19. Februar 2019
19.02.2019

Popmusik aus Mallorca unter Einfluss eines Fußball-Poeten

Die Band Da Souza erntet derzeit viel Lob für ihr Album „Futbol d'avantguarda" – und singt auch mal auf Deutsch

19.02.2019 | 01:00
Auch dünne Jungs, die poetischen Pop spielen, posen gerne vor Ferraris: Da Souza mit Lluís Cabot (2 v. re.).

Es ist Sommer in der vermutlich nicht allzu fernen Zukunft. Der Roboter, der am Flughafen von Palma de Mallorca die Touristenströme leitet, ist überfordert, und fängt an, wirres Zeug zu reden: „Willkommen auf Mallorca. Ich bin pleite. Ich möchte Präsident werden. Auf Wiedersehen, meine Liebe. Ich habe ein Urteil gegen mich in Florida." Diese kuriose Ansammlung an Statements ist wohl der skurrilste Song auf dem Album „Futbol d'avantguarda" (Avantgarde-Fußball) der mallorquinischen Band Da Souza – nicht nur, weil es der einzige deutschsprachige ist. Auch weil „Willkommen auf Mallorca" nicht wie der Rest des Albums eine eingängige Popmelodie bietet. Sondern einen stakkatoartigen Gesang entlang einer Tonleiter.

Es ist ein Album, das wie kaum ein anderes von einer mallorquinischen Band im vergangenen Jahr für Begeisterung gesorgt hat. Beim balearischen Musikpreis der Zeitschrift „Enderrock" bekam die Band Ende November den Preis für das beste Album des Jahres. Und Mitte Januar gewann die Gruppe den Preis der Stadt Palma.

Texte vom Fußball-Poeten

Und das, obwohl das Album nicht hundertprozentig von der Band selbst stammt. Zumindest die Texte schreiben die fünf Musiker, von denen vier in Barcelona leben, einem mittlerweile verstorbenen Nachbarn im Stadtteil El Raval zu. Der brasilianisch-mallorquinische Poet und Fußballtrainer Agustí Simó Da Souza, gleichzeitig auch Namenspatron der Band, habe ihnen eines Tages ein Textheft mit dem Titel „Manuscrits de Punta Cana" vorbeigebracht – mit der Bitte, aus dem Material doch bitte ein Album zu machen.

Eine Legende? Wahrscheinlich. Ein wenig erinnert das an die bekannte schwedische Rockband The Hives, die alle ihre Lieder einem mysteriösen Schattenmann namens Randy Fitzsimmons zuschreibt. Ob das witzig ist, muss jeder selbst entscheiden. Aber es ist kein schlechter Schachzug für eine Band, deren Texte zwar sehr poetisch, in ihrer Botschaft aber doch eher kryptisch sind. Er erlaubt Sänger Lluís Cabot etwa auf die Frage, was denn nun Avantgarde-Fußball sein soll, diese Antwort zu geben: „Das werden wir häufig gefragt. Letztlich ist es Teil des Gedankenuniversums, das uns unser Freund Agustí hinterlassen hat. Es war ein Konzept, an dem er gearbeitet hat, das mehrere Aspekte umfasste, also den Fußball mit anderen Elementen wie der Poesie zu verbinden. Aber ich kann das nur unzureichend erklären."

Mut, die Gitarren zu Entzerren

Aber nur wegen einer kuriosen Hintergrundgeschichte, ob nun wahr oder nicht, ist das Album natürlich nicht mit Lob überschüttet worden. Waren Da Souza auf ihren ersten beiden Alben noch eine eher durchschnittliche Indie-Rockband, zeigen sie auf „Futbol d'avantguarda" den Mut, die verzerrten Gitarren in den Hintergrund zu stellen und stattdessen Melodien und Harmonien sich entfalten zu lassen. Sie integrieren Keyboards und Bläserarrangements in ihren Sound, was ihnen ganz andere Klangfarben ermöglicht.

Da Souza klingen dabei weder besonders modern noch auffällig retro. Zwar haben sie, wie fast alle Rockbands der Insel, einen Hang zu den Beatles in ihren Liedern. Aber sie wollen die 60er-Jahre auch nicht wiederbeleben. Einen großen Anteil am neuen Sound habe der Produzent des Albums gehabt, sagt Cabot. Der katalanische Künstler Joan Pons, der als Musiker unter dem Namen El Petit de Cal Eril bekannt ist, habe starken Einfluss ausgeübt. Tatsächlich sind deutlich die Parallelen zu hören.

Assoziationen und Emotionen

Textlich ähneln Da Souza – ob nun die Band oder der Dichter – in gewisser Weise Antònia Font, einer der bekanntesten Popbands in der Geschichte Mallorcas. Die Texte erwecken eher Assoziationen und Emotionen, als dass sie eine konkrete Botschaft vermitteln. Allerdings umschiffen Da Souza den süßlichen Kitsch, der sich bei Antònia Font immer wieder einschlich. Das klingt dann etwa in „Migracions de Salmons"(Wanderung der Lachse), einer der Singleauskopplungen, dann etwa so: „I diuen que la peresa és la naturalesa de mamífers en vies d'extinció. Oh, no: de mamífers en llocs on fa calor." (Und sie sagen, dass die Faulheit das Wesen der Säugetiere ist, die sich im Aussterben befinden. Oh nein: von Säugetieren, die an heißen Orten leben.)

Da Souza, Futbol d'avantguarda, Famèlic Records, anhören unter: dasouza.bandcamp.com/album/futbol-davantguarda

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