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Ihre Kunst haben Sie ganz sicher schon einmal in den Straßen auf Mallorca gesehen

Die Künstlerin Carolina Adán Caro ist mit ihrer Streetart auf der Insel allgegenwärtig. Demnächst könnte sie auch Berlin verblüffen

Carolina Adán neben ihrem wohl bekanntesten Werk im Carrer Sant Miquel in Palma. Sie hat nur etwa 1,5 Stunden dafür gebraucht.

Carolina Adán neben ihrem wohl bekanntesten Werk im Carrer Sant Miquel in Palma. Sie hat nur etwa 1,5 Stunden dafür gebraucht. / Bendgens

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Simone Werner

Simone Werner

Wohl die wenigsten Passanten würden vermuten, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Am Freitag (28.3.) halten sie im Minutentakt im Carrer Sant Miquel in Palma an und zücken ihre Kameras. Von der Einkaufsstraße aus haben sie das Wandbild mit den vier Mädchen in einer Seitengasse entdeckt. Frech schauen die an eine Gebäudefassade gemalten jungen Frauen darin um die Ecke in Richtung Fußgängerzone. Ein Hingucker. Die Ecke ist bei Google Maps („Grafitis“) sogar als Touristenattraktion eingetragen. Es ist wahrscheinlich Carolina Adán Caros bekanntestes Werk auf Mallorca.

Die Angst vor der weißen Leinwand austricksen

Geht man weiter hinein in die enge Gasse namens Carrer de Can Tamorer, wird man mit anderen Werken der aus Madrid stammenden Streetart-Künstlerin belohnt. Ein Junge, der in ein Kameraobjektiv schaut, spielende Kinder, ein Mädchen und ein Hahn, die Schlittschuh fahren, und ein anderer Junge, der einen Spruch an die Gebäudefassade pinselt: „Es necesario amar siempre aún después de haber amado“ (Es ist wichtig, immer zu lieben, auch nachdem man geliebt hat). An der linken Seite des Schriftzuges läuft scheinbar Farbe herunter. „Da auch ich Angst vor der weißen Leinwand habe, fange ich immer mit Farbklecksen an“, erzählt die Wahl-Mallorquinerin, die 2009 der Liebe wegen auf die Insel kam.

Alles Auftragsarbeiten

Farbkleckse, Farbspuren oder Farbeimer sind ihre Markenzeichen. Damit hat sich Carolina Adán Caro in den vergangenen Jahren an vielen Orten der Insel verewigt, vor allem in Palma, aber auch in Inca, in Manacor oder auf den Dörfern. Auch in Murcia, Alicante, Barcelona, Madrid, den anderen Balearen-Inseln, in der Schweiz, England, Indien, Kenia oder Laos ist sie mit ihren Wandbildern präsent. Wie viele öffentlich zugängliche Kunstwerke es insgesamt von ihr gibt, mag sie nicht einmal schätzen. „Ich weiß es wirklich nicht. Alle Werke sind aber Auftragsarbeiten“, ist der 40-Jährigen wichtig zu betonen.

Ihr bekanntestes Wandbild nahe der Fußgängerzone etwa hat sie auf Bitten einer Kundin angefertigt, die in dem Gebäude ein Psychologisches Zentrum betreibt. Auch am Kultkiosk Alaska oder am Gebäude der Guardia Civil hat sie ihre Handschrift hinterlassen. Wer mit offenen Augen durch Palma läuft, kann ihre Werke nur schwer verfehlen. Noch ganz neu sind ein 500 Quadratmeter großes, dreiteiliges Wandgemälde in der Pfarrgemeinde Santísima Trinidad in Foners, ein Wandgemälde in der Bar La Pergola in Son Armadams und ein bemaltes Garagentor im Carrer d’Annibal.

Das Wandgemälde in Palmas Stadtviertel Foners ist noch ganz neu.

Das Wandgemälde in Palmas Stadtviertel Foners ist noch ganz neu. / Bendgens

Ungeplant in die Streetart-Szene hineingerutscht

Angefangen hatte Carolina Adán Caros Karriere als Streetart-Künstlerin eher zufällig, vor rund vier Jahren – mit einem Bild, das zwei Kinder zeigt. Bis dato hatte sie nur Illustrationen und Porträts für Privatpersonen auf Leinwände gemalt. Das Werk am Treppenaufgang eines Hauses im Carrer Pursiana in Santa Catalina hatte sie für eine ihrer besten Freundinnen entworfen. „Sie war damals erst frisch dorthin gezogen. Da es ihr nicht gut ging, wollte ich ihr eine Freude machen“, sagt Carolina Adán Caro, deren Werk schon wenig später auch viele Passanten fotografierten.

Kunst sollte für alle zugänglich sein

Unter der in Europa registrierten Marke „Art is Life“ (Kunst ist Leben) malt Carolina Adán Caro junge und alte Familienmitglieder, Persönlichkeiten wie Brigitte Bardot oder Pippi Langstrumpf sowie Tiere oder Pflanzen. Erst hätten Privatpersonen, dann auch immer mehr Lokalbetreiber bei ihr angefragt, ob sie nicht auch ihre Fassade bemalen könnte. Viel Geld dafür zu verlangen, sei nie eine Option gewesen, sagt sie. Carolina Adán Caro findet: Kunst sollte für alle zugänglich sein – auch finanziell. Nach ihrem Kunst-Studium in Madrid und Barcelona hatte sie viele Angebote von Galerien abgelehnt. „Es hat mich oft wütend gemacht, dass man sich die teuren Bilder dort nicht leisten konnte“, so die Festlandspanierin, die noch keinen Auftrag abgelehnt habe. „Ich fände das unfair“, sagt sie.

Garagentor im Carrer d‘Annibal in Santa Catalina.

Garagentor im Carrer d‘Annibal in Santa Catalina. / Bendgens

Volle Agenda

Mittlerweile lebt sie von der Kunst. Für die kommenden Wochen ist ihre Agenda bis oben hin voll, auch viele deutsche Kunden seien unter ihren Auftraggebern. Carolina Adán Caro kümmert sich um alles alleine. „Ich habe keinen Repräsentanten, beantworte beispielsweise selbst alle Anfragen. Es ist viel Arbeit, aber es ist mir wichtig, dass jeder eine Antwort bekommt. Ohne diejenigen, die sich meine Werke anschauen oder mir Aufträge geben, wäre ich niemand.“ Als sie von den Rückmeldungen zu ihren Bildern erzählt, die sie am meisten bewegt haben, kullern ihr die Tränen herunter. „Ich bin sehr sensibel und – obwohl viele das bei einer Streetart-Künstlerin wohl nicht denken würden – oft unsicher“, sagt sie.

Ganz neu: Wandbild im Carrer de Murillo in Palma.

Ganz neu: Wandbild im Carrer de Murillo in Palma. / Bendgens

Mit einer Geschäftspartnerin fertigt sie mittlerweile auch Socken, Schuhe, Taschen oder Gefäße. Für die Arbeit hat sie auf andere große Dinge verzichtet, etwa auf die Mutterschaft. „Ich stehe um 7 Uhr auf und arbeite bis um Mitternacht. Beides wäre nicht miteinander vereinbar“, so Carolina Adán Caro, die auch Kurse an der Hochschule Adema gibt. In Berlin hat sie sich für ein Herzensprojekt an einem bekannten Ort beworben. Wo genau, mag sie nicht aussprechen. Noch warte sie auf die endgültige Zusage. „Berlin ist für mich so oder so die Referenz-Stadt für Streetart.“

IG: carolinaadancaro, Tel.: 646-80 64 22, Socken, Taschen und Co.: Coen Gallery, Flamingos Vintage Mallorca, Feli Concept Store in Porto Cristo

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