Thema verfehlt: Bericht enthüllt, woran Palmas Kandidatur zur Kulturhauptstadt krachend scheiterte
Palmas Pläne waren offenbar gut – aber laut der Auswahlkommission für den falschen Wettbewerb vorgestellt worden

Sitzung des Fachausschusses für die Kandidatur Palma 2031. / Rathaus Palma
Das wohl am häufigsten verwendete Wort im Dokument lautet „however“: Dieses oder jenes ist geplant / vielleicht sogar eine gute Idee – allerdings ... Ein wenig wie bei einem Referat, bei dessen Beurteilung die Lehrer erst etwas Positives sagen, bevor dann die Kritik niederprasselt. Der Ausschuss aus unabhängigen internationalen Experten, der die Entscheidung über die Finalisten im Rennen um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“ fällte, hat seinen Bericht zur Einschätzung aller Projekte veröffentlicht (einzusehen auf der Seite cultura.gob.es). Dieser erläutert recht aufschlussreich, ja beinahe schon kurzweilig, woran Palmas Kandidatur scheiterte – und zwar nicht nur knapp, sondern krachend.
Die Quintessenz des Protokolls: Eigentlich hat die Stadt einige gute und sinnvolle Pläne entwickelt – nur eben nicht für diesen Wettbewerb. Sie tanzte gewissermaßen mit einem Tauchanzug bei einem Schachturnier an. Thema verfehlt, setzen, sechs. Oder, wie es in der Schlussfolgerung des Berichts formuliert ist: „In Anbetracht der lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse sowie des wertvollen Grundsatzes, die sektorübergreifende Zusammenarbeit zu stärken, fragt sich die Jury, ob die Europäische Kulturhauptstadt mit ihren strengen Kriterien die richtige Plattform ist, um Palmas Bestrebungen voranzubringen.“
Viele Punkte bleiben viel zu vage
Wie der Ausschuss zu diesem Fazit gelangt ist, lässt sich anhand von sieben Abschnitten nachvollziehen, in denen Aspekte wie die langfristige Strategie, kulturelle und künstlerische Inhalte, der Bezug zu Europa oder das Management auf den Prüfstand gestellt werden. Die Hauptkritikpunkte an der Kandidatur lauten: Schwammigkeit, übertriebene Komplexität und Zweifel an der Durchführbarkeit.
Viele Punkte bleiben laut dem Bericht viel zu vage: Welche der beschriebenen kulturellen Aktivitäten haben einen klaren Bezug zum Kulturhauptstadt-Projekt? Welche Initiativen hätte es auch unabhängig davon gegeben, da ein Großteil der Investitionen aus der Zeit vor der Bewerbung stammt und Teil bestehender Stadtentwicklungspläne ist? Welche konkreten Ziele gibt es für die Zeit nach 2031?
Ferner sei „Mediterranean In Motion“, so der Titel der Bewerbung, wie Kulturstadtrat Javier Bonet selbst erklärt hatte, eher eine tourismusbasierte „Methode“. Die Regeln würden jedoch ein künstlerisches Konzept mit einem einjährigen Kulturprogramm vorschreiben, das speziell für das Titeljahr geschaffen wurde. Das Programm sei „insgesamt sehr unausgereift und künstlerisch sowie konzeptionell unzureichend“ – und die in 16 Programmlinien unterteilte Struktur „übermäßig komplex und konstruiert“.
Schwerpunkt auf Umgestaltung des Tourismus
Was die Durchführbarkeit betrifft, so stellte das Gremium „mit Besorgnis“ fest, dass die öffentlich-private Stiftung Fundació Palma 2031, die als Leitungsstruktur dienen sollte, „noch nicht gegründet wurde“. Bezüglich des CEO und des künstlerischen Leiters werde in der Bewerbung erwähnt, dass diese 2026 im Rahmen eines „internationalen Wettbewerbs“ ausgewählt werden sollen, „was selbst für die Vorauswahlphase keine ausreichende Information darstellt“. Bei der Finanzierung zweifelte der Ausschuss an der Verlässlichkeit der Gelder, die aus einem privaten „Culture-Hospitality Mixed Fund“ stammen sollten. Und in Bezug auf die öffentlichen Mittel hätten Inselrat und Balearen-Regierung bislang lediglich „ihre Bereitschaft bekundet“, das Projekt mitzufinanzieren.
Palma strebe nicht danach, das kulturelle Angebot zu erweitern oder mehr Besucher anzuziehen, da beides bereits in ausreichendem Maße vorhanden sei, heißt es in der Schlussfolgerung. „Stattdessen liegt der Schwerpunkt darauf, das Tourismuswesen und das Kulturprogramm in eine nachhaltige, sinnvolle und partizipative Infrastruktur umzugestalten.“
Insgesamt erfülle die Kandidatur daher die Kriterien für die Vorauswahl nicht in ausreichendem Maße. Viele Aspekte müssten noch weiter ausgearbeitet werden. Bei der „starken europäischen Dimension“ etwa, die im Mittelpunkt der Zulassungskriterien stünde, lag der Fokus wohl zu stark auf dem Mittelmeerraum. Im Bericht heißt es: „Daher ist es bedauerlich, dass das Kulturprogramm und dessen Struktur, das künstlerische Konzept sowie die europäische Dimension in hohem Maße unterentwickelt sind.“
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