Ein heller Bau für düstere Zeilen: In Santanyí hat das Literaturhaus und Poesie-Zentrum Blai Bonet eröffnet
Das Haus ist einem mallorquinischen Autor gewidmet, dessen bekanntestes Werk „Das Meer“ ausdrücklich keine Urlaubslektüre ist

Modern gestaltet: Blick in den Innenhof der Casa Blai Bonet / Consell de Mallorca
Santanyí hat jetzt einen neuen Ort der Literatur: das vor Kurzem eröffnete „Literaturhaus und Poesie-Zentrum Blai Bonet“. Gleich am westlichen Ortseingang gelegen neben einem Supermarkt und einer Schule gegenüber sticht die elegante Fassade aus Santanyí-Stein und Glas heraus.
Gut zehn Jahre dauerte die Realisierung des Vorhabens der Stiftung Mallorca Literària, aus dem bescheidenen Geburtshaus des ortsansässigen Dichters Blai Bonet und einem weiteren Grundstück einen Begegnungsort der Literatur zu schaffen mit zwei Residenz-Apartments für Übersetzungsstipendiaten, Bibliothek („Poeteca“), umfangreichem Archiv und einem Blai-Bonet-Museum. Informationszentrum und Museum verbindet ein lichter Innenhof, belegt mit Santanyí-Stein.
Freundschaft mit Miró, Tàpies und Barceló
Das Informationszentrum dokumentiert und illustriert in sechs Abteilungen die zentralen Themen seines Lebens: die alles überschattende Krankheit, Jugend und Erotik, die Welt der bildenden Kunst, etwa die Zusammenarbeit mit der Galerie Pelaires, die Bewunderung für Persönlichkeiten wie Maria Callas oder Pier Paolo Pasolini, seine Reisen nach New York und Barcelona. Freundschaften mit Malern, Fotografen und Schriftstellern spielten für ihn eine wichtige Rolle.
Im Museum sind seine Romane und Gedichtbände zu finden, seine Korrespondenz und Fotos mit ihm und seinen Freunden, darunter Joan Miró, Antoni Tàpies und Miquel Barceló, alle in jungen Jahren.
"El Mar": der "Anti-Zauberberg"
Blai Bonet (1926–1997) wuchs in schwierigen Zeiten auf und schrieb zeit seines Lebens gegen seine Krankheit, die Tuberkulose, die Enge der Franco-Zeit und der katholischen Kirche an. Sein biografisches Vermächtnis enthält der Roman „El Mar“, der auch als „Anti-Zauberberg“ eingestuft wird: Der Kampf gegen die Krankheit findet nicht in elegantem Rahmen, begleitet durch feine Diners und geistreiche Gespräche, statt. „El Mar“ zeigt Härte, Verzweiflung, auch Elend und Unglück, der andauernde Kampf gegen äußere und innere Dämonen.

Keine leichte Kost: "Das Meer" von Blai Bonet. / kupido
Dieser Roman wurde als sein einziger in zehn Sprachen übersetzt, erst vor zwei Jahren ins Deutsche. Seine Verfilmung war im Jahre 2000 auf der 50. Berlinale zu sehen, und das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ kommentierte: „Das Meer – ein Gemetzel“. Die deutsche Literaturkritik empfiehlt dieses Buch wegen seiner Schonungslosigkeit ausdrücklich nicht als Urlaubslektüre! Bonet gilt heute in der katalanischen Literaturgeschichte als einer der wichtigsten Protagonisten.
Kultur- und Residenzprogramm
Blai Bonet lebte die meiste Zeit seines Lebens gemeinsam mit seiner Mutter in seinem kleinen Geburtshaus in Santanyí, dem heutigen Museum. Ein Foto von ihm, sitzend, und seiner Mutter, hinter ihm stehend im Hof neben der Zisterne, begrüßt den Besucher im Eingang.

Der Autor lebte hier die meiste Zeit seines Lebens gemeinsam mit seiner Mutter. / Damià Huguet/ARXIU FML
Nach der Sommerpause sind monatliche Lesungen, Konzerte und Diskussionsveranstaltungen geplant. Am 18. August findet ein Konzert der Gruppe Gregotechno statt, die elektronische Musik, gregorianische Gesänge und Videokunst vereint. Anmeldung über poeteca@mallorcaliteraria.cat. Das Residenzprogramm für Schriftsteller, Übersetzer und Wissenschaftler soll 2025 beginnen in Zusammenarbeit mit dem Institut Ramon Llull, der Universität der Balearen und der Fundaciò Mallorca Literària.
Casa Blai Bonet, Carrer Campos, 37 - 39, Santanyí, Mi., Do., Fr. 10-14 Uhr, Fr. auch 17-20 Uhr, Eintritt frei, www.mallorcaliteraria.cat
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