21. Mai 2019
21.05.2019

50. Geburtstag: "Das Auditorium ist mein Leben"

Palmas lange Zeit größter Veranstaltungssaal ist Familiensache: ein Gespräch mit Eigentümer Rafael Ferragut

21.05.2019 | 01:00
„Als ich 18 Jahre alt war, sprach mein Vater schon vom Auditorium": Rafael Ferragut vor dem Gebäude.

50 Jahre Auditorium in Palma: Es waren die weltberühmten Berliner Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Herbert von Karajan, die das Konzert- und Veranstaltungsgebäude in Anwesenheit von König Juan Carlos und Königin Sofía am 3. September 1969 nach dreijähriger Bauzeit mit einem Konzert einweihten. Das Besondere am Auditorium – das seinen Namen aus dem Lateinischen bezog, um dem Streit aus dem Weg zu gehen, ob es katalanisch Auditori oder spanisch Auditorio genannt wird – ist seine Trägerschaft. Finanziert von dem Schuhfabrikanten Marc Ferragut aus Inca, ist das Gebäude bis heute im Besitz seiner Familie. Zunächst war sein Sohn Rafael mit dem Tagesgeschäft betraut, inzwischen ist sein Neffe Marcos Geschäftsführer. Aber Don Rafael kommt weiterhin jeden Tag ins Büro, mit seinen inzwischen 83 Jahren. Und er verpasst nach eigenen Angaben keine Aufführung. Im Durchschnitt sind es 284 im Jahr.

Was geht Ihnen zum 50. Jubiläum des Auditoriums durch den Kopf?
Das Auditorium ist mein Leben. Als ich 18 Jahre alt war, sprach mein Vater schon vom Auditorium. Seitdem habe ich kaum an etwas anderes gedacht. Andererseits hatte ich ja kaum eine andere Wahl: Ich bin ein Einzelkind, da konnte ich mich schlecht aus der Affäre ziehen.

Wie konnte Ihr Vater eigentlich damals einen solchen Bau stemmen? Hatte er ein Vermögen geerbt oder verdient?
Keineswegs. Und das ist es auch, was man ihm heute noch vorwerfen müsste. Er steckte jede Pesete, die er mit seiner Schuhfabrik verdient hatte, in den Bau des Auditoriums. Er war kein besonders reicher Mann. Aber er hatte diesen einen Traum.

Bekam er Unterstützung von der Stadtverwaltung von Palma?
Nur in dem Sinne, dass er die Lizenzen bekam. Der damalige Bürgermeister Juan Massanet fand die Idee gut, für die Stadt Palma war das Projekt allerdings nicht zu stemmen. Mein Vater musste sogar das Grundstück kaufen. Die eine Hälfte gehörte Privatleuten, die andere gehörte der Stadt, mein Vater erwarb sie in einer öffentlichen Versteigerung.

Ihr Vater war besessen von der Idee, einen Konzertsaal mit herausragender Akustik für Mallorca zu bauen. Er ließ sich bei der Planung von der Royal Festival Hall in London inspirieren. Was macht denn diese perfekte Akustik aus?
Akustik ist ein komplexes Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren. Ich selbst habe Akustik 15 Jahre lang studiert. In Spanien gab es damals noch überhaupt keine Bücher dazu, ich musste sie alle auf Englisch lesen. Gute Akustik kann man als Kombination aus direktem Klang und seiner Resonanz definieren.

Anderen Veranstaltungsorten, wie etwa dem Teatre Principal, wird immer wieder eine mangelhafte Akustik vorgeworfen.
Das ist kein Wunder, schließlich stammt das Teatre Principal aus dem Jahr 1850. Da kannte man das Wort Akustik noch nicht. Ich selbst habe es erst in London kennengelernt. In früheren Jahrhunderten wurden Theater und Opernhäuser vor allem nach Gesichtspunkten der Ästhetik und der Schönheit gebaut, nicht danach, wie gut das Orchester zu sehen oder zu hören war. Deshalb sieht man von der Hälfte der Plätze im Teatre Principal kaum die Bühne. Natürlich ist es attraktiv, ein Konzert beispielsweise in der Kathedrale von Palma zu hören. Aber die Akustik dort hat der Teufel höchstpersönlich entworfen.

Sie beklagen sich häufig, dass die Politik das Auditorium links liegen lässt. Wo macht sich das am meisten bemerkbar?
Allein schon daran, dass das Auditorium auf Mallorca das einzige Theater in privater Hand ist und als einziges Theater Steuern zahlt. Auf der Insel gibt es mehr als 20 Theater, und alle würden rote Zahlen schreiben, wenn sie nicht von den Gemeinden oder der öffentlichen Verwaltung finanziert würden. Allein das Teatre Principal verpulvert jedes Jahr einen Haushalt von 5,5 Millionen Euro. Was könnte man mit diesem Geld nicht alles im sozialen Bereich tun – auf einer Insel, in der viele Menschen kaum zu essen haben oder von Zwangsräumungen betroffen sind.

Das Teatre Principal stemmt aber mit diesem Geld auch Eigenproduktionen, wie etwa einen Großteil der Opernsaison.
Ich habe auch Opern veranstaltet. Bis dann das Teatre Principal 2009 auf die Idee kam, die eigene Opernsaison zur gleichen Zeit zu veranstalten wie ich. Dann mussten wir wohl oder übel die Segel streichen. Wenn dein Konkurrent mit 5,5 Millionen Euro Budget startet und du mit 0, dann sind es unfaire Bedingungen.

Stimmt es, dass Sie jeden Monat 5.500 Euro Grundsteuer an das Rathaus von Palma überweisen?
Die Grundsteuer ist eine regelrechte Hinrichtung. Im Jahr 2013 hat das Rathaus das Auditorium zur gleichen rechtlichen Figur wie große Einkaufszentren, also zum Beispiel den Corte Inglés, erklärt. Das bedeutete eine Verdopplung der Grundsteuer von einem Tag auf den anderen. Das muss man sich mal vorstellen: Wir sind das einzige Theater auf der Welt, für das diese Vorgaben gelten. Jedes Jahr reklamieren wir, aber ohne Erfolg.

Ist das Auditorium denn rentabel?
Nein. Allerdings schreiben wir auch keine nennenswerten Verluste. Ein Jahr verdienen wir mal ein bisschen was, ein anderes zahlen wir drauf. Es hält sich die Waage und wir überleben. Diese Situation führt aber auch dazu, dass wir nicht die ganz großen Namen nach Mallorca holen können. Wenn wir Subventionen bekämen, dann könnten wir auch mal die Wiener Philharmoniker einladen.

Selbst für das Jubiläumsjahr lassen Sie keinen großen Kracher einfliegen?
Nein, wir haben uns dazu entschlossen, mit jedem einzelnen Konzert in diesem Jahr unseren Geburtstag zu feiern. Am 24. Mai gibt es eine spezielle von den Rotarieren organisierte Benefiz-Gala mit vielen Chören und Gruppen von der Insel.

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