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Mallorca Zeitung

Das Studio Weil auf Mallorca wird zur Spielwiese für zwölf Künstlerinnen

Isabel Servera hat die zweite Ausgabe des Kunstpreises "Premio Barbara H. Weil" gewonnen. Im Studio Weil in Port d’Andratx sind Werke der Finalistinnen zu sehen – mit einer großen Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen

Die Ausstellung "12 Views" im Studio Weil in Port d'Andratx Nele Bendgens

Die Kinder der inzwischen verstorbenen US-Künstlerin Barbara Weil verstehen es wahrlich, deren ehemaliges Atelier mit Leben zu füllen: Der Daniel-Libeskind-Bau in Port d’Andratx ist derzeit zum einen Bühne für die Konzertreihe „Jazz i més“ – die letzten Termine sind am 24. und 31. August. Zum anderen beherbergen die Räume gleich zwei Ausstellungen.

Der Anlass: Diesen Sommer wurde zum zweiten Mal der Kunstpreis „Premio Barbara H. Weil“ vergeben. „Dieses Jahr war die Entscheidung der achtköpfigen Jury wirklich knapp, viele Künstlerinnen lagen dicht beieinander“, sagt Charles Weinstein, der sich aktuell um das Ausstellungsprogramm kümmert.

Große Vielfalt an Stilen und Materialien

Die Förderung, die aus einer zehntägigen Künstlerresidenz in New York besteht, bekam dieses Jahr noch mehr Unterstützer, auch der Inselrat ist nun mit von der Partie. Der Preis richtet sich an junge Künstlerinnen, die auf den Balearen leben oder eine enge Beziehung zu den Inseln haben.

Gewonnen hat die mallorquinische Künstlerin Isabel Servera, allerdings bekommen die zwölf Finalistinnen mehr als nur einen Trostpreis: Eine Auswahl ihrer Werke ist bis zum 21. Oktober im Studio Weil zu sehen. Dabei soll die große Vielfalt an Stilen und Materialien sichtbar werden – die Malerei ist sogar in der Minderheit. „Wir finden, dass hier auch sehr interessante Konzeptkunst entsteht“, erklärt Weinstein.

Von Performance bis Fotografie

Im Erdgeschoss präsentiert die von Helena Juncosa kuratierte Schau „12 Views“ verschiedenste Dynamiken der zeitgenössischen lokalen Kunstproduktion. Darunter etwa das Video einer Performance von Marina E. G., die den Bezug zwischen Körpern, Natur und Emotionen erforscht, oder provokante Fotografien von Laura Marte, die unter dem Titel „Mujer muerta“ die Erotisierung von Gewalt gegen Frauen sichtbar machen.

Eine Installation von Sandra Val, die mit traditionellen Techniken wie Keramik eine Brücke zwischen Architektur und Spiritualität schlägt und an Elemente eines Tempels versunkener Zivilisationen erinnert. Oder die Arbeit der Gewinnerin, die sich gleichberechtigt in den Parcours einreiht: Isabel Serveras als Diptychon gezeigte, hypnotische Werke „Enmarcado“ und „Punt i seguit“, die handwerkliche Prozesse und das Prinzip der Wiederholung fokussieren.

Noch tiefer eintauchen in das Werk

Dieses Jahr sollen Besucher die Chance haben, tiefer in das Werk der einzelnen Künstlerinnen einzutauchen. Deshalb gibt es im oberen Stock zunächst die von Cristina Ramos zusammengestellte Schau „Constellations I“ mit Arbeiten von Marta Armengol, Erola Arcalís und Natalie Kertesz Maor zu entdecken: ein spannendes Gefüge aus Zweidimensionalem, Textil und Glas.

Die „Konstellationen“ sollen alle paar Wochen rotieren und im September und Oktober zu einem self curate space werden: Jeweils zwei bis drei der Künstlerinnen dürfen sich dort austoben. „Sie können ihren eigenen Raum gestalten und noch nicht vollendete Arbeiten zeigen“, sagt Weinstein. „Ich möchte, dass das sehr interaktiv wird: Sie sollen mit den Besuchern reden und sich mit anderen Künstlern austauschen.“ Auf dieser „Spielwiese“ sollen auch Events stattfinden.

Studio Weil, „12 Views“ und „Constellations“, Do–Sa 11–14 Uhr (erweiterte Öffnungszeiten ab September), C./ Valleluz, 1, Port d’Andratx.

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