05. November 2020
05.11.2020
Mallorca Zeitung

Miquel Barceló will sein Werk nicht im Kabinettsaal der Regierung sehen

Ein Gemälde des berühmten Künstlers aus Mallorca ist prominent im Moncloa-Palast platziert. Ihm selbst passt das allerdings gar nicht

05.11.2020 | 11:43
Das Bild? „L'atelier aux sculptures", zum hübschen Dekor im Moncloa-Palast degradiert.

Fernsehzuschauer haben sich an den Anblick gewöhnt wie der Arztbesucher an den obligatorischen Miró im Wartezimmer: Verkündet die spanische Regierung neue Entscheidungen in Sachen Pandemie, dominiert ein imposantes Kunstwerk den Hintergrund des Kabinettsaals.

Es handelt sich um „L'atelier aux sculptures" (235 x 375 cm), 1993 gemalt von Miquel Barceló (63). Der mallorquinische Künstler selbst ist allerdings not amused über diese Hängung und die Aneignung seines Bildes durch die Politik, wie er in einem Interview mit der spanischen Zeitung „El País" deutlich machte. Es habe sich förmlich in eine „Bühnendekoration" verwandelt.

Das Bild sei dazu da, erlebt zu werden

Ich bin sehr wütend. Ich selbst besitze keinen Fernseher, aber meine Freunde schicken mir andauernd Bilder davon. Das ist kein angemessener Ort", sagte Barceló. Er sähe das Bild lieber im Museo Reina Sofía in Madrid, welches das Werk im Jahr 2001 erworben hatte. Auf ­Anfrage des „Diario de Mallorca" erklärte das Museum, dass „L'atelier aux sculptures" am 30. Januar 2020 für fünf Jahre (mit Option auf Verlängerung) als Leihgabe an den Moncloa-Palast ging.

„Mein Gemälde ist nicht dafür ­gemacht, im Hintergrund eines Herrn zu hängen, der ihm den Rücken zudreht, und auch nicht dafür, über den TV-Bildschirm zu flimmern", so Barceló in „El País". „Das Bild ist dazu da, erlebt zu werden, davorzustehen und es zu betrachten. Es ist fast wie ein Stück Wand, wie in Altamira, mit Reliefs, Vorsprüngen und Ausbuchtungen, und nicht digitalisierbar."

Barceló hofft auf die Rückkehr


Das prominent gewordene „L'atelier aux sculptures" zeigt auf der voluminösen, an Höhlenmalereien erinnernden Oberfläche Barcelós Atelier – mit Werken, an denen der Künstler zur Entstehungszeit arbeitete, Skulpturen, Skizzen und Pinseln. Es ist laut dem Künstler eine von wenigen Arbeiten, in denen er mit Zitaten und Eigenreferenzen zwischen Realität und Dargestelltem spielt. Seine Skulpturen zeige er dabei während des Entstehungsprozesses, einige seien nun fertig, andere werde er niemals vollenden, sie existierten nicht, oder er habe sie wieder zerstört.

„Das Bild befand sich im Reina Sofia, aber sie sind es losgeworden. Ich weiß nicht, ob es ausgestellt war, weil ich selten in dieses Museum gehe, doch ich hoffe, dass es zurückkehren wird, denn ­dafür ist es da", sagte Barceló. Die Sammlung des Museums umfasst momentan insgesamt 55 Werke des Künstlers, darunter zwölf Gemälde.

Noch vier weitere Werke von Miquel Barceló, die ebenfalls dem Reina Sofía gehören, be­finden sich derzeit im Sitz der spanischen Regierung. An einer anderen Wand des Kabinett­saals hängt eine Aquatinta aus der Serie „Lanzarote", des Weiteren soll der Moncloa-Palast die Gemälde „Encuadrament amb plat de raïm" von 1992 und „El pintor animalista" von 1993 sowie die Bronzeskulptur „Animal de pintor" beherbergen.

Franz Kafka neu illustriert


Aktuell bereitet Miquel Barceló von Mallorca aus eine für Januar geplante Ausstellung im Museo Picasso de Málaga und eine große Wander-Retrospektive in Japan ab Ende März vor. Darüber hinaus ist am 4. November in SpanienLa transformación" (Die Verwandlung) von Franz Kafka, mit 60 lllustrationen von Barceló erschienen (als Co-Publikation bei Galaxia ­Gutenberg und im französischen Verlag ­Gallimard).

Die Aquarelle zur 1912 entstandenen Erzählung, bei der sich der Protagonist Gregor Samsa plötzlich in ein Ungeziefer verwandelt, sind ausgesprochen farbenfroh. ­Barceló, der das Buch nach eigener Aussage erstmals mit 13, 14 Jahren gelesen hatte, konzentrierte sich bei seiner Parallellektüre auf die Verwandlung, die sich in Samsas zunehmend bedrohlichem Umfeld vollzieht. „Es ist paradox. Der Einzige, der sich nicht verändert, ist Samsa", sagte Barceló in „El País". „Im Buch erscheint er durchgehend als Skarabäus. Wer sich hingegen verwandelt und verändert, ist seine ganze Familie."

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