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Mit Musik, Witz und Dramatik: Wie sich ein Dorf auf Mallorca mit einem Video gegen TikTok wehrt

Das Projekt wurde von Musiker Harald Weiss ins Leben gerufen und soll die Absurdität der Social-Media-Plattform widerspiegeln

Mit diesem Video wehrt sich ein Dorf auf Mallorca gegen den "TikTok-Wahnsinn"

Jette Minks

"Tik Tok" klingt es im Kurzvideo des Musikers Harald Weiss im Takt eines Metronoms immer wieder. Abwechselnd zu sehen sind dann Bewohner des kleinen Küstenorts Colònia de Sant Pere, wo Weiss seit 1984 lebt. Ihre Münder formen die Worte des Klangs. "Tik Tok, Tik Tok". Hochkant gefilmt und aufwendig produziert, übt Harald Weiss auf diese Art und Weise Kritik an der Social-Media-Plattform TikTok.

"Dieser Konzern macht Milliardenumsätze, aber es kommt nichts Sinnvolles dabei rum. Ich habe noch nie ein Video auf dieser Plattform gesehen, das wirklich einen Mehrwert hatte", erzählt der 77-Jährige. Der preisgekrönte Komponist wohnt seit 42 Jahren in dem kleinen Ort an Mallorcas Nordostküste und wollte auch die Bewohner von Colònia de Sant Pere in sein Projekt einbinden.

"Wir haben wie immer in einer Bar im Ort zusammengesessen und sind auf das Thema TikTok gekommen. Da waren wir alle derselben Meinung", erzählt er. Insgesamt neun Darsteller hat Weiss in seinem Kurzvideo zusammengebracht. Jeder von ihnen erzählt dabei eine eigene Geschichte. So gibt es beispielsweise einen Raucher, eine Frau, die mit einem Handzeichen nach Hilfe ruft, eine Nonne oder einen General. Fast so vielfältig wie das echte TikTok eben.

Komplexe Tonspur und aufwendige Produktion

Was das Video zudem besonders macht, ist die komplexe Tonspur. "Ich bin von Haus aus Musiker, und das habe ich natürlich auch in diesem Video eingebracht", sagt Weiss. Was mit einem einfachen Klicken des Metronoms beginnt, baut sich im Laufe des Videos immer weiter auf. So wie auch das Video selbst, in dem einfache Clips schließlich in einer apokalyptischen Szene enden. "Es hat rund ein Vierteljahr gedauert, bis das Ganze schließlich fertig war", erklärt der Komponist. Außerdem sei es eine große Herausforderung gewesen, die Lippenbewegung der Darsteller der Tonspur anzupassen. "Hier war Präzision besonders wichtig", meint Weiss. Der Aufwand hätte sich aber schließlich gelohnt, und auch das Dorf finde das Projekt gelungen.

Der Komponist und frischgebackene Autor Harald Weiss, hier bei einem MZ-Besuch in Colònia de Sant Pere im vergangenen Jahr. | FOTO: NELE BENDGENS

Der Komponist und Harald Weiss, hier bei einem MZ-Besuch in Colònia de Sant Pere. / Nele Bendgens

Seine Heimat auf der Insel gefunden

Weiss lebt bereits seit 1984 auf der Insel. Sein Leben lang arbeitete er als Komponist, Musiker und Filmemacher. Das Kreative liegt ihm also im Blut. Der Weltenbummler ist dabei viel herumgekommen, war mehr als 30 Jahre beruflich in Ländern wie Indien, Brasilien oder in Afrika unterwegs, ging zudem als Perkussionist auf Tournee und inszenierte als Regisseur Stücke vor Ort. Mallorca war zwischen seinen Reisen immer wieder sein Angelpunkt. Mittlerweile hat er sich in Colònia de Sant Pere sein persönliches Traumhaus geschaffen – blau-weißer Patio und Instrumentensammlung inklusive. Früher sei er den Einwohnern mit seinem „hippiemäßigen Auftreten“ immer etwas suspekt gewesen. „Jetzt werde ich richtig akzeptiert und geliebt und bin hier fast Bürgermeister“, sagt Weiss.

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