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Mit Humor und Inselkenntnis: Krimi-Autorin Anna Nicholas präsentierte "Das Teufelshorn" im MZ-Club

Die britische Schriftstellerin ist Mallorca seit 25 Jahren eng verbunden. Jetzt ist bei Diogenes ihr erstes Buch auf Deutsch erschienen

Sarah López

Sarah López

Ein Stoff-Frettchen bei einer Lesung? Ungewöhnlich. Nicht für Anna Nicholas. Das ist ganz nach dem Geschmack der britischen Autorin, die auch sonst an Überraschungen und ungewöhnlichen Wendugen ihre Freude hat. Das war wohl schon vor 25 Jahren so, als die zeitweilige Jurorin beim Guiness-Buch der Rekorde und vielgereiste Journalistin im Mallorca-Urlaub zum Spaß Häuser besichtigte und sich im Tal von Sóller prompt in eine Bruchbude ohne Strom- oder Wasseranschluss verliebte. Gemeinsam mit ihrem Mann Alan schlug sie kurzentschlossen zu – und zog zwei Jahre später nach den Umbauarbeiten von London nach Mallorca. Aufs Land, hinter die Berge. 

Und so gab es für die gut 40 Besucherinnen und Besucher der Lesung aus ihrem Kriminalroman „Das Teufelshorn“ am Donnerstagabend (26.6.) im Club der Mallorca Zeitung nicht nur Spannung, sondern auch viele amüsante Einblicke in ihr Leben und Schreiben. Das Buch spielt im Tal von Sóller, die Ermittlerin ist eine Ferienvermieterin und Ex-Polizistin namens Isabel Flores. Auf Englisch gibt es von der Reihe schon fünf Bände. „Das Teufelshorn“ ist der erste dieser Krimis und der erste ins Deutsche übersetzte. Ein zweiter soll 2026 ebenfalls im Diogenes-Verlag folgen. 

Lollis sind die einzige Produktplatzierung

Anna Nicholas hat auch schon mal in Deutschland gelebt, spricht aber nicht flüssig Deutsch. So überließ sie die Lektüre zweier Passagen einem Freund, Bernd Filsinger. Einen dritten Abschnitt las sie selbst, auf Englisch. Sie hatte eine Szene ausgewählt, in der Isabel ihr Motorrad vor einem verlassenen Haus parkt, das von Kindern der Gitanos, wie Roma in Spanien genannt werden, gegen Bezahlung mit Chupa-Chups bewacht wird. „Die einzige Produktplatzierung in meinen Büchern“, lachte Nicholas im Gespräch mit dem MZ-Chef Ciro Krauthausen. Die spanischen Lollis gab es dann auch zusammen mit aus Palmblättern geflochtenen Lesezeichen und einer Tüte Sonnenblumenkernen als Präsent am Büchertisch der Buchhandlung Azkent .

Der Schauplatz des Krimis: Sant Martí, ein fiktives, aber unverkennbar im Sóller-Tal angesiedeltes Dorf, in das Nicholas auch noch ein paar andere Inselreferenzen eingebaut hat. Obwohl Sant Martí nicht existiert, suchen nun viele britische Leser danach. „Ihr wisst ja, wie Engländer sind – sie nehmen alles wörtlich“, scherzte Nicholas. Sie selbst habe übrigens ebenfalls eine Karte angefertigt, um sich in Sant Martí besser orientieren zu können.  

Ihre Protagonistin Isabel Flores sei „waschecht mallorquinisch“, eine tatkräfige, manchmal ein wenig zu impulsive Frau, die obendrein noch „mutig“ sei. Ganz die Autorin, warf ihr Freund Bernd Filsinger ein. „Mag sein“, erwiderte Anna Nicholas, „aber ich bin nicht mutig.“ Andere Figuren seien frei erfunden. Als sie ihren ersten Krimi plante, habe sie davon ihrem Bankdirektor erzählt. Der wollte mehr über die Hauptfigur erfahren. Sie habe bereitwillig Auskunft gegeben, so Nicholas mit britischen Humor: „Ich sagte, ich denke da an einen korrupten Bankmanager.“

Auch ihr Mallorca verschwindet

Vor ihren Krimis hat Anna Nicholas auch schon sieben Reisebücher zu Mallorca geschrieben. Sie trauere dem dort beschriebenen ländlichen, noch nicht so überlaufenen Mallorca nach, sagte sie, erkenne aber auch die Vorteile der Internationalisierung an: „Etwa, dass es hier jetzt vernünftiges Sauerteigbrot gibt.“ Im Laufe der Jahre habe sie ein wenig Katalanisch gelernt, das lohne sich übrigens auch finanziell: „Man bekommt dann zehn Prozent Rabatt in den Läden.“  

Das Stoff-Frettchen hatte Anna Nicholas mitgebracht, weil ihre Protagonistin Isabel Flores ein Frettchen als Haustier halte. Das sei gar nicht so abwegig, antwortete Nicholas auf eine Frage aus dem Publikum. Schließlich hätten diese Tiere einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Wie auch Anna Nichols ein gutes Gespür hat für Kriminalfälle, Leser und Zuhörer sowie ihre Wahlheimat Mallorca.

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