Neuer Mallorca-Krimi: Mord und Sonnenschein passen gut zusammen
Die Britin Anna Nicholas verlegt düstere Mordgeschichten in das Tal von Sóller – das für sie schönste der Welt. Am 26. Juni präsentiert sie „Das Teufelshorn“ im Club der MZ

Anna Nicholas mit ihrem Buch "Das Teufelshorn" und dem Spielzeug-Frettchen / Nele Bendgens
Anna Nicholas (Rochester, Großbritannien, 1961) ist freie Journalistin und Buchautorin. Ihr 2019 veröffentlichter Krimi „Das Teufelshorn“ ist jetzt in der deutschen Übersetzung erschienen (18 Euro, Diogenes). Die mehrteilige Reihe dreht sich um die fiktive Mallorquinerin Isabel Flores Montserrat, die im Sóller-Tal eine Vermietungsagentur leitet, aber heimlich der Polizei bei Ermittlungen hilft.
Mallorcas Idylle ist in Ihrem Krimi sehr präsent. Würde die Geschichte auch ohne diese Kulisse funktionieren?
Nein. Nicht für mich. Ich mag die Gegenüberstellung einer düsteren Kriminalgeschichte und solch einer Schönheit. Ich möchte, dass meine Leser die Geschichte genießen und nicht, dass sie Angst haben, wenn sie ein Buch lesen. Und ich möchte, dass sie etwas über die Kultur Mallorcas erfahren. Die Protagonistin wohnt in einem imaginären Dorf im Sóller-Tal, aber ich versuche die Leser über verschiedene Gegenden der Insel zu informieren. Es geht nicht nur um Sóller. Als Journalistin für den „Daily Telegraph“ und auch als Hotelreiseführerin komme ich viel herum auf der Insel. Ich versuche, Sonnenschein zu erzeugen, aber gleichzeitig eine Mordgeschichte. Und am Ende meines Buches habe ich immer eine positive Auflösung.
Ist es angesichts der vielen Menschen, die es auf die Insel zieht, überhaupt noch angebracht, ihre Schönheit so hervorzuheben?
Das ist einer der Gründe, warum ich ein Dorf erfunden habe. So können die Leute im wahren Leben nicht dorthin. Außerdem versuche ich, den Fokus auf jene Gegenden zu lenken, in die es normalerweise keine Urlauber hinzieht. Aber Sie haben recht. Der Overtourism ist ein globales Problem, und auf Mallorca gibt es Orte, an denen er sich konzentriert, wie zum Beispiel Sóller. Allerdings muss man sich nur 15 Minuten vom Zentrum entfernen und schon ist man auf dem Land, und da ist niemand. Man darf also nicht dramatisch oder hysterisch auf die Situation reagieren. Mich deprimieren vielmehr jene, die hier ihren Zweitwohnsitz haben und sich nicht integrieren. Das gilt für Engländer genauso wie für Deutsche. Ihr Haus auf der Insel bleibt monatelang leerstehen, während Mallorquiner dringend ein Zuhause suchen. Wir Ausländer sollten die Einheimischen unterstützen, ihre Lebensweise zu bewahren. Meine Bücher helfen, sie zu verstehen.
Haben Sie mallorquinische Freunde, die Ihre Bücher gegenlesen?
Ich habe viele Freunde in Fornalutx und Biniaraix, kleinen Dörfern. Einige kenne ich schon seit Jahrzehnten, habe die Kinder aufwachsen sehen. Manche haben uns aufgenommen wie eine Familie. Der Charakter meiner Protagonistin vermengt den vieler meiner mallorquinischen Freundinnen: stark, dynamisch und mit einem feinen Sinn für Humor.
Und wie viel Anna Nicholas steckt in Isabel Flores?
Sie liebt Tiere, ich verehre Tiere. Und ich habe einen rebellischen Tick, genau wie Isabel. Ich mag keine Regeln, und ich mag es nicht, wenn mir Leute sagen, was ich tun soll.
Spiegeln die Ermittlungen im Buch reale Polizeiarbeit auf Mallorca wider?
Ich recherchiere sehr viel. Als ich anfing, „Das Teufelshorn“ zu schreiben, sprach ich mit Beamten der Guardia Civil, der Nationalpolizei und der Ortspolizei. Ich schaue mir auch forensische Gutachten oder Polizeiberichte an, die im Internet einsehbar sind. Ich denke, das ist wichtig, um authentisch zu sein. Mehrere britische Polizisten haben meine Bücher gelesen und mich gelobt. Allerdings habe ich eine organische Art des Schreibens und hänge mich nicht an wissenschaftlichen Details auf, das ist nicht mein Stil.
Vor der Krimi-Reihe haben Sie bereits sieben Mallorca-Sachbücher herausgebracht. Die Insel hat es Ihnen offenbar angetan.
Ich war früher Jurorin für das Guinessbuch der Rekorde, ich habe die Welt bereist. Aber als ich das erste Mal ins Sóller-Tal kam, hat es Klick gemacht. Es ist für mich der schönste Ort der Welt. In den Sachbüchern geht es um unser Leben auf Mallorca und wie wir hier ankamen. Das war im Jahr 2000. Wir waren im Urlaub und beschlossen verrückterweise, dieses alte Haus in den Bergen von Sóller zu kaufen. Es war unbewohnbar. In London leitete ich damals eine Kommunikationsagentur, und meine Mitarbeiter hielten mich für verrückt. Die Leute dachten immer, ich sei ein Stadtmensch. Doch mein Mann und ich beschlossen, unser Leben zu ändern und uns hier niederzulassen. Nach zwei Jahren war das Haus bewohnbar. Eines Tages kam ich auf die Idee, ein Buch über das Leben zwischen Mallorca und London zu schreiben. Am Ende wurden es Sachbücher, in denen es vor allem um die Kultur und die Geschichte der Insel geht. Auch sie drehen sich um Mallorquiner, das ist mir wichtig.
„Das Teufelshorn“ ist Ihr erstes ins Deutsche übersetzte Buch. Sind Sie aufgeregt?
Deutschland war für mich der Markt, den ich mir am meisten für eine ausländische Ausgaben gewünscht habe. Zudem hat der Diogenes-Verlag eine lange literarische Tradition, ich fühle mich privilegiert. Ich habe deutsche Freunde hier und weiß, wie sie die Kultur schätzen. Sie lieben Mallorca, und sie mögen Krimis. Höchstens Kleinigkeiten könnten sie in meinen Büchern irritieren, so, wie das Frettchen, das Isabel Flores als Haustier hält. Das ist in Deutschland wohl nicht so üblich, habe ich gehört. Ich habe ein Spielzeug-Frettchen. Vielleicht bringe ich es zur Lesung mit (lacht).

Anna Nicholas liebt Tiere und die Natur um Sóller / Nele Bendgens
Die Lesung von „Das Teufelshorn“ mit Anna Nicholas findet am Donnerstag (26.6.) um 18.30 Uhr im „Club Diario de Mallorca“ (C/. Puerto Rico, 15, Palma) statt.
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