11. Dezember 2019
11.12.2019

Er will den Balearen-Sinfonikern ein neues Zuhause geben

Pere Malondra folgt Pere Bonet auf dem Posten des Geschäftsführers der Balearen-Sinfoniker - und muss sich nun um den Bau des neuen Sitzes des Orchesters kümmern

11.12.2019 | 11:28
Aus dem Gemeinderat von Alcúdia zum Geschäftsführer der Sinfoniker: Pere Malondra.

Pere Malondra leitet seit dieser Saison als Geschäftsführer die Geschicke der Balearen-Sinfoniker. Zuvor hat Malondra zwölf Jahre in seinem Heimatort Alcúdia als Kulturdezernent Erfahrungen gesammelt. Sein wichtigstes Projekt ist der Bau der Niederlassung der Sinfoniker, der sogenannten Caja de Música im Viertel Nou Llevant für knapp zehn Millionen Euro. Malondra hat die MZ am Donnerstag (21.11.) zum Interview empfangen.

Sie sind jetzt Geschäftsführer der Balearen-Sinfoniker. War das ein Traumjob?
Nein, keineswegs. Ich hatte nie vor, diesen Weg einzuschlagen. Als ich gefragt wurde, ob ich mir das vorstellen kann, habe ich eine Woche darüber nachgedacht, bevor ich zugesagt habe. Es ist schon eine Herausforderung, auch so in der Öffentlichkeit zu stehen.

Was verbindet Sie mit klassischer Musik?
Außer der Tatsache, dass sie mir gefällt und ich sie zu Hause höre, nicht viel. Es war ein Wunsch von Pablo Mielgo und den Musikern, dass den Posten des Geschäftsführers nach Möglichkeit kein Musiker bekleiden solle. Das hört sich zwar erst einmal merkwürdig an, aber die Sinfoniker haben ja einen künstlerischen Leiter und dazu eine Kommission, die sich Gedanken zur künstlerischen Arbeit macht. Wenn dann ein Geschäftsführer auch auf diesem Gebiet mitreden will, kann es Schwierigkeiten geben. Meine Aufgabe besteht eher in der Koordination, dass alle Bereiche funktionieren. Und meine Hauptaufgabe ist, das Budget zu managen.

Wie viel Geld haben Sie zur Verfügung?
Für das Tagesgeschäft ist es mehr oder weniger dasselbe wie schon vor zwei Jahren, etwas mehr als 7 Millionen Euro. Dieses Jahr sind wir allerdings insgesamt bei etwas mehr als 15 Millionen Euro. Wir brauchen mehr Geld, um den Bau der Caja de Música zu finanzieren, eines der wichtigsten Themen dieser Legislaturperiode. Und das Vorhaben ist inzwischen Realität, das definitive Projekt soll in der ersten Dezemberwoche vorliegen. Ich bin optimistisch, dass die Bauarbeiten im Oktober 2020 beginnen können. Ab dann sollen sie 22 Monate dauern.

Was bedeutet die Caja de Música für die Sinfoniker?
Das Orchester wünscht sich seit vielen Jahren eine feste Niederlassung. Es ist das wichtigste Kulturprojekt der Regierung und genügt hohen Qualitätsansprüchen. Es war Zeit, weil die Balearen-Sinfoniker eines von wenigen Sinfonieorchestern, wenn nicht das einzige in Spanien, ohne eigene Niederlassung waren, die die Bedürfnisse des Ensembles erfüllt. Es wird auch ein kleines Auditorium mit 600 Plätzen bekommen. Da kann man ab und zu auch Konzerte oder Kammermusik veranstalten.

Was ist das Problem der Sonotheque, dem jetzigen Probenraum in Son Castelló?
Die Sonotheque ist nur ein einziger Raum, es gibt keine Zimmer für das Üben in Kleingruppen. Außerdem kostet sie jeden Monat knapp 7.000 Euro Miete.

Warum wird die Caja de Música jetzt erst Wirklichkeit? Hat man die Sinfoniker in der Vergangenheit gering geschätzt?
Die Gesellschaft hat die Sinfoniker immer sehr wertgeschätzt. Was die Politik betrifft, hat diese auch immer mit Ideologien oder wirtschaftlichen Zwängen in Krisenzeiten zu tun. Es gab einen Moment vor etwa sieben Jahren, in dem die Politiker nicht im Sinne des Orchesters, sondern gegenläufig arbeiteten. Ich weiß nicht, was dran war, aber es gingen Gerüchte um, das Orchester sollte zu einem Kammermusikensemble mit nur noch 40 Musikern umgewandelt werden. Es war finanziell eben sehr eng zu dieser Zeit. Aber die Musiker haben mobil gemacht, und auch die Bevölkerung hat die Sinfoniker unterstützt, etwa beim Konzert auf dem Paseo del Borne. Das war wohl der Schlüsselmoment dafür, dass das Orchester heute konsolidiert ist und etwas Ähnliches kaum noch einmal passieren wird.

Es war auch in musikalischer Hinsicht ein Schlüsselmoment, denn nach der Krise kam mit Pablo Mielgo ein Chef-Dirigent, der das Niveau des Orchesters anhob.
Pablo Mielgo ist einerseits ein grandioser Musiker, andererseits aber auch eine sehr umgängliche Person. Er hat in den vergangenen Jahren in vieler Hinsicht eine hervorragende Arbeit geleistet. So hat er das Orchester einem breiteren Publikum geöffnet, etwa mit Auftritten in anderen Orten der Insel. Die Sinfoniker spielen auch im Gefängnis oder in Altenheimen.

Wie schaffen Sie es, häufig Solisten ersten Ranges nach Palma zu holen? Sprengt das nicht das Budget?
Einen großen Anteil daran hat Pablo Mielgo mit seinen Kontakten zu großartigen Solisten. Auch das Niveau des Orchesters spielt eine Rolle. Das Budget darf unter keinen Umständen gesprengt werden. Sollte es mal gesenkt werden, müssen wir eben mal einen Solisten weniger holen, aber auf keinen Fall das Jahr mit Defizit abschließen.

Wie wollen Sie die Sinfoniker für ausländische Residenten attraktiver machen?
Wir planen gerade eine Werbekampagne, sowohl Print als auch in den Netzwerken.

Das Orchester soll Zuwachs bekommen?
Morgen starten die Auswahl-Vorspiele für zwei Violinen- und zwei Posaunenplätze, die ab Januar im Einsatz sein sollen. Dann hätten wir 66 Musiker. In zehn Jahren wollen wir mindestens 70 Musiker beschäftigen.

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