Brotscheiben, Pommes und Talaiots auf Mallorca: Was die Besucher in den neuen Ausstellungen im Es Baluard erwartet
Pünktlich zum 22. Jahrestag des Museums haben zwei Ausstellungen eröffnet. Fiona Rae und Ester Partegàs präsentieren darin energetische Malerei und einen farbenfrohen Parcours

Untitled (Sky Shout) von Fiona Rae. / Carmen Verdú
Kleine Geschichten und große Gemälde: Es gibt wieder zwei gute Gründe für einen Besuch von Palmas Museum für zeitgenössische Kunst. Rechter Hand im Erdgeschoss (Espacio B) breitet sich in der Ausstellung „Arquitectura menor“ der in New York lebenden, katalanischen Künstlerin Ester Partegàs ein Panorama aus, das an einen Mix aus kuriosem Kinderzimmer und archäologischen Park erinnert – es ist ein Spiel mit Maßstäben, Materialien und Bedeutungen.
Partegàs interessiert sich in ihren neueren Arbeiten für Dinge wie Körbe, Gräber, Brücken, Thermen, Krypten oder Aquädukte. Und wie bei den Bauten von Tieren schwingt auch in ihren fantasievollen Gebilden etwas von Zufluchtsorten und Verstecken mit, für die keine Tradition innerhalb der klassischen Architektur existiert. Das Zentrum des Ausstellungsraums dominiert die 2025 eigens für Palma geschaffene Installation „Line II (Laundry Baskets)“. Für die halb durchlässige Konstruktion verwendete die Künstlerin auf Mallorca gefertigte Objekte wie Stühle, Töpfe und Teller.

Die Installation "Line II" (Laundry Baskets). / Carmen Verdú
Auch bei den Werken an der benachbarten Wand gibt es einen lokalen Bezug: Die großformatigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind ein augenzwinkernder Verweis auf Talaiots – die charakteristischen prähistorischen Steinmonumente auf Mallorca. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es Brotscheiben sind, die hier für eine Darstellung der perforierten Felsgebilde Pate standen. Die Papierbahnen, aus denen sich die Zeichnungen zusammensetzen, sind mit bunten Klebestreifen und kleinen Stickern fixiert, die an Kinderpflaster erinnern – eine fast rührend liebevoll wirkende Geste. „Minimale Handlungen“ sind ein Charakteristikum von Partegàs’ Kunst.
Spielerische Installationen und ungewöhnliche Materialien
Weitere Beispiele für ihren erfrischenden Blick auf das vermeintlich Reale sind hier eine enorm vergrößerte Kette aus bunten Perlen, die in den Dimensionen einer Raumgirlande eine vollkommen neue Wirkung entfaltet, oder auch die Drucke „Organized Fries“: Etwas zu lange im Ofen gebräunte Pommes bilden hier vor roten, gelben oder blauem Untergrund geradezu appetitlich geordnete Raster.
Während die Schau von Ester Partegàs eine Co-Produktion mit dem Museo Centro de Arte Dos de Mayo de la Comunidad de Madrid ist, verfügt die neue Ausstellung „Vista“ im Untergeschoss über Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen wie der Tate und der Fundació La Caixa. Es handelt sich um die erste Solo-Schau von Fiona Rae in Spanien. Die britische Künstlerin gilt als eine der Schlüsselfiguren der internationalen zeitgenössischen Malerei – und Direktor David Barro freute sich beim Rundgang am Abend der Vernissage wie ein Schneekönig über diesen Wurf: „Es ist eine Ehre für das Museum“, sagte er der MZ.
Die Ausstellung macht die Entwicklung einer einzigartigen, dynamischen und experimentellen abstrakten Sprache sichtbar, die sich Rae über drei Jahrzehnte angeeignet hat. Es sind großformatige Gemälde, die von ihrer rastlosen Energie, formaler Komplexität und mitunter auch Sinn für Humor geprägt sind. Ein Schlüsselwerk für Barro ist „Untitled (Sky Shout)“ von 1997 im ersten Raum: „Es ist ein mythisches Werk der Kunstgeschichte, weil es Teil der bedeutenden Ausstellung ‚Sensation‘ mit Arbeiten der Young British Artists war“, erklärt er.

Die britische Künstlerin Fiona Rae in ihrer Ausstellung. / B.RAMON
Fiona Rae in Palma: Abstraktion, Energie und Referenzen
Der Akt des Malens, der Prozess des Schaffens sei bei allen Bildern Raes von fundamentaler Bedeutung, betont der Museumsdirektor. Einige ihrer Werke sind abstrakter, andere figurativer. Die Künstlerin schöpft dazu aus einer Fülle an Referenzen aus der zeitgenössischen Lebenserfahrung und der Evolution von Kunst und Kultur, die von Dürer, Velázquez, chinesischer Kalligrafie, abstraktem Expressionismus und Pop-Art bis hin zu Grafikdesign, Mode, Comics und Videospielen reichen.
In ihren jüngeren Arbeiten kommt verstärkt Schrift zum Einsatz – Sätze wie „I’ve seen things you people wouldn’t believe“, die sich in schwungvoll gemalten Buchstaben auf der Leinwand und im Titel finden. Sätze aus der Literatur verschmelzen in der Serie „Word“ mit abstrakter Malerei. Die Farbpalette der Britin hat sich zuletzt hin zu Pastelltönen entwickelt, die laut Barro „viel mit Walt Disney zu tun haben“. So begegnen wir unter den hier suggerierten ätherischen Figuren auch einem in Verwandlung begriffenen Schneewittchen.
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