40 Jahre Weltpolitik aus nächster Nähe: Helmut Hetzel liest auf Mallorca
Der gebürtige Franke lernte auf seinen diversen Lebensstationen zahlreiche schillernde Persönlichkeiten kennen – Lesung am Sonntag (26.7.) um 18 Uhr

Helmut Hetzel in Den Haag, seit über 40 Jahren seine Wahlheimat. / MARIJKE HETZEL
Wenn Helmut Hetzel über die Geschehnisse auf dieser Welt spricht, wird Politik zu einer spannenden Entdeckungsreise. Zu einer Begegnung mit wichtigen Protagonisten, Schauplätzen und entscheidenden Weichenstellungen, die viele Entwicklungen der letzten Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst haben. Dies oft gespickt mit persönlichen Erlebnissen, die sich ergeben, wenn man immer wieder auf solchen Bühnen unterwegs ist und vor allem, wenn jemand einen geschulten Blick für das große Ganze hat.
Geschulter Blick für das große Ganze
Helmut Hetzel hat sich diese Gabe, gepaart mit dem Schildern von Hintergründen und Zusammenhängen während seiner jahrzehntelangen Arbeit als Auslandskorrespondent angeeignet. Und auch die Kunst, es einem Publikum auf unterhaltsame Art verständlich zu machen. Jüngstes Beispiel ist das Buch „Ungefiltert – Unzensiert – Ein Auslandskorrespondent berichtet“, aus dem Hetzel am Sonntag, 26. Juli, ab 18 Uhr in der Kulturfinca Son Bauló in Lloret de Vistalegre liest. Sicher kommt dabei auch die ungewöhnliche Vita zur Sprache, mit der der 1955 geborene und in der Nähe von Würzburg aufgewachsene Franke aufwartet.
Eine der prägenden Stationen war Peking, wohin es Hetzel im Jahr 1983 nach dem Studium (Journalistik, Ökonomie, Philosophie und Geschichte) an der Uni Dortmund zog. Wieso China? Ein Uni-Professor habe ihn auf eine Stellenausschreibung als Lektor bei einem Verlag für fremdsprachige Literatur aufmerksam gemacht. Hetzel ließ sich die nächsten Jahre im Reich der Mitte nieder. Als zweites Standbein baute er sich einen „Bauchladen“, wie es im Journalismus heißt, als Auslandskorrespondent für deutschsprachige Medien auf.
Leben in der kommunistischen Diktatur
Hetzel tauchte in die chinesische Kultur, Politik und die vielfältige Küche des Landes ein. Er erfuhr, was es heißt, in einer kommunistischen Diktatur zu leben. Gleichzeitig war er zu einer Schlüsselzeit vor Ort, als das Riesenreich unter Deng Xiaoping von der Planwirtschaft zur globalisierten Marktwirtschaft überging. Nach knapp drei Jahren zog es ihn 1985 wieder zurück nach Europa. In seiner heutigen Wahlheimat Niederlande ließ er sich in Den Haag nieder. Zunächst eine pragmatische Entscheidung. Er habe mehrere Optionen gehabt, sagt Hetzel: zu einem großen Verlag nach Hamburg gehen oder selbstständiger Auslandskorrespondent. Er entschied sich für Letzteres, weil er eine Marktlücke in den Niederlanden gesehen hatte: „Holland ist eine wirtschaftliche Großmacht“, sagt Hetzel und verweist auf zahlreiche dort ansässige multinationale Unternehmen.
Die Ökonomie wurde zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit, bei der er alle CEOs der Wirtschaftsriesen interviewt habe. Es blieb nicht dabei. Hetzel knüpfte Kontakte in Politik, Kultur und zum niederländischen Königshaus via Prinz Claus, dem früheren Ehemann von Königin Beatrix. Ihn lernte er als Vorsitzender des Verbands der ausländischen Presse der Niederlande kennen. Damit war auch der Weg zum heutigen König Willem Alexander und Königin Máxima geebnet.
Entwicklung in Deutschland im Fokus
Inzwischen ist Hetzel seit mehr als 40 Jahren Auslandskorrespondent mit Leib und Seele, wie er sagt, und fühlt sich in Holland und Den Haag zu Hause. Aber auch die asiatische Kultur inspiriert ihn immer wieder; regelmäßig bereist er Indonesien, Thailand, China, Taiwan und Malaysia. Und er verfolgt vom Nachbarland aus die politische und wirtschaftliche Lage in seinem Geburtsland für niederländische Medien, allen voran in einer Fernseh-Talkshow.
Der kritische Blick von außen auf Deutschland, Europa und die Welt wird an dem Abend in Son Bauló ebenso zur Sprache kommen wie die Erfahrungen in fernen Ländern und mit anderen Kulturen. Sicher wird Hetzel auch aus dem Nähkästchen plaudern, wenn er Anekdoten aus seinem facettenreichen Leben zum Besten gibt. Er habe die halbe Welt bereist, sagt Helmut Hetzel. Eine Erfahrung fehlt ihm bis dato: Mallorca ist für ihn noch Terra incognita.
- Dramatischer Vorfall in Palma: Mann springt von Hochhaus und fällt auf Gäste einer Caféterrasse
- Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Wie der Mallorca-Muffel hier früher Herzen brach
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
- Angst vor Chaos zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: Warum ab Montag (10.8.) auch Soldaten zum Einsatz kommen
- Nach Überfall mit Pistole: Wie die Polizei Lübeck einem Mallorca-Urlauber half, sein Portemonnaie an der Playa de Palma zurückzubekommen
- Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht': Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week