10. Juli 2019
10.07.2019

Wie man ein unendliches Kunstwerk schafft

Nacho Martín Silva präsentiert in der Miró-Stiftung auf Mallorca ein Gedankenspiel über Originalität und Verfremdung

10.07.2019 | 09:50
Der Künstler vor seinen Collagen: Nacho Martín Silva in der Fundación Miró.

Was ist ein künstlerisches Original? Inwieweit lässt sich ein Bild manipulieren und wie lange braucht es, bis ein anderes entsteht?, fragt der Madrider Künstler Nacho Martín Silva, Träger des Pilar Juncosa und Sotheby's-Preises 2017, in der Ausstellung „Piece Of Trash" in der Miró-Stiftung in Palma de Mallorca.

Angefangen hat Martín mit zwei kleinen Collagen aus historischen Bildern, aber auch Fotografien von Malereien. „Die waren eher simpel, ich habe die einzelnen Elemente nicht mal fixiert", beschreibt er den Prozess. Daraufhin fotografierte er die beiden Arbeiten. Diese Fotos malte er auf einem etwas größeren Format ab. Und fotografierte sie wiederum. Mit diesen Elementen schuf er die beiden ersten großen Collagen. Diese lichtete er erneut ab und druckte die Bilder großformatig aus. Die Gemälde verfremdete er mit Chemikalien. Aus diesen Fotos und den übrigen Materialien schuf er eine dritte Collage. Diese wiederum fotografierte er und druckte sie aus. Aus den bisherigen Schnipseln und diesem Foto schuf er die vierte Collage. Und so weiter.

Ein Eigenleben entwickelt
Inhaltlich bedient sich Martín unter anderem bei Fotos von der nationalsozialistischen Ausstellung über „entartete Kunst" 1937, Bildern von „Survival Towns" im US-Bundesstaat Nevada und Arbeiten der Designerin Dorothy Draper. In der Fundació Miró zeigt Martín neun der in diesem Verfahren entstandenen Collagen. „Im Grunde werde ich so weitermachen, bis ich nicht mehr kann oder – sollte der Fall eintreten – bis die Materialien irgendwann ausgehen", sagt der Künstler. „Ein Freund hat mich neulich darauf gebracht, dass die Serie eigentlich ohne mich fortgeführt werden könnte. Sie hat ein Eigenleben entwickelt."

Der Reiz dieser Serie besteht auch darin, dass man sie wie einen Stammbaum lesen kann. Ein Element, das in den ersten beiden Bildern auftaucht, kann zwei „Generationen" auslassen und dann wieder präsent sein, genauso wie sich Merkmale von Menschen bei den Nachfahren weitervererben.

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