26. Mai 2020
26.05.2020
Mallorca Zeitung

Warum die Konzertreihe Sons de Nit wie geplant stattfinden soll

Etliche Großevents auf Mallorca wurden wegen Corona abgesagt oder verschoben. Doch der Veranstalter Fonart gibt sich kämpferisch

26.05.2020 | 01:00
Ana Espina vom Konzertveranstalter Fonart.

Eine Open-Air-Konzertreihe auf Mallorca will sich nicht vom Coronavirus geschlagen geben: Sons de Nit soll dieses Jahr wie vorgesehen zwischen dem 21. Juni und dem 27. August stattfinden, mit zwölf Konzerten auf Mallorca, einem auf Menorca sowie einem Tag mit Vorträgen zu Themen wie Feminismus und Klimawandel.

Das Lineup hält sowohl lokale als auch internationale Künstler bereit, wie die kubanische Musiklegende Omara Portuondo oder den schwedischen Sons-de-Nit-LieblingJay-Jay Johanson. Ana Espina vom Konzertveranstalter Fonart ist eine der Hauptverantwortlichen für die Organisation. Im Interview spricht sie über den kreativen Umgang mit neuen Beschränkungen, die Highlights des aktuellen Programms und den größten Feind der Livemusik.

Ana Espina: "Wir glauben, dass es machbar ist"

Frau Espina, wie kommt es, dass Sie die Konzertreihe Sons de Nit nicht abgesagt haben?
Im März, kurz bevor der Alarmzustand ausgerufen wurde, stand bereits 95 Prozent unseres Programms. Am Anfang hatten wir uns entschieden, erst einmal abzuwarten. Der einfachste Weg wäre wohl gewesen, schon an nächstes Jahr zu denken und dieses für verloren zu erklären. Aber andererseits haben wir gedacht: Unsere Arbeit ist unentbehrlich.

Inwiefern?
Wir müssen den analogen Charakter der Dinge verteidigen. Natürlich waren in diesen Zeiten viele Musiker extrem großzügig, haben kostenlos Online-Inhalte zur Verfügung gestellt oder Livekonzerte von zu Hause aus gespielt. Aber all das war digitaler Konsum. Der ist schön und gut und hat uns in diesen schwierigen Momenten gute Dienste geleistet. Aber er kann auch die Livemusik zerstören. Wenn die Leute sich daran gewöhnen, dass alles in dieser Form zu ihnen kommt, wird der digitale Konsum unser größter Feind. Wir wollen nicht, dass es so weit kommt, sondern gehen in den Kampf-, Verteidigungs- und Resilienz-Modus. Die Leute sollen nach so vielen Monaten vor dem Bildschirm wieder Konzerte live genießen können. Zudem glauben wir, dass es machbar ist, natürlich mit sehr viel Vorsicht und unter Einhaltung aller Instruktionen.

Weniger Publikum, höhere Kosten

Als Arbeitgeber tragen Sie auch Verantwortung für ein großes Team.
Ja, es sind sehr viele Menschen beteiligt: Manager und Tourmanager, Licht- und Tontechniker, die Künstler. Leute, die Plakate entwerfen und in der Stadt aufhängen oder sich um die digitalen Inhalte kümmern. Es bedeutet eine große Anstrengung für uns alle. Und wir werden mehr Personal brauchen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Das heißt, für weniger Publikum haben wir gleichzeitig höhere Personalkosten.

Welche Änderungen wird es noch geben?
Einige Konzerte waren bereits mit Sitzplätzen geplant gewesen, andere aber mit Stehplätzen. Und solche Konzerte werden noch viele Monate lang nicht möglich sein. Bei Sitzpublikum wiederum dürfen die Säle nicht so voll sein, und die Stühle müssen weiter auseinanderrücken. Wir werden also Konzerte für ein sehr reduziertes Publikum veranstalten. Und dafür erarbeiten wir im Moment Lösungen, damit aus dem Ganzen nichts Elitäres wird. Denn die Preise möchten wir trotz allem nicht erhöhen.

Kreative Lösungen für die Beschränkungen

Wie könnten diese Lösungen aussehen?
Wenn wir einen Raum füllen, in dem sonst 400 Zuschauer gewesen wären und nun nur noch etwa 150, überlegen wir, zwei Vorführungen daraus zu machen. Der Musiker muss dann vielleicht zwei Mal spielen, aber dafür ist die Einschränkung des Publikums nicht so groß. Und es ist für alle sicherer. Wir wissen auch, dass die Zuschauer wegen der Auflagen vor dem Einlass länger warten müssen. Deshalb denken wir darüber nach, für die Wartenden Musik zu spielen, damit die Schlange draußen schon ein angenehmer Teil der Erfahrung wird. Wir versuchen jetzt, besonders kreativ zu sein und die Situation auch als Möglichkeit zu sehen, uns neu zu erfinden. Zudem wollen wir den Zuschauern vermitteln, dass sie sich sicher fühlen können. Das ist enorm wichtig, denn wir haben großen Respekt vor den Normen und wollen keinesfalls dazu beitragen, dass sich die Lage verschlimmert.

Machen sich die Künstler Sorgen? Zum Beispiel Omara Portuondo, die aufgrund ihres Alters ein erhöhtes Infektionsrisiko hat?
Omara war eine von den mutigsten! Sie wird auf ihrer aktuellen Tournee 90 Jahre alt und sagte zu uns: Ich möchte nicht, dass meine letzte Lebenszeit auf der Bühne überschattet wird, und ich will mit der Livemusik nicht aufhören. Natürlich wird sie wie alle anderen Künstler sehr vorsichtig sein. Aber niemand von ihnen hat Angst davor zu reisen. Sie haben große Lust aufzutreten und diese Botschaft ans Publikum weiterzugeben. Die Musik war schon immer heilsam. Und gerade jetzt brauchen wir diese Heilkraft mehr denn je.

Wichtig in diesem Jahr: Die Bedeutung von Frauen in der Musik

Sons de Nit heißt „Klänge der Nacht". Auch das Drumherum spielt bei Ihrer Reihe eine große Rolle.
Ja, was unsere Reihe besonders macht, ist, dass die Konzerte an Orten stattfinden, die einen ganz speziellen Reiz haben: durch die Schönheit der Architektur oder ihren kulturhistorischen Wert. Es ist ein großer Unterschied, ob man Musik in einem normalen Konzertsaal erlebt oder an einem Ort wie dem Castell de Bellver oder im Garten eines Klosters. Die Erfahrung wird durch die Magie des Raumes bereichert.

Worauf können wir uns dieses Jahr freuen?
Wir haben uns noch mehr als sonst darum bemüht, die Bedeutung von Frauen in der Musik zu zeigen. Bei sechs der zwölf Konzerte stehen Frauen an der Spitze: Omara Portuondo (11. Juli), Maika Makovski (2. Juli), Marina Rossell (9. Juli), ALA.NI (18. Juli), Joana Serrat (23. Juli) und Las Migas (5. August). Bei Sons de Nit hat weibliche Kreativität schon immer eine große Rolle gespielt, aber es gibt noch viel zu tun.

Welche Konzerte werden besondere Highlights?
Im Es Baluard wird es ein Projekt des Musikers Marcel Cranc mit dem Maler Tià Zanoguera geben: Dabei entsteht parallel zur Livemusik ein Kunstwerk auf der Bühne (27. Juni). Worauf ich mich auch schon sehr freue, ist Jay-Jay Johanson, den wir schon ein paar Mal auf die Insel geholt haben. In diesem Jahr feiert er den 20. Geburtstag eines seiner erfolgreichsten Alben: „Poison". Da Sons de Nit ebenfalls 20 Jahre alt wird, können wir beides zusammen feiern (21. und 22. August). Das wird sehr emotional werden.

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