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Zeitreise ins 12. Jahrhundert: Palmas Templerkastell erstrahlt in neuem Glanz

Die Restaurierung der Torres del Temple fördert Wandmalereien aus der maurischen Zeit sowie mittelalterliche Zinnen zutage

Die restaurierte Fassade des Templerkastells.

Die restaurierte Fassade des Templerkastells. / B.RAMON

Die umfassende Sanierung des Templerkastells in der Altstadt von Palma, die in den kommenden Wochen abgeschlossen wird, hat mehrere überraschende Funde ans Licht befördert. In dem historischen Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert fanden die Arbeiter Wandmalereien aus islamischer Zeit sowie die ursprünglichen mittelalterlichen Zinnen, die einst die Fassade krönten. Zudem konnten Bögen, Türstürze, Steinmauerwerk und Teile einer alten Treppe freigelegt und restauriert werden.

Architekt Fernando Illera, der das vom renommierten Architekten Elías Torres entworfene Projekt ausführte, führte am Montag (15.12.) Palmas Bürgermeister Jaime Martínez und Vertreter der Stadtverwaltung durch das Gebäude, um die wichtigsten Etappen der Restaurierung und die denkmalpflegerischen Herausforderungen zu erläutern. Ziel bei den Arbeiten war, so viele maurische und mittelalterliche Elemente wie möglich zu erhalten.

Blick in den restaurierten Innenraum des Kastells.

Blick in den restaurierten Innenraum des Kastells. / B.RAMON

Nach Abschluss der Arbeiten soll das auch als Torres del Temple bekannte Gebäude künftig ein Museum beherbergen, das die Geschichte Palmas von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter erzählt. Das Haus wird Teil des städtischen Museumsnetzwerks sein, das auch das geplante Zentrum für Stadtgeschichte auf der Plaça Major, das Castell de Bellver und Can Serra umfasst.

Ein Blick in die islamische Vergangenheit

Illera hob besonders den Fund polychromer Wandmalerei aus der Maurenzeit hervor: „Wir haben Farbreste an den Wänden entdeckt, als wir Zwischendecken entfernten. Sie stammen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert – in Palma dürfte es kaum weitere solcher Zeugnisse geben“, erklärte er.

Das Gebäude war, wie der Architekt schilderte, „über zwei Jahrzehnte lang von oben bis unten abgestützt“. Ziel der Arbeiten sei es gewesen, „so weit wie möglich das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherzustellen“, obwohl das Bauwerk im Laufe der Jahrhunderte stark verändert worden sei. Ursprünglich als Wehrturm errichtet, wurde das Gebäude in den zurückliegenden 300 bis 400 Jahren zu Wohnzwecken genutzt.

Innenraum aussagekräftiger als die Fassade

Im Inneren sind die ursprünglichen Strukturen nun wieder sichtbar – etwa die mittelalterlichen Zinnen, die die Fassade einst krönten und nun im Gebäudeinneren erhalten bleiben. Von der Straße aus sind sie nur in ihrer Reliefstruktur erkennbar – eine bewusste Entscheidung, um sie besser zu schützen.

Die mittelalterlichen Zinnen sind nun geschützt.

Die mittelalterlichen Zinnen sind nun geschützt. / B.RAMON

Die kleineren, von außen sichtbaren Zinnen, die im 19. Jahrhundert hinzugefügt worden waren, wurden entfernt, da sie keinen historischen Wert besaßen. „Der Innenraum ist heute aussagekräftiger als die Fassade, die auf den ersten Blick wie ein Gebäude aus dem 18. oder 19. Jahrhundert wirken könnte“, sagte Illera.

Ein Bauwerk mit viel Geschichte

Das Ensemble weist zwei Türme auf: einen mit ausgeprägterem maurischem Erbe, der andere mit mittelalterlichen Elementen. Seine Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als er Teil der Stadtbefestigung war. Damals existierte an dieser Stelle ein Doppeltor, in der Maurenzeit als Almudaina de Gamura bekannt. Nach der Eroberung durch Jaume I. im Jahr 1229 wurde das Bauwerk dem Templerorden übergeben und diente später auch dem Johanniterorden als Hospiz.

Nach zahlreichen Umbauten im 20. Jahrhundert erklärte der Inselrat von Mallorca den Komplex im Jahr 2004 zum Kulturerbe (Bien de Interés Cultural). Drei Jahre später erwarb ihn die Stadt Palma.

Bürgermeister Jaime Martínez würdigte das Ergebnis der Restaurierung: „Die Palmesaner haben eine verborgene architektonische Perle ihrer Stadt zurückgewonnen, die dringend restauriert werden musste.“ Die Restaurierung dauerte zwei Jahre und kostete insgesamt 2,4 Millionen Euro.

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