Klangfestival auf Mallorca: Lassen Sie sich von mallorquinischen und deutschen Künstlern verzaubern
In Colònia de Sant Pere steigt am Wochenende ein Klangfestival. Es ist eines der seltenen gemeinsamen Projekte von lokalen und auswärtigen Künstlern auf Mallorca

Komponist und Künstler Harald Weiss während eines MZ-Besuchs im Mai 2024 in seinem Kakteengarten, der auch Aufführungsort des Klangfestivals wird. / Nele Bendgens / Privat
Klänge, Geräusche, Melodien – „bei mir dreht sich alles um das Auditive“, betont der deutsche Komponist und Weltenbummler Harald Weiss. Egal, ob im Wartezimmer beim Arzt oder in seinem kleinen, schalldichten Studio, das er sich in seinem Wohnhaus in Colònia de Sant Pere eingerichtet hat. Das ist auch bei seinem Projekt „Faces“ nicht anders – nur dass hier noch eine zweite Ebene hinzukommt: die visuelle. Eine Videoprojektion des Deutschen, die Klang und Bild vereint, ist eines von mehreren Highlights, die in diesen Tagen im Küstenort Colònia de Sant Pere sowie in Artà anstehen.
Gemeinsam Kreatives erschaffen
Cap de Setmana d’Experimentació Sonora (Wochenende für Klangexperimente), oder kurz CSES, nennt sich die Veranstaltungsreihe, die vom 18. bis 22. Februar Interessierte in den Küstenort lockt. Das Festival ist eines der seltenen Projekte auf Mallorca, bei dem mallorquinische, deutsche und andere ausländische Künstler gemeinsam Kreatives erschaffen. „Das war die Herausforderung: ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen dem Lokalen und dem Internationalen. Um die Menschen von hier an qualitative zeitgenössische Musik und Klang heranzuführen“, erklärt Rafel Caldentey. Der Klarinettist und Kulturmanager, der die künstlerische Leitung des CSES innehat, stammt selbst aus Colònia de Sant Pere, hat aber unter anderem auch in Deutschland und den USA studiert. Offenheit und lokale Verbundenheit – für ihn nichts, das sich gegenseitig ausschließt.

Rafel Caldenty ist Klarinettist, Kulturmanager und künstlerischer Leiter des Klangfestivals. / Privat
Konzert mit deutschem Klangregisseur
Caldentey war es auch, der in dieser zweiten Ausgabe des vom lokalen Verein Amics de la Música initiierten CSES den deutschen Klangregisseur und Tonmeister Sebastian Schottke mit ins Boot holte. „Er wohnt in Palma, arbeitet aber in Karlsruhe und hatte bisher keinen direkten Bezug zu Colònia de Sant Pere“, erklärt Rafel Caldentey.
Gemeinsam haben der Mallorquiner und der Deutsche für Freitag (20.2.) um 20 Uhr ein Konzert im Theater von Artà konzipiert, das Werke wie „Dialogue de l’ombre double“ und „Sequenza IXc“ mit „New York Counterpoint“ von Steve Reich kombiniert. „Gleiche Entstehungszeit (1985), gleiches Set-up – jedoch radikal unterschiedliche ästhetische Ergebnisse“, heißt es in der Ankündigung. Karten gibt es unter ticketib.com
Poesie des menschlichen Gesichts
Doch zurück zu Harald Weiss und seiner „Faces“-Videoprojektion: Auch sie passt sich perfekt in das Klangfestival ein, das Acts an mehreren Orten in Artà und Colònia de Sant Pere umfasst. „Die Arbeit lädt dazu ein, die Poesie des menschlichen Gesichts zu erleben“, heißt es in der Programmankündigung. Zu sehen sind Dorfbewohner aus dem Küstenort, künstlerisch in Szene gesetzt. „All das entstand während des Corona-Lockdowns. Damals fühlten wir uns hier im Ort sehr isoliert“, erläutert Harald Weiss auf MZ-Nachfrage. Damals habe er Dorfbewohner in sein Studio geholt, und sie aufgefordert, drei Minuten lang stumm in die Kamera zu schauen, während er ihnen Fragen über ihr Leben und ihre Kindheit stellte. „Dabei kamen teils sehr berührende Gesichtsausdrücke heraus, die mehr sagen als viele Worte. Einblicke in die Tiefe der Seele, die man nicht oft bekommt“, so der Deutsche. Später komponierte er für jeden der Gefilmten ein Lied, das zu dem Gesichtsausdruck passt.

Klangregisseur und Tonmeister Sebastian Schottke / Nele Bendgens
Hohes Ansehen im Dorf
Die Offenheit, das Vertrauen der Bewohner – all das war nur möglich, weil Weiss schon lange von den Einheimischen in Colònia de Sant Pere respektiert wird. 1984 ließ er sich dort nach langen Weltreisen in einem Häuschen nieder. Spätestens, seit er vor rund neun Jahren ein verwildertes Grundstück gegenüber der Dorfkirche einem Investor wegschnappte, ist sein Ansehen im Dorf weitergestiegen. Liebevoll gestaltete er dort einen Kakteengarten – und entdeckte zufällig einen historischen Weinkeller unter der Erde, der nun als Celler Cultural bekannt ist. Hier lädt Weiss regelmäßig zu intimen Klangvorführungen ein. Auch die „Faces“-Projektion im Rahmen des CSES-Klangfestivals soll an diesem fast magischen Ort im Carrer Sant Lluc, 20, stattfinden. Vorstellungen gibt es am Samstag (21.2.) jeweils um 18 Uhr, 18.45 Uhr und 19.30 Uhr. Die Veranstaltung ist kostenlos, aufgrund der begrenzten Platzanzahl muss man sich aber vorher anmelden (per E-Mail an amicsdelamusica.colonia@gmail.com).
Im Kakteengarten findet am Sonntag (22.12.) um 12 Uhr zudem eine elektroakustische Session von Mateu Malondra und Sebastian Schottke statt. Genau wie bei „Faces“ ist der Eintritt kostenlos, die Zuschauer können sich frei zwischen den Kaktusfeigen bewegen.
Geschichte der elektronischen Musik
Ebenfalls Teil des CSES-Programms ist die Vorführung des Dokumentarfilms „Sisters with Transistors“ von Lisa Rovner am 8. März um 18 Uhr im Centre Cultural in Colònia de Sant Pere (Carrer Sant Mateu, 16). Der Film erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Pionierinnen der elektronischen Musik – Komponistinnen, die Maschinen und deren befreiende Technologien für sich nutzten und damit die Art und Weise, wie wir heute Musik produzieren und hören, grundlegend veränderten. Theremine, Synthesizer und Feedback-Maschinen spielen eine zentrale Rolle in dieser Hommage an Frauen, die die zeitgenössische Klanglandschaft mitprägten, wie wir sie heute kennen.
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