Ausstellungstipp in Palma: Kunst wie ein Sprung ins Meer und zehn preisverdächtige Werke
Im Casal Solleric erwarten Sie Andrea Canepas fragile Installation "Capfico" und die Arbeiten der zehn Finalisten des Kunstpreises von Palma

Andrea Canepas Installation "Capfico" im Patio des Casal Solleric. / Brigitte Rohm
Es gibt im Mallorquinischen ein eigenes Wort für den spontanen, erfrischenden Sprung ins Meer: capfico. Eine ähnlich belebende Wirkung hat es aus Sicht der peruanischen Künstlerin Andrea Canepa, wenn man im Sommer einen kühlen Patio betritt – daher wählte sie den Begriff als Titel für ihre Installation im Innenhof des Casal Solleric. Im Gegensatz zu ihrer von präkolumbischen Riten inspirierten Textilarbeit „Fardo“, mit der Canepa derzeit den Palacio de Cristal im Retiro-Park in Madrid eindrucksvoll ummantelt hat, ist die Intervention in Palma zart und poetisch.
Für die Künstlerin gleicht die Architektur hier einer Partitur: Schwebende Elemente aus Schmiedeeisen erscheinen wie ein Widerhall der Bauelemente des Stadtpalastes und laden dazu ein – behutsam – durch den eigenen Körper mit der Kunst zu interagieren und den Raum zu erkunden. Zum Projekt gehört auch das Video einer Tanzperformance von Maya Triay und Mariona Jaume, die sich im Inneren der Installation bewegen, und eine atmosphärische Klangkomposition von Matías Rossi.
Die Crème de la Crème aus 913 Werken
Entsprechend beschwingt können sich die Besucher dann im Anschluss zum Rundgang durch die Gruppenausstellung mit den Arbeiten der zehn Finalisten in der Kategorie Bildende Kunst des „Premi Ciutat de Palma“ aufmachen. Zu sehen ist die Crème de la Crème aus 435 Künstlern und 913 Werken im Rennen um den mit 12.000 Euro dotierten Preis.
In den ersten Raum zieht die großformatige Arbeit „Unboxing # 2 Rollo fotográfico y atún“ von Alejandro Leonhardt hinein. Der Titel bezieht sich auf die zwei Verpackungen, die bei dem Werk Pate standen – der Künstler reduziert sie auf Farben, Grafiken und Codes und verbindet so die Elemente zu einer neuen Form.

Die Gewinnerarbeit von Inma Femenía. / B. Ramon
Dieselben Farben – Gelb, Rot, Schwarz, Dunkellila – finden sich in der benachbarten Gewinnerarbeit wieder: Inma Femenía schuf mit „Free Fall“ aus der Serie CII eine schwebende Installation aus PVC-Folie, die durch einen Motor in sachte Rotation versetzt wird. Sie erforscht damit die Beziehung zwischen der materiellen und der digitalen Welt und die Art, wie technologische Fortschritte unsere Vorstellung von Realität verändern. Daneben zu sehen: Johanna von Monkiewitschs dreidimensionaler Pigmentdruck, bei dem der Aspekt der Zeitlichkeit durch den aufwendigen Entstehungsprozess entscheidend ist.
Vielfalt künstlerischer Disziplinen
Weiter geht es im Zwischengeschoss mit Werken von zwei Künstlerinnen, deren Namen man häufig im Rahmen von Kunstpreisen liest: Mar Guerrero, die in ihren Arbeiten Meer und Kosmos verbindet und die hier mit ihren „Organismos residuales“ Siebdrucke zeigt, die auf an der Küste gefundenen Abfällen basieren, sowie Laia Ventayol mit ihrem faszinierenden Objekt „Balancí“. José Luis Cremades präsentiert eine fast spirituelle Reflexion über die Praxis der Malerei selbst, während Pixy Liao mit „The Man Hiding in my Dress“ ein intimes Foto ihres Partners zeigt, das während der Corona-Pandemie entstand.
Sehenswert sind auch die Werke im letzten Saal. Adrián Martínez kreierte seine „Estructura 3“, die das erzählerische Potenzial von Materialien hervorhebt, mit Filz aus mallorquinischer Schafwolle. Almudena Lobera kleidete für ihre Arbeit „Rest“ drei von vier Wände eines Raumteils mit Akustikschaumstoff ein, in den sie sechs filigrane Zeichnungen integrierte – eine Reflexion zur Unmöglichkeit absoluter Stille und den Pausen in Musikstücken, die eine Präsenz ohne Klang darstellen.

"Rest" von Almudena Lobera (Detail). / B. Rohm
Interessant ist die Wechselwirkung mit der benachbarten letzten Arbeit: Durch den Schallschutz ist das Plätschern von Irati Inorizas Videoinstallation „Al final de tu cabello“ zunächst nur gedämpft zu hören. Der Künstler untersucht hier Körperlichkeit im Dialog mit Wasser und Licht – das ist wahrhaftig einmal ein „Kunstwerk zum Eintauchen“.
Gruppenschau der Finalisten des Premi Ciutat de Palma, bis 8. März, „Capfico“ von Andrea Canepa, bis 12. April, Passeig del Born, 27, Palma, Di.–Sa. 10–20 Uhr, So. und Feiertage 11–14.30 Uhr.
Premis Ciutat de Palma: Diesmal ganz ohne Gala
Die Gala zu den Kulturpreisen Premis Ciutat de Palma ist, ebenso wie die Vernissage zu den beiden neuen Ausstellungen, als Zeichen der Anteilnahme wegen des Zugunglücks auf dem spanischen Festland abgesagt worden. Stattdessen sollen die Preise demnächst bei einem institutionellen Akt im Rathaus übergeben werden. Die Gewinner in den 14 Kategorien sind aber bekannt gegeben worden. Trotz einer Rekordbeteiligung von 733 Einsendungen wurde auf einstimmigen Beschluss der Jury kein Sieger in der mit 26.000 Euro dotierten Kategorie spanischsprachiger Roman gekürt. Preis - träger für den besten kalanischen Roman ist Jaume Oliver Ripoll.
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