Lichtreflexionen im privaten Stadtpalast: Hier gibt es Fotografie in ganz besonderem Ambiente zu sehen
Die deutsche Künstlerin Julinka Doenhoff zeigt in prächtigen Räumen in Palma Werke, die Ruhe verströmen und Trost spenden

Einer von zwei prachtvollen Sälen, in denen man die Arbeiten der Künstlerin sehen kann. / Nele Bendgens
Neben den öffentlich zugänglichen Stadtpalästen gibt es in Palma viele architektonische Perlen, die man nicht ohne Weiteres zu Gesicht bekommt. Dazu gehören die eindrucksvollen Privaträume, die der deutsche Künstler Heinz Ackermans als Kunstlager nutzt. Nun macht er eine seltene Ausnahme und stellt zwei Säle für ein besonderes Ausstellungsprojekt zur Verfügung: Julinka Doenhoff präsentiert hier großformatige Fotografien, deren poetische Strahlkraft in den mit Stuckdecke, Kronleuchtern und Samtmöbeln ausgestatteten Räumen hervorragend zur Geltung kommt. „Es sieht aus wie ein Aquarell, wie gemalt“, schwärmt Ackermans, der tatkräftig beim Aufbau mit anpackt, als er eines von Doenhoffs Bildern betrachtet.
Beide kennen sich schon lange, sie lebten in London einst in derselben Straße. „Unsere Verbindung ist zeitlos. Und um Zeitlosigkeit geht es auch in der Ausstellung“, sagt die in Hamburg geborene Künstlerin, die vor fünf Jahren nach Sóller zog. Tatsächlich ist es ihre allererste Schau, obwohl sie seit 2003 künstlerisch tätig ist. Beim Gespräch im Patio des Stadtpalastes erklärt Doenhoff, wie das kam: Nach dem Studium in den USA und in Paris sowie ihrer Promotion in Oxford, lebte sie lange in England und arbeitete fürs Fernsehen, mit Schwerpunkt auf Umweltthemen. Dann begann sie als Autodidaktin mit der Porträtmalerei und konnte gut davon leben.

Julinka Doenhoff mit einem ihrer Werke in der Ausstellung. / Nele Bendgens
Ein Porträt von Nelson Mandela
Die Auftragsarbeiten dienten für Doenhoff einerseits dem Broterwerb, andererseits als Vorwand, um interessante Menschen zu treffen und sie zu malen. So bekam die Künstlerin etwa die Gelegenheit, Nelson Mandela zu treffen. Sie porträtierte ihn nach einem dabei entstandenen Foto und schickte ihm das Ergebnis. „Zwei Wochen später bekam ich einen Anruf, dass Nelson Mandela das Bild in seinem Büro aufhängen möchte. Das war für mich ein goldener Moment meines Lebens, ihm so etwas zurückgeben zu können“, erzählt sie strahlend. Mit der reinen Porträtmalerei habe sie aber nie auf eine Ausstellung abgezielt. Nun ist das anders: Doenhoffs neue Werke haben eine Botschaft und sind durch ihr bewegtes Leben und ihre Familiengeschichte geprägt.
Bindeglied ist das Thema „Verlust der Heimat“. Marion Gräfin Dönhoff, eine der bedeutendsten Publizistinnen der Nachkriegszeit, war ihre Großtante. 1945 musste die spätere Chefredakteurin von „Die Zeit“ aus Ostpreußen vor der vorrückenden Roten Armee fliehen und „auf Pferderücken durch den kältesten Winter galoppieren, alles zurücklassen“, sagt Doenhoff. „Mit dieser Geschichte sind wir aufgewachsen.“ Ihre eigene Kindheit spielte sich zunächst zwischen Kenia und Deutschland ab. Seit dem 14. Lebensjahr lebte sie fest in Deutschland, verlor ihre Herzensheimat.
Metapher für eine universelle Erfahrung
Vor drei Jahren begann Doenhoff damit, flüchtige Lichtreflexionen an den Wänden im Haus ihrer Mutter zu fotografieren – dem Ort in ihrem Leben, der schon am längsten Bestand hat, aber auch nicht ewig existieren wird. „Ich habe das Licht als Trost empfunden, als etwas Magisches und Mysteriöses“, sagt sie. Die Reflexionen scheinen ein Eigenleben zu führen, je nach Jahreszeit und Ort eine andere Gestalt anzunehmen.
Und sie sind eine überzeugende Metapher für eine universelle Erfahrung, die Geflüchtete, entwurzelte Kinder und freiwillige Auswanderer teilen: Selbst wenn die Wände verschwinden, gibt es etwas Zeitloses und Ewiges, das eine neue Wand finden, anderswo weiter leuchten wird. Neben der hoffnungsvollen Serie „Light Reflections“ zeigt die Künstlerin im Nebenraum auch Werke aus der Reihe „Heads“, die dort perfekt mit den Erdtönen der Möbel harmonieren.

Blick in den zweiten Raum, wo Werke der Serie "Heads" zu sehen sind. / Julinka Doenhoff
Mit diesen Arbeiten hatte sie beim Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine begonnen. Die Basis der Kompositionen bilden hier gemalte Köpfe, die Doenhoff dann fotografiert und bearbeitet. „Sie verströmen eine Buddha-ähnliche, innere Ruhe – umgeben vom Chaos der Welt“, sagt die Künstlerin, die auch selbst ganz mit sich im Einklang zu sein scheint. Es geht um Zentrierung, um Verbundenheit mit den Menschen und mit der Natur – ein Friede, der sich direkt auf den Betrachter überträgt.
Besuch nur mit Privatführung: Julinka Doenhoff, „Forever Now“ (Fotografie), bis 20. Mai, Carrer de Sant Jaume, 11, Palma. Besichtigung / private Führung mit Termin per E-Mail unter: info@julinkadoenhoff.com
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