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Mehr als Mafalda: In Palma entdecken Sie die musikalische Ader des Cartoonisten Quino

Die Ausstellung im Casal Solleric ist noch bis 8. Januar 2025 zu sehen

Mafalda ist glühende Verehrerin der Beatles.

Mafalda ist glühende Verehrerin der Beatles. / B. Rohm

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Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Wenn der Vater schief unter der Dusche singt, muss er damit rechnen, dass ihn seine Tochter Mafalda mit Brüderchen Guille beim Verlassen des Badezimmers mit Gemüse bewirft – Troubadix lässt grüßen. Das liebenswert-altkluge Mädchen hat eben Anspruch und Geschmack: Als glühende Verehrerin der Beatles liefert sich die Comicfigur verbale Grabenkämpfe mit Manolito, der die Band aus Liverpool verabscheut. „Wie kannst du die mögen, wenn du nicht verstehst, was sie singen?“, fragt der Junge. „Die halbe Welt mag Hunde, und bis heute weiß niemand, was ‚Wau‘ bedeutet“, so die Retourkutsche von Mafalda.

Ihr Schöpfer, der argentinische Cartoonist Quino (Joaquín Salvador Lavado, 1932–2020), dessen erste Comicstrips 1954 erschienen, war ebenfalls ein großer Musikliebhaber. Diesem Aspekt seiner Persönlichkeit und seines kreativen Schaffens setzt die Ausstellung „Quino en la música“ im Casal Solleric erstmals ein wunderbares Denkmal. Die Schau mit interaktivem letztem Raum, in dem man selbst zeichnen darf, wurde zum Start des Festivals „Còmic Nostrum“ Ende Oktober eröffnet. Wer sie noch sehen möchte, sollte sich beeilen.

Der echte Guille als Kurator

Es lohnt sich, denn der Rundgang mit mehr als 100 Originalzeichnungen ist nicht nur clever, sondern auch mit viel Liebe konzipiert. Das mag daran liegen, dass neben Judith Gociol Quinos Neffe Guillermo Lavado Co-Kurator war. Genau: der Guillermo, der einst Pate für die Figur des kleinen Guille stand. Der professionelle Flötist spielte 31 Jahre im Orquesta Sinfónica Nacional de Chile. Hier fungiert er quasi als Zeremonienmeister – der erste Raum illustriert, wie Lavado als Kleinkind seinen Onkel inspirierte: Neben Anekdoten des „echten“ Guillermo sind die jeweils dazu passenden Cartoons zu sehen. Ein persönlicher Einstieg, der die Besucher sofort in die Schau und in Quinos Universum hineinzieht.

Dort spielte schon immer die Musik, noch bevor seine bekannteste Figur Mafalda vor genau 60 Jahren das Licht der Welt erblickte. In einem Zitat zu seinem musikalischen Gedächtnis sagt Quino, er habe eine „kleine Diskothek im Kopf. Mozart, immer. Bach, nicht immer, aber oft. Und dann natürlich die Beatles ...“ Ein Ausstellungstext handelt vom Einzug dieser Inspirationsquelle in das Werk des Cartoonisten. Demnach begann er mit Witzen, bei denen „die Thematik beinahe ein Vorwand war, bis er die Anordnung des Orchesters, die Art und Weise, wie ein Instrument in die Hand genommen und gespielt wird, die Details von Notenständern, Partituren, Bühnen und bestimmte Gesten präzise darstellen konnte. Bis er dann zu dem Punkt gelangte, an dem er das menschliche Elend und die Schwächen entlarvte, wie in seinem gesamten Werk.“

Humor, der ohne Text auskommt

Diese Entwicklung lässt sich anhand verschiedener Sektionen in der Schau nachvollziehen, die Themen wie „Rebellion der Instrumente (und Musiker)“ oder „Die Schöpfung als Befreiung (oder ihre Utopie)“ umfassen. Die Kapitel geben eine inhaltliche Struktur, doch Quinos Kernqualitäten lassen sich überall beobachten. Etwa, dass sein Humor auch ganz ohne Text auskommen kann, obwohl dieser nach und nach die Zeichnungen bereicherte: Wenn eine Geigerin weint, weil sich ihre Haare in den Saiten verheddert haben, die Noten am Ärmel hängen bleiben, wenn man damit eine Schallplatte putzt, oder ein Musiker Albträume von einem Konzertsaal voller schreiender Kinder hat, braucht es für den Gag keine Worte. Auch die Geschwindigkeit, mit der ein Dirigent seinen Taktstock schwingt, vermag der Cartoonist brillant zu zeichnen.

Beispiel für einen von Quinos Musik-Cartoons, der keine Worte braucht.

Beispiel für einen von Quinos Musik-Cartoons, der keine Worte braucht. / B. Rohm

Zum anderen genügen ihm eine einzige Seite und nur wenige Bilder, um etwa die traurige Lebensgeschichte eines Mannes zu erzählen, der von klein auf zum Musizieren gezwungen wird. Oder jene eines Träumers, der einem Singvogel lauscht und einem Gendarmen so vehement von einer Welt ohne Käfige vorschwärmt, bis ihn seine kühnen Visionen am Ende selbst hinter Gittern bringen.

Tragik der menschlichen Natur

Quinos zeitloser Stil zeugt von Tiefgang und einer großen Beobachtungsgabe. Die Beschäftigung mit der menschlichen Natur bringt mitunter Tragisches zum Vorschein – wie den verzweifelten, gealterten Pianisten, der feststellen muss, dass er gar nicht „die Musik im Blut“ hat, wie er immer dachte, sondern nur „Cholesterin, Glucose und Triglyceride.“ Oder auch das leidige Thema der Ruhestörung im Mietshaus – das in Quinos Welt beispielsweise dazu führt, dass der Ehemann nach seiner Beschwerde verdächtig verliebt-pfeifend zu seiner Frau zurückkehrt oder dass ein überdurchschnittlich begabter Hund seinen Geigenunterricht abbrechen muss (und sein enttäuschter Hundeblick einem schier das Herz bricht).

Doch immer wieder überrascht Quino den Leser beziehungsweise Ausstellungsbesucher mit Geistesblitzen, die etwas Leichtigkeit in unsere Existenz zaubern: So steigt im Wartezimmer einer Praxis ein fröhliches Tanzvergnügen der Patienten – auf Anregung des Arztes, denn: „Warum sollte man sich auch noch langweilen müssen, wenn man schon damit gestraft ist, krank zu sein?“

In den Geschichten von Mafalda, die Quino zwischen 1964 und 1973 publizierte, prägt die Musik das Leben der Protagonisten in der Schule wie auch daheim: Sie summen vor sich hin, lauschen Plattenspielern, finden in den Klängen einen Rückzugsort. So singt Mafalda etwa lauthals beim Einseifen, um dann zu sinnieren: „Das ist die einzige Möglichkeit, mit der immensen weißen Einsamkeit der Badewanne fertigzuwerden.“

„Quino en la música“, bis 8.1.2025, Casal Solleric, Passeig del Born, 27, Palma. Di.–Sa. 10–20 Uhr, So. und Feiertage 11–14.30 Uhr, Eintritt frei. Geführte Rundgänge, teils mit Workshop: 21.12., 4.1. und 7.1., casalsolleric.palma.es

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