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Fiasko statt Finale: Hat Palma nur halbherzig um den Titel Europäische Kulturhauptstadt gekämpft?

Statt Palma hat der Expertenausschuss vier andere spanische Städte als Finalisten ausgewählt. Die Opposition übt Kritik, das Rathaus erklärt seinen Kurs und legt die Höhe der Invesitionen offen. Eine Bilanz

Hier noch frohen Mutes: Bürgermeister Jaime Martínez bei einer Präsentation der Bewerbung Palma 2031.  | F.: RATHAUS PALMA

Hier noch frohen Mutes: Bürgermeister Jaime Martínez bei einer Präsentation der Bewerbung Palma 2031. | F.: RATHAUS PALMA

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Palma ist noch vor der Finalrunde für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“ ausgeschieden. Eine Delegation aus Palma hatte die Bewerbung unter dem Motto „Mediterranean in Motion“ in Madrid präsentiert und war frohen Mutes gewesen. Doch der Ausschuss aus zehn unabhängigen internationalen Experten entschied anders und gab am Freitag (13.3.) die Städte Cáceres, Granada, Ovieda und Las Palmas de Gran Canaria als Finalisten bekannt. Laut der Jury verfügen sie über das größte Potenzial und haben nun neun Monate Zeit, um an ihren Kandidaturen zu feilen. In den kommenden Wochen will der Ausschuss seine Einschätzung der Projekte veröffentlichen – dann werden wir genauer wissen, woran es haperte.

Palmas Bürgermeister Jaime Martínez beeilte sich indes, die verbliebenen Bewerber schon kurz nach der Verkündung zu beglückwünschen und ein positives Fazit aus der Bewerbung zu ziehen. Zwar habe Palma den Sprung unter die vier Finalstädte nicht geschafft, doch sei „eine sehr wertvolle Arbeit geleistet worden, die deutlich gemacht hat, dass Palma mit oder ohne Nominierung bereits tatsächlich eine große Kulturhauptstadt ist – im Mittelmeerraum, in Europa und in der ganzen Welt“.

Kritische Stimmen nach dem Aus

Die Opposition bezeichnete Palmas Pleite als „Fiasko“. Més per Palma beschrieb das Projekt als „politische Marketing-Kampagne und Tourismuswerbung“. Iago Negueruela, Sprecher der Sozialisten im Balearen-Parlament, erklärte am Freitag (13.3.), dass die jetzige Situation den „Mangel an einer soliden Kulturstrategie“ für die Stadt deutlich mache. „Sie haben die gesamte Legislaturperiode auf ein einziges Projekt gesetzt, und es ist gescheitert“, sagte er und fügte hinzu, dass die Kulturpolitik einer Stadt nicht von einem einzigen Ereignis abhängen dürfe.

Kulturstadtrat Javier Bonet fand daraufhin äußerst scharfe Worte für Negueruela: Es handele sich um „die Äußerungen einer Person, die nichts weiß, die nichts versteht, die nicht die geringste Zuneigung oder das geringste Wissen über die Kultur dieser Stadt hat, nie hatte und nie haben wird“, so Bonet während einer Pressekonferenz am Mittwoch (18.3.), in der sich das Rathaus, wie angekündigt, ausführlich zu den Einzelheiten der Bewerbung äußerte.

Details der Bewerbung von Palma

Im Rahmen der Veranstaltung gab der Kulturstadtrat bekannt, dass die Stadt, die wegen ihres späten Einstiegs ins Rennen um den Titel ohnehin schon einen Startnachteil hatte, bis zu 20-mal weniger Geld investiert habe als die Mitbewerber. Die Gesamtinvestition für das Projekt habe 82.000 Euro betragen, bei Cáceres, Granada, Oviedo und Las Palmas 750.000, 650.000, 970.000 und 1,9 Millionen Euro.

Für manche anwesenden Medienvertreter festigte sich so der Eindruck, Palma habe von Anfang an wenig an den Erfolg geglaubt und sei eher halbherzig angetreten. Bonet sagte, man habe kein höheres Investment riskieren und sich dann negativer Presse aussetzen wollen, in der es dann geheißen hätte, es sei viel öffentliches Geld für nichts ausgegeben worden. Die 82.000 Euro hätten dafür eine wirtschaftliche Rendite von zwischen 1,2 und 2,1 Millionen Euro abgeworfen.

Wie es nun weitergehen soll

Zum Projekt selbst sagt Bonet, der Kern der von dem Ökonomen Antoni Riera geprägten Kandidatur sei „kein Kulturprojekt, sondern eine Methode“ für die Kulturpolitik einer Stadt gewesen, die sich so „mit dem Tourismus versöhnen“ könne. Zwar sei man traurig über die Niederlage, aber mit dem Einsatz aller Beteiligten zufrieden. Und man habe nun das Rüstzeug an der Hand, um den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Das Rathaus hatte stets betont, auch im Fall eines Ausscheidens an den Plänen für die kulturelle Infrastruktur festhalten zu wollen. Das mit Palma 2031 verbundene Programm sieht bis 2036 eine ungefähre Investition von 274,7 Millionen Euro vor, die unter anderem in den Umbau des Gesa-Gebäudes und den neuen Sitz der Balearen-Sinfoniker, die Caixa de Música, fließen sollen.

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