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Kunst in Alaró: Ein Deutscher und ein Baske zeigen Ihnen Mondkrater und Museen mal ganz anders

Galeristin Natalia Bento hat eine starke Duo-Schau mit Wolfgang Flad und Patrik Grijalvo eröffnet

Patrik Grijalvo (links) und Wolfgang Flad (rechts) in der Ausstellung.

Patrik Grijalvo (links) und Wolfgang Flad (rechts) in der Ausstellung. / H. Bento

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Duo-Ausstellungen leben davon, dass die Chemie zwischen den Künstlern und den Werken stimmt. „Eigentlich kommen wir aus ganz gegensätzlichen Perspektiven. Aber wie in einer Beziehung ziehen sich hier Gegensätze an“, sagt Wolfgang Flad (Reutlingen, 1974). Der in Berlin lebende, international renommierte Künstler teilt sich den Raum mit Patrik Grijalvo (Bilbao, 1984) – beide stellen im Rahmen der Schau in Alaró erstmals auf Mallorca aus.

Flad schießt die Besucher optisch ins Weltall: Er zeigt mehrere Arbeiten aus der Serie „Dark Side of the Moon“. Dabei sorgt dichromatisches Glas für eine farbige Spiegelung, hinter der sich ein farblich bearbeitetes, dreidimensionales Relief befindet. Dessen Struktur weckt Assoziationen an Erosionen und an die Mondoberfläche. Durch den glamourös funkelnden Spiegeleffekt entziehen sich die Werke permanent: „Sie bleiben immer geheimnisvoll, man sieht sie nie wirklich vollständig“, sagt der Künstler. Buchstäbliche Selbstreflexion des Betrachters ist hier gefordert. Was auch subtil mitschwingt, ist das Spannungsfeld zwischen Zukunftsvisionen wie dem Finden von Wasser auf dem Mars einerseits und der gleichzeitigen Zerstörung der Lebensgrundlagen auf der Erde andererseits.

Ein Werk aus der Serie "Dark Side of The Moon" von Wolfgang Flad.

Ein Werk aus der Serie "Dark Side of The Moon" von Wolfgang Flad. / Bento

Strukturen aus dem Reich der Natur

Zu den Werken gesellt sich ein Aluminium-Relief mit anorganischen Krater-Strukturen. „Das ist Heavy Metal sozusagen – massiv gegossen und dann poliert“, erklärt Flad zu der kleinformatigen Arbeit, die wirkt, als wäre sie von einem Miniatur-Kometen getroffen worden. „Force of the impact“ (Wucht des Einschlags) heißt sie denn auch folgerichtig. Es gehe dabei um Kräfte und um Bewegung, so der Künstler. Das Thema setzt sich in seinen Skulpturen fort, die Flad als „dynamische und filigrane Zeichnungen im Raum“ beschreibt.

Die Skulpturen greifen zudem universelle Strukturen aus dem Reich der Natur auf: Verdickungen, Verdünnungen und Streckungen, die sich von Zellen bis zum Universum hochskalieren lassen. Es sind Formen, die sich in der Botanik, in Knochen oder bei Kumulationen von Sternen finden. Die Skulpturen bestehen aus Holz und Pappmaché, denn Flad nutzt gern einfache Materialien, denen er ein magisches Upcycling verpasst. Er spricht von „konzeptueller Bildhauerei“, da er seine Rohmasse aus geschredderten Kunstmagazinen und -texten gewinnt – keine Respektlosigkeit gegenüber den theoretischen Texten, sondern ein ewiges Ping-Pong, das Schließen eines Kreises oder eher einer Unendlichkeitsschlaufe.

Geometrische Formen und Flächen im Fokus

Während Flad ein Faible für natürliche Strukturen hat, sind bei Grijalvo geometrische Formen und Flächen im Fokus. Doch beide arbeiten auf ihre Weise mit Schichten und Ebenen, weshalb die Werke in gewisser Weise eine ähnliche Sprache sprechen. Verstärkt wird der Dialog durch farbliche Verbindungen. Der Baske verortet seine Kunst zwischen Fotografie, Skulptur und Design und widmet sich einem speziellen Thema: der Fotografie von Museen. Da Grijalvo aus Bilbao stammt, ist er mit dem Effekt der Strahlkraft, den das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum entfaltete, gut vertraut. „Wie ein Museum oder ein Gebäude eine Stadt verändern kann, habe ich von klein auf erlebt“, sagt er. Den Künstler interessiert die transformative und symbolische Macht solcher Bauten, dieser „Kathedralen unserer Zeit“.

Eine Arbeit von Patrik Grijalvo.

Eine Arbeit von Patrik Grijalvo. / Bento

Seine aufwendigen Arbeiten entstehen in mehreren Etappen. Nach einer Vorstudie zu den Museen, die ihn reizen, folgt die fotografische Aufnahme mit seiner Analogkamera. Danach scannt er die Negative, druckt sie in verschiedenen Formaten aus, zerschneidet sie und arrangiert die Fragmente von Gebäuden wie dem Macba oder der Fondazione Prada in Mailand neu zu dreidimensional montierten Kompositionen. „Ich probiere Hunderte von Kombinationen aus“, sagt Grijalvo.

Poesie mit einer eigenen Logik

Von Collagen spricht er in Bezug auf seine Werke ungern. Denn es handle sich nicht um zufällig zusammengewürfelte Elemente, die ein neues Bild ergeben: Alleinige Basis sind die Aufnahmen der Bauten. Durch die Bearbeitung finde eine Aneignung von Symbolik und Architektur statt, um dann mit fotografischen Mitteln ein Kunstwerk zu erschaffen. Manche Arbeiten wirken auf den ersten Blick so abstrakt, dass man an eine digitale Kreation denken könnte. Realität und Fiktion bilden eine Symbiose, die ursprünglichen Perspektiven weichen einer Poesie mit eigener Logik.

„Jeder möchte heute in Museen Selfies machen. Die Erfahrung des Museumsbesuchs rückt in den Hintergrund“, sagt Grijalvo. Seine Werke sind ein Gegenpol zu dieser Schnelllebigkeit – ein mit Sorgfalt und buchstäblicher Detailliebe ausgeführtes Spiel mit dem ästhetischen Wert der Gebäude, den er im kreativen Prozess auf eine neue Ebene hebt.

Blick in die Ausstellung "Nowhere but here" bei Natalia Bento.

Blick in die Ausstellung "Nowhere but here" bei Natalia Bento. / H. Bento

Wolfgang Flad und Patrik Grijalvo, „Nowhere but here“, bis 26. April, Natalia Bento Art Contemporani, Carrer Petit, 6, Alaró. Mi.–Fr. 17–21 Uhr, Sa. 11–14 Uhr oder mit Termin unter Tel. 663-80 48 73.

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