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Zeugnisse eines Weitgereisten: So zog Mallorcas Lieblingsmaler durch die Welt

Der auf der Insel hochverehrte katalanische Künstler Josep Coll Bardolet nährte sich nicht nur von der Schönheit seiner Wahlheimat, sondern blickte stets auch über den Inselrand hinaus. Davon erzählt noch bis 6. Januar eine große Ausstellung

Josep Coll Bardolet zeichnete hier das marokkanische Tétouan.

Josep Coll Bardolet zeichnete hier das marokkanische Tétouan. / Fundació Cultural Coll Bardolet

Der katalanische Maler Josep Coll Bardolet (1912–2007), der seit den 1940er-Jahren in Valldemossa lebte und auf der ganzen Insel wirkte, ist mit seinen impressionistischen Werken eine Institution auf Mallorca. In fast allen Haushalten der Insel hängt zumindest ein kleines Werk von ihm. Auf ungezählten Bildern, in Acryl, Gouache oder Öl, mit Tusche oder Aquarell verewigte er die Schönheit der Welt, von pittoresken Landschaften bis hin zu den mallorquinischen Volkstänzern beim Ball de Bot – einem seiner Lieblingsmotive.

Wer den Wahlmallorquiner nun aber für jemanden hält, der sich mit seiner unmittelbaren, idyllischen Umgebung begnügte, der irrt: „Coll Bardolet musste sich mit anderen Dingen beschäftigen, immer neue Anreize entdecken. Er reiste nicht, um Städte kennenzulernen, sondern um sich durch seine Augen von Schönheit zu ernähren“, sagt Olga Coll Vila, Nichte des Künstlers und Vorsitzende der Fundació Cultural Coll Bardolet in Valldemossa.

Schau auf allen Stockwerken

So feiert die große Ausstellung „Viatger desconegut. Del Marroc exòtic a la Mallorca rural“ (Unbekannter Reisender. Vom exotischen Marokko zum ländlichen Mallorca) nun das ausgeprägte Weltenbummler-Gen des Künstlers. Jaume-Bernat Adrover, Leiter der Stiftung und Kurator der Schau, ist merklich stolz darauf: „Sie ist die bedeutendste Schau, die wir in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben, und sie umfasst alle Stockwerke der Stiftung“, sagt er. In Anbetracht der Tatsache, dass die Fundación Coll Bardolet ihr 20-jähriges Bestehen feiert, erscheint das Großprojekt zu Ehren des Namensgebers nur angemessen. Es unterstreicht seine internationale Relevanz.

Josep Coll Bardolet im Jahr 2001 bei einem Aufenthalt im französischen Tours. Der Ort spielte in seinem Leben eine wichtige Rolle.

Josep Coll Bardolet im Jahr 2001 bei einem Aufenthalt im französischen Tours. Der Ort spielte in seinem Leben eine wichtige Rolle. / DM

Vor allem geht es um die Reisen, die Coll Bardolet im Laufe seines Lebens unternahm. Davon erzählen nicht nur seine Gemälde, sondern auch seine Reisetagebücher und andere persönliche Gegenstände, wie die Rucksäcke, die den Künstler bei langen Spaziergängen durch die Landschaften seiner Kindheit in Katalonien sowie in Frankreich, Belgien, Norwegen, Italien, in der Schweiz, in Andalusien und Marokko begleiteten.

Erste Reise nach Mallorca

In der Natur seiner Heimat Katalonien fand er den idealen Rahmen, um seine künstlerische Ausbildung zu beginnen und die Kraft der Zeichnung und der Farbe zu entdecken. Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs erklärte sich der Künstler zum Kriegsdienstverweigerer und floh nach Frankreich. „Er war ein Mensch des Friedens“, betont Olga Coll. Zunächst zog es ihn nach Orléans und später nach Tours, wo er seine erste Einzelschau hatte – 1937, mit 25 Jahren. Danach reiste er weiter nach Belgien, um sich fortzubilden.

„Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, entschied er sich zur Rückkehr nach Katalonien“, sagt der Kurator. Von Barcelona aus reiste Coll Bardolet dann zum ersten Mal nach Mallorca, wo er am Ende doch noch den Wehrdienst absolvieren sollte. „Am ersten Tag meldete er sich bei seinem Vorgesetzten und sagte ihm, er sei Maler. Wenn er es ihm erlauben würde, würde er malen und ihm vor Ende des Militärdienstes alle Werke bringen, damit er Bilder an die Wände seines Hauses hängen könne“, erzählt Olga Coll. Und so geschah es auch: Coll Bardolet reiste über die halbe Insel, um zu malen und hielt am Ende sein Versprechen.

Andere Länder, neue Impulse

Sein erster Besuch auf Mallorca ist für 1940 dokumentiert, als er im Hotel Marisol in Palma wohnte. Von da an waren seine Reisen auf die Insel häufig. Er verbrachte Zeit in Lluc, in Selva, und weilte kurz in der Gegend von Sóller. Schließlich ließ er sich 1944 in Valldemossa im Hotel del Artista nieder, wo er Künstler und Intellektuelle wie Philip Newman, Josep Pla oder John Knittel empfing.

Von der Schönheit der Orte genährt, die er besuchte: Coll Bardolet fertigte unter anderem Zeichnungen von Venedig an.

Von der Schönheit der Orte genährt, die er besuchte: Coll Bardolet fertigte unter anderem Zeichnungen von Venedig an. / Fundació Cultural Coll Bardolet

Seine eigenen Wege in die Welt hinaus lieferten ihm indes neue Impulse. Norwegen, wohin er 1954 dank eines Stipendiums reiste, stellte für ihn eine neue malerische Herausforderung dar. In Andalusien entdeckte er eine intensive Energie und übte sich in Kontrasten. In Italien genoss Coll Bardolet Aufenthalte in Venedig, Rom oder Pisa. Auch Marokko, „ein Land gesättigter Farben, ohne Halbtöne oder Nuancen“, so seine Worte, und Wengen in der Schweiz, sein Sommerrefugium, hinterließen unauslöschliche Spuren bei dem Künstler.

„Coll Bardolet wäre zutiefst dankbar für diese Ausstellung“, sagt seine Nichte. „Er begeisterte sich für alles. ‚Der Körper wird alt‘, sagte er, ‚aber mein Geist ist jung.‘ “ Noch heute würden die Nachbarn aus Valldemossa, die ihn kannten, ihre eigenen kleinen Geschichten mit dem Künstler erzählen und die Erinnerung lebendig halten, fügt Adrover hinzu. Wer nicht das Glück hatte, den als zugänglich und freundlich geltenden Maler noch zu Lebzeiten persönlich kennenzulernen, kommt ihm durch die Schau in der Stiftung ein gutes Stück näher.

Fundació Cultural Coll Bardolet, „Coll Bardolet, viatger desconegut. Del Marroc exòtic a la Mallorca rural“, voraussichtlich bis 6. Januar 2026, Di.–Do. 10–15, Fr. 10–16, Sa.–So. 10–18 Uhr, Via Blanquerna, 4, Valldemossa.

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