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Warum Mallorca für Joaquín Sabina mehr als nur ein Konzertort ist

Die spanische Musiklegende verabschiedete sich in Palma von seinem zahlreichen Publikum

Machte auf seiner Abschiedstournee Station in Palma: Joaquín Sabina.

Machte auf seiner Abschiedstournee Station in Palma: Joaquín Sabina. / GUILLEM BOSCH

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Sarah López

Sarah López

Menschenauflauf vor dem Stadion von Real Mallorca. Doch an diesem Samstagabend trägt niemand Trikots – eher schwarze Melonen, jene runden Filzhüte mit kurzer Krempe. Sie sind das Markenzeichen von Joaquín Sabina. Der Geschichtenerzähler, Romantiker, Exzentriker singt zum letzten Mal für sein Publikum auf Mallorca.

Ein letzter Walzer auf Mallorca

Der 76-Jährige kommt pünktlich und trifft auf ein Meer aus rund 9.000 erwartungsvollen Blicken. Kaum ein Smartphone leuchtet. Es ist ein Publikum, das seine Lieder auswendig kennt – und den Moment genießen will, statt ihn zu filmen. Auf der Leinwand läuft „Un último vals“, die melancholisch-ironische Videoinszenierung seiner letzten Studioproduktion, die im Herbst 2024 erschien. Bei einem imaginären letzten Abend in einer Bar verabschiedet sich der Musiker im Clip von Weggefährten wie Jorge Drexler, Joan Manuel Serrat oder Andrés Calamaro – Künstler, die wie er nicht einfach Songs schreiben, sondern das Leben in Musik verwandeln.

Joaquín Sabina winkt ins Publikum, nimmt auf einem Hocker Platz. Im Hintergrund läuft seine Abschiedshymne: ein Rückblick auf ein Leben voller Exzesse, Brüche, Lieben, Widersprüche – mit Humor und Selbstironie statt Selbstmitleid und Trauer.

„Hier hat vieles begonnen“

„Palma ist keine Stadt wie jede andere“, sagt er zu Beginn. Das könnte anbiedernd sein, ist es aber nicht: Auf Mallorca hat der Singer-Songwriter seinen Militärdienst geleistet, seine erste Ehe geschlossen und für die Lokalzeitung „Última Hora“ geschrieben. Und vor allem: zum ersten Mal öffentlich gesungen. „Hier hat vieles begonnen“, erinnert er sich.

Später stimmt er „Calle Melancolía“ an, einen Klassiker, der sein Image als „Poet des Alltags“ geprägt hat. Seine Texte handeln nicht vom Glanz des Ruhms, sondern von durchgequalmten Nächten und Liebeskummer. Auch wenn seine Stimme spürbar gealtert ist und an Kraft verloren hat, trägt sie noch immer dieses unverwechselbar rauchige Timbre – wie nach hundert schlaflosen Nächten und unzähligen Liebesaffären. Der alte Charmeur ist noch da – tief drin, verborgen unter Falten und Müdigkeit, blitzen Frauenheld und Nachtschwärmer auf, wenn er alte Musen und Affären besingt.

Sabina bleibt dich das ganze Konzert auf der Bühne

Das Konzert ist präzise durchgetaktet. Nach knapp einer Stunde geht Joaquín Sabina von der Bühne und macht die erste von zwei Pausen. Zurück bleibt seine Band: Gitarrist Jaime Asúa, Bassistin Laura Gómez Palma, Schlagzeuger Pedro Barceló. Und natürlich Mara Barros – seine musikalische Partnerin bei Songs wie „Y sin embargo“. Im Publikum kommt eine gewisse Unruhe und Aufbruchstimmung auf. Die Band interpretiert Sabinas Songs, doch ohne die kratzige Stimme klingt „Pacto entre caballeros“ etwas fremd.

Joaquín Sabina kehrt zurück, singt noch einmal eine halbe Stunde, macht erneut eine Pause. Danach erscheint er mit einer roten Nelke – und alle Augen sind wieder auf ihn gerichtet. Mit einem müden Lächeln scheint er den Abschied einzuläuten. „Uns bleiben aber noch ein paar Lieder – wenn ihr erlaubt“, sagt er verschmitzt. Die Zuschauer stehen auf, tanzen, singen mit. Beim letzten Lied „Princesa“ hält es keinen mehr auf dem Platz. Der Sänger zieht die Melone vom Kopf, winkt grinsend ins Publikum. Dann verlässt er ohne großes Spektakel die Bühne. Wie jemand, der weiß: Auch der schönste Walzer endet irgendwann. Auf die Rufe nach Zugaben reagiert die Musiklegende nicht mehr. Was bleibt, sind Millionen spanischsprachiger Menschen weltweit, die seine Lieder kennen, singen und sich darin wiederfinden.

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