Wenn Jongleure mit der Stadtkapelle auftreten: Circaire startet in Alcúdia
Highlight des diesjährigen Festivals Circaire ist ein Projekt, bei dem Jongleure mit Orchester auftreten

Die Gewinner des nationalen Zirkuspreises 2025: Pistacuatro aus Galicien. / Mai Ibarguen
Am Tag der Arbeit dem süßen Nichtstun frönen? Für Zirkuskünstler auf Mallorca ist das dieses Jahr keine Option. Denn am 1. Mai startet die elfte Ausgabe des Festivals Circaire. Dann kommen 21 lokale, nationale und internationale Kompanien in Alcúdia zusammen, um drei Tage lang das Publikum der Insel mit 26 Aufführungen an verschiedenen Schauplätzen zu begeistern – rund 85 Prozent der Spektakel sind kostenlos. Im Auditorium gibt es diesmal wegen dortiger Umbauarbeiten keine Shows. Das neue „Basislager“, der Espai Circaire, ist auf die Plaça de Bous übergesiedelt.
Im diesjährigen Programm findet sich beachtlich viel Jonglage. Auch das Highlight der neuen Ausgabe ist dieser Disziplin zuzuordnen: Die aus Galicien stammende Kompanie Pistacatro, die im vergangenen Jahr den nationalen Zirkuspreis gewann, präsentiert am 2. Mai um 20 Uhr ihr Programm „Orquestra de malabares“ – ein einmaliges Experiment, das Musik und Zirkus verschmilzt.
Das Besondere: Die sechs Jongleure machen gemeinsame Sache mit der Stadtkapelle von Alcúdia unter Leitung von Jaume Garcia, und die Musiker wirken dabei auch theatralisch mit. „Anfangs fiel es ihnen schwer, das Projekt zu verstehen“, räumt der Festivalleiter und Direktor des Circ Bover Tià Jordà im Gespräch mit der MZ ein. „Aber als wir es ihnen erklärten und sie Videos von den anderen Orchestern sahen, mit denen das schon gemacht worden ist, waren sie begeistert und haben sich voll und ganz auf die Zusammenarbeit eingelassen.“
Musik und Zirkus
Auch am ersten Tag (1. Mai) spielt schon die Musik. Eröffnet wird das Festival um 18 Uhr mit der Premiere des neuen Circ-Bover-Programms „Serena“ – zeitgenössischer Zirkus, Livemusik und eine szenische Reise, die die Seele traditioneller Segelboote Nordkataloniens zum Leben erweckt. Weiter geht es mit Akrobatik der Gruppe Noar (19 Uhr), bevor La Troupe Malabó aus Valencia um 20 Uhr die für ihre farbenfrohen Kostüme preisgekrönte, humorvolle Show „Eirenê“ zeigt.

La Troupe Malabró mit ihren tollen Kostümen. / Circaire
„Sie handelt von den Problemen und dem Zusammenleben einer Zirkustruppe auf Tournee“, so Jordà. Zum Schluss gibt es ab 21.30 Uhr noch eine Party – die „Festassa a Circaire“: Zwei Künstler, die am Wochenende auch individuell auftreten, bilden das DJ-Duo Perrakos Sound System. Am Samstag wird das Programm dann von einer Konzert-Show mit Daniel Higiénico gekrönt.
Die folgenden Tage sind ansonsten vollgepackt mit Zirkus. Am Samstag (2. Mai) geht es um 11 Uhr los mit „IO“ von Marc Filigrana, der seine Kreuzung aus Zirkusrad und chinesischem Mast selbst erfand – und mit Komik von Genderidentitäten erzählt.

Marc Filigrana mit speziellem Zirkusgerät. / Circaire
Lachen können Sie auch bei Suso Imbernóns „Paco Panjabi“ (2./3. Mai, 13 Uhr): der Persiflage eines Yogis, der nicht so tiefenentspannt ist, wie er tut. Fahrradfans dürfen die elegante Akrobatik-Show „Time to loop“ (13/19 Uhr) des italienischen Dúo Kaos nicht verpassen.
Wer hingegen „The Power of the 80’s“ erleben will, kann das an beiden Tagen je um 17 Uhr beim multidisziplinären Spektakel des Valencianers Gonzalo Santamaria. „Er ist ein Riesenfan dieser Musik und sehr witzig“, so Tià Jordá.
Puppentheater und 130 Helfer aus dem Publikum
Herzerwärmend wird es bei „Claudette“ (17 Uhr) der Belgier Maleta Company und Cie Balancetoi, das von einer 90-Jährigen handelt, die sich wieder lebendig fühlen will – ein magischer Mix aus Puppentheater und Jonglage. Spannend: Die katalanische Truppe eia (18 Uhr) braucht für ihre Performance „La pedra de fusta“ 130 Mithelfer aus dem Publikum.
Synergien nutzt das Festival am Sonntag (3. Mai): Um 11 Uhr tritt Dulce Duca mit der poetisch-surrealistischen Show „Um belo dia“ auf. „Sie ist Mitglied von Pistacatro mit dem ‚Orquestra de malabares‘ – aber sie gilt auch als beste Jongleurin Spaniens“, sagt Jordà. Wer des Katalanischen mächtig ist, kann sich vom Clown-Duo Pernassos auf die „K’Mon Tour“ (12/16 Uhr) durch Alcúdia mitnehmen lassen: „Sie mimen Touristenführer und machen einen Rundgang mit erfundenen Anekdoten“, so der Festivalleiter.
„Sehr katalanisch“ sei auch „Àngela“ (20.30 Uhr) von Silvia Capell: „alternativer Zirkus“, inspiriert von freiheitsliebenden Vögeln. Ein Programm mit Akrobatik, Tanz und einem aufblasbaren Sofa bieten Fika aus Frankreich („Kairós“, 13/17 Uhr). Und wer von hochkarätiger Jonglage noch nicht genug hat, kann die bekannte, baskische Kompanie Zirkozaurre („Ardatzak“, 19.30 Uhr) mit ihren Diabolos bestaunen. Teuflisch gut!
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