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Verstehen, was Gaudí in Palmas Kathedrale bewegte

Die Kathedrale von Palma widmet Antoni Gaudí eine Ausstellung über sein Wirken in der Seu, die bis Juni 2027 zu sehen ist. Ein Rundgang

Der Baldachin über dem Altar in der Kathedrale ist ein Werk von Antonio Gaudi von 1912.

Der Baldachin über dem Altar in der Kathedrale ist ein Werk von Antonio Gaudi von 1912. / B.RAMON

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Wer die Kathedrale von Palma betritt, spürt bis heute, dass hier nicht nur Jahrhunderte mallorquinischer Geschichte aufeinandertreffen. In der Seu liegt auch die Handschrift eines Mannes, der Sakralräume nicht einfach gestaltete, sondern sie neu denken wollte: Antoni Gaudí. Zwischen 1904 und 1915 arbeitete der katalanische Architekt in der Kathedrale von Mallorca – und veränderte ihren Innenraum tiefgreifend. Diesem Kapitel widmet die Seu nun die Ausstellung „Gaudí a la Seu de Mallorca. Litúrgia, Art i Modernitat“, die am vergangenen Donnerstag (18.6.) eröffnete.

Ausstellung im Rahmen des Gaudí-Jahres, zum 100. Todestag des Architekten

Der Rundgang führt durch das Innere der Kathedrale, den Kreuzgang und das Museu d’Art Sacre, dem Museum für sakrale Kunst. Zu sehen ist dabei keine bloße Aneinanderreihung kostbarer Stücke, sondern der Versuch, Gaudís Eingriff in der Seu als zusammenhängende Erzählung sichtbar zu machen: als Zusammenspiel von Liturgie, Kunst und Moderne. Die Schau ist Teil des Any Gaudí, des Gaudí-Jahres, zum 100. Todestag des Architekten, und bleibt ein Jahr lang geöffnet.

Hinter der Ausstellung steht die Abteilung für Kulturmanagement der Kathedrale. Die Mitarbeiter dort haben Archivarbeit, Restaurierung und Vermittlung miteinander verbunden, um Gaudís Wirken in Palma nicht nur fachlich präzise, sondern auch für ein breites Publikum verständlich darzustellen. Antoni Vera, Dekan des Domkapitels, sprach bei der Vorstellung von einer „vollständigen und für alle Zielgruppen verständlichen Erzählung“, die dennoch wissenschaftlich genau bleibe.

Kuriose Besonderheiten sind zu sehen

Zu den besonderen Stücken gehört eine klappbare Altartreppe aus Holz und Schmiedeeisen, bezogen mit grünem Filz. Auch zwei Modelle für die Capella Major, der Hauptkapelle, und die Capella de la Santíssima Trinitat, der Kapelle der Heiligsten Dreifaltigkeit, sind zu sehen. Auf diesen Holzmodellen hinterließ Gaudí eigene Zeichnungen und Ergänzungen – es sind kleine Spuren eines großen Entwurfsprozesses.

Hölzerne Modelle der Kapellen-Entwürfe Gaudís.

Hölzerne Modelle der Kapellen-Entwürfe Gaudís. / Manu Mielniezuk

Die Ausstellung versammelt außerdem den berühmten Baldachin über dem Hauptaltar, Lampen, liturgische Möbel und bischöfliche Symbole. Dazu zählen der Bischofsstab von Bischof Pere Joan Campins sowie das Conopeum und das Tintinnabulum, zwei kirchliche Zeichen einer Basilika. Der Bischof Sebastià Taltavull, Cristina Ortiz, die Leiterin des Kulturmanagements der Seu, und Antoni Vera stellten die Schau gemeinsam mit den Kuratorinnen Marta de Castro und Aina Rotger vor.

Dass Gaudí überhaupt nach Mallorca kam, war Bischof Campins zu verdanken. Er hatte den Architekten 1899 in Barcelona kennengelernt und war von dessen Arbeit an der Sagrada Família beeindruckt. Campins suchte einen Künstler, der die Kathedrale von Palma nicht nur verschönern, sondern liturgisch und räumlich erneuern konnte. In Gaudí sah er den richtigen Mann.

Die einklappbare Altartreppe von Gaudí ist mit grünem Filz bezogen.

Die einklappbare Altartreppe von Gaudí ist mit grünem Filz bezogen. / Manu Mielniezuk

Erneuerung in drei Phasen

Die Reform der Seu vollzog sich in drei großen Abschnitten. In der ersten Phase, von Juni bis Dezember 1904, griff Gaudí besonders stark in die Ordnung des Innenraums ein. Er entfernte den Chor aus dem Mittelschiff , baute Altaraufsätze ab und fasste den Altarraum neu. Altar und Bischofsstuhl rückten dabei stärker ins Zentrum. Auch das Licht spielte für Gaudí von Beginn an eine wichtige Rolle: Elektrische Beleuchtung sollte den Raum klarer, heller und feierlicher erscheinen lassen.

Zwischen 1905 und 1908 folgte die zweite Phase. Gaudí konzentrierte sich nun stärker auf die Hauptkapelle. Er entwickelte neue Lichtlösungen, arbeitete an den Glasfenstern und entwarf Mobiliar für die Liturgie. Der Raum sollte nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden – im Rhythmus des Gottesdienstes, im Wechsel von Licht, Farbe und Bewegung. Die letzte Phase dauerte von 1908 bis 1915. In diesen Jahren gestaltete der Meister des Modernismus den Altarraum reicher aus. Auch der Architekt Josep Maria Jujol, einer von Gaudís wichtigsten Mitarbeitern, war daran beteiligt. Gemeinsam entwickelten Gaudí und sein Team das Licht- und Dekorationskonzept des Presbyteriums weiter. Mit dem Tod von Bischof Campins im Jahr 1915 endete auch dieses außergewöhnliche Reformprojekt.

Zur Ausstellung hat die Kathedrale von Mallorca einen Katalog veröffentlicht. Er enthält Fotos und Informationen zu allen Gaudí-Stücken, die in der Seu und im Museu d’Art Sacre zu finden sind. Die Ausstellung ist bis Juni 2027 für jeden zugänglich, der die Kathedrale zu den Öffnungszeiten der Seu besucht: Montag bis Freitag von 10 bis 17.15 Uhr und samstags von 10 bis 14.15 Uhr.

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