallorca stationierten
Legion Condor, geschickt von Hilter und gebilligt von Francisco Franco, in geheimer Mission. Hitler wollte testen, ob seine neuen Sturzkampfflugzeuge Junkers Ju 87 (kurz: „Stuka") in der Lage waren, 500-Kilo-Bomben präzise zu platzieren. Sie waren es. Menschenleben spielten bei dem Experiment keine Rolle.

Für ihren Dokumentarfilm „Experimento Stuka" haben die Filmemacher Pepe Andreu und Rafa Molés den wahrheitssuchenden Dorfbewohner mit der Kamera dabei begleitet, wie er im Freiburger Militärarchiv auf Dokumente stößt, die Klarheit bringen. Fotos, Karten und Akten, die Stück für Stück ein Gesamtbild des gut geplanten Grauens ergeben.

„Es ist ein sozialer Film, der nicht auf eine historische Debatte aus ist, wohl aber von Geschichte erzählt", heißt es in einem Text der valencianischen Produktionsfirma Suicafilms. Die Dokumentation greift die Geschichte der Dörfer auf, aber auch die psychologischen Strategien der nationalsozialistischen Kriegsführung. Sie handelt von Willkür und eiskalter Berechnung, von Angst, Gehorsam und Ideologie. Und immer wieder taucht die Frage nach den Gründen auf, die es möglich machen, dass Historie über so lange Zeit von jenen abgekapselt sein kann, die sie selbst am eigenen Leib miterlebten und im Kleinen die Protagonisten der Geschichte sind. „Licht in die dunklen Stellen unserer Geschichte zu bringen, reißt keine Wunden auf, sondern schließt sie für immer", schreiben die Regisseure, die ihren Film im November auf Kinoleinwänden in ganz Spanien zeigen wollen.

Als Auftakt der donnerstäglichen Autorenfilmreihe „Caméra-Stylo" wird „Experimento Stuka" (Originalton: Katalanisch, Spanisch, Englisch, Deutsch; Untertitel: Spanisch) am 8. November um 20.20 Uhr im Ocimax in Palma gezeigt. Auch Regisseur Rafa Molés ist anwesend. Eintritt: 4 Euro.

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