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Palmas gescheiterte Kandidatur als Kulturhauptstadt: "Der gesamte Prozess war unglaublich wertvoll"

Die Filmfestival-Gründerin Sandra Lipski präsentierte in Madrid die Kandidatur Palmas zur Europäischen Kulturhauptstadt 2031. Letztlich wurde daraus nichts. In einem Interview zieht sie Bilanz

Sandra Lipski, Gründerin und Leiterin des Evolution Mallorca Film Festivals.

Sandra Lipski, Gründerin und Leiterin des Evolution Mallorca Film Festivals. / B. Ramon / Nele Bendgens

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Die Deutsch-Mallorquinerin Sandra Lipski, Gründerin und Leiterin des Evolution Mallorca International Film Festivals, war Teil des Kulturkomitees der Kandidatur zur Europäischen Kulturhauptstadt. Ihre spontane Reaktion auf die Frage, woran das Ausscheiden gelegen hat, lautete: „Es war nicht einfach.“

Warum sagen Sie, es war nicht einfach?

Dieses Projekt war riesig und bestand aus vielen wichtigen Bausteinen, die alle aufeinander abgestimmt werden mussten, um ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben. Obwohl zwei große Komitees mit jeweils mehr als 15 Personen beteiligt waren, lag die Hauptverantwortung letztlich bei dem Ökonomen Antoni Riera und den Kulturverantwortlichen des Rathauses Gori Vicens Heredia und Fernando Gómez. Die Komitees dienten als Resonanzraum, um Ideen einzubringen und Feedback zu geben, aber die endgültigen Entscheidungen über die inhaltliche Richtung der Bewerbung haben unsere drei Leiter getroffen.

Was hat Sie von dem Projekt Kulturhauptstadt überzeugt?

Mich hat besonders die Entscheidung überzeugt, den Schwerpunkt nicht nur auf die offensichtliche, historische Kultur Palmas zu legen – also bekannte Namen, Bauwerke, Ausstellungen, Events etc. – sondern auch auf die technischen und organisatorischen Aspekte. Gori, Fernando und Toni wollten zeigen, wie es hinter den Kulissen tatsächlich aussehen würde, wenn Palma Kulturhauptstadt Europas würde. Diese andere Perspektive, tiefer in den Mechanismus von Kulturarbeit einzutauchen, fand ich mutig und spannend.

"Vielleicht war der Fokus auf den technischen Teil etwas stark ausgeprägt. Ein wenig mehr Nostalgie und Bezug zu Palmas reichem kulturellen Erbe hätten der Bewerbung eventuell gutgetan."

Welche Stärken und Schwächen sahen Sie in der Bewerbung?

Die Stärke lag eindeutig darin, dass die Präsentation anders war als erwartet – frisch, modern und konzeptionell stark. Vielleicht war aber der Fokus auf den technischen Teil etwas stark ausgeprägt. Ein wenig mehr Nostalgie und Bezug zu Palmas reichem kulturellen Erbe hätten der Bewerbung eventuell gutgetan.

Wie war es für Sie, das Projekt in Madrid vorzustellen?

Als einzige Deutsche und wirkliche Nicht-Spanierin in der Delegation hatte ich die große Ehre, die Vorstellung des Projekts im Sitz des Kulturministeriums in Madrid auf Englisch einzuleiten. Natürlich war ich ein wenig nervös, denn es war eine große Verantwortung, die Aufmerksamkeit der zwölf Jurymitglieder von Anfang an zu gewinnen und sie in den ersten drei Minuten zu fesseln, bis ich das Wort an Riera übergab, damit er mit dem Hauptteil der Präsentation beginnen konnte.

"Die Methode, die Riera entwickelt hat, um Kultur stärker in den Mittelpunkt unserer Stadt zu rücken, zeigt bereits Wirkung. Die letzten neun Monate waren ein Zeugnis davon – mit vielen neuen kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten. Ich bin mir sicher, das ist erst der Anfang."

Was glauben Sie könnten die vier Finalisten - Granada, Cáceres, Oviedo und Las Palmas de Gran Canaria ) Palma voraus haben?

Ich habe die Präsentationen der anderen Städte nicht gesehen, objektiv kann ich also keine Vergleiche ziehen. Ich glaube, am Ende haben alle ihr Bestes gegeben – und manchmal braucht es einfach Glück, um in die nächste Runde zu kommen.

Was bleibt von dieser Bewerbung für Palma?

Der gesamte Prozess war unglaublich wertvoll. Die Methode, die Riera entwickelt hat, um Kultur stärker in den Mittelpunkt unserer Stadt zu rücken, zeigt bereits Wirkung. Die letzten neun Monate waren ein Zeugnis davon – mit vielen neuen kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten. Ich bin mir sicher, das ist erst der Anfang.

Und wie soll es Ihrer Meinung nach jetzt weitergehen?

Wir sollten innehalten, reflektieren, aus den Erfahrungen lernen. Für mich war dieses Projekt ein Privileg – dass wir als Stadt Zeit und Ressourcen investieren konnten, um darüber nachzudenken, wie wir Palma kulturell noch stärker aufstellen können.

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