Buntes Publikum, sexy Shows, politische Statements: So war das Mallorca Live Festival 2024

"Den Stars die Schau stehlen" könnte ein Motto für die diesjährige Ausgabe des Festivals sein, das von Donnerstag bis Samstag (15.6.) die Insel zum Beben gebracht hat. Denn die Headliner waren nicht immer großen die Publikums-Magneten

Headliner beim Mallorca Live Festival 2024: Die Pet Shop Boys.

Headliner beim Mallorca Live Festival 2024: Die Pet Shop Boys. / Xavi Torrent

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Eines muss man dem größten Musikfestival der Insel wirklich lassen: Die Vielfalt unter den insgesamt 65.000 Besuchern, die das Event angezogen hat, war wirklich bemerkenswert – und sicherlich zum Teil der ebenso eklektischen Musikauswahl geschuldet. Bei dem Programm, das vom 13. bis 15. Juni auf den Bühnen geboten wurde, gab es etwas für fast jeden Gusto: Ältere Festivalgänger erfreuten sich an Love of Lesbian und Blondie, Teenies und Familien mit kleinen Kindern pilgerten dafür zahlreich am Samstagabend zu Popstar Aitana, obgleich ihre erotisch aufgeladene Show nur bedingt jugendfrei genannt werden kann. 

An allen drei Tagen, insbesondere am mit fast 25.000 Besuchern besonders vollen Samstag, konnte man die Festivallust spüren und in eine Schar von vor Freude und Glitzer-Make-Up strahlender Gesichter blicken, die es nach Konzerterlebnissen dürstete. Chaos mit den Shuttle-Bussen und Bändchen gab es diesmal keines, die Organisation verlief weitgehend reibungslos. Auffällig war allerdings die im Vergleich zum Vorjahr starke Präsenz von Polizei und Drogenspürhunden und die sehr strikte Kontrolle durch die Sicherheitskräfte. 

Pop-Veteranen vs. Publikumslieblinge

Was die Musik betrifft, so könnte man nun infrage stellen, ob die Headliner auf dem Plakat auch wirklich die Stars dieser Abende waren. Sicher: Die Pet Shop Boys mit ihren etwas befremdlichen Masken, die an Stimmgabeln erinnerten, lieferten am Samstag eine starke Show, wie man es von Pop-Veteranen ihres Kalibers auch erwarten darf. Doch kurioserweise waren sie die einzigen Künstler im Programm, bei denen man auch keine wirkliche Alternative zur Auswahl hatte, abgesehen von der Techno-Bühne. Und je länger das Konzert auf der Hauptbühne andauerte, desto mehr Besucher schienen sich schließlich bei der dortigen Party zu tummeln. 

Popsängerin Aitana bei ihrem Auftritt auf Mallorca.

Popsängerin Aitana bei ihrem Auftritt auf Mallorca. / Andrés Iglesias

Zum Status der Königin des Abends hatte sich ohnehin zuvor schon Aitana gesungen, da war für die Pet Shop Boys nichts mehr zu holen. Ein guter Indikator für die Begeisterung des jüngeren Publikums war sicherlich die Anzahl der hochgehaltenen Smartphones, die auch bei der zweiten großen spanischen Nummer im Line-Up, Rels B., rekordverdächtig hoch war.

Vielleicht hätten die Organisatoren besser daran getan, den massentauglichen Künstler, der mit seiner Mischung aus Rap, Latin Pop und R & B die Menge verzückte, nicht zu einer recht undankbaren Zeit Donnerstagnacht auftreten zu lassen – und grundsätzlich stärker auf die Anziehungskraft dieser aktuellen Publikumslieblinge zu setzen. Denn internationale Künstler wie Soulsänger Michael Kiwanuka oder die Elektro-Veteranen Underworld mögen hochkarätig sein. Aber das – bei aller Diversität doch überwiegend einheimische – Publikum lässt sich davon eben eher nicht in völlige Ekstase versetzen.

Highlights und Neuentdeckungen weiter unten im Line-Up

Wobei musikalische Vorlieben natürlich Geschmackssache bleiben. Auch das kristalliert sich bei kaum einem Event so deutlich heraus wie beim Mallorca Live Festival, wo viele Highlights und Neuentdeckungen weiter unten im Line-Up warten. So erfreute die britische Band Shame die Herzen von Post-Punk-Fans am Freitag schon mit einem Energielevel 100 zu früher Stunde. Andere ließen sich von der Andalusierein María José Llergo verzaubern, deren Gesang wie ein Stimme gewordener Schmetterlingsflug klingt. Und obwohl sich der Auftritt der Alternative-Rocker von Arde Bogotá, der schon grenzwertig spät für Samstag um 2 Uhr angesetzt war, noch weiter verzögerte, konnte der charismatische Sänger das Publikum sofort beschwichtigen und völlig in seinen Bann ziehen. 

Da brennt die Hütte, beziehungsweise was nächtliche Festivalgelände: Arde Bogotá.

Da brennt die Hütte, beziehungsweise was nächtliche Festivalgelände: Arde Bogotá. / Andrés Iglesias

Abseits des Musikalischen nutzten auch viele Künstler die Bühne für politische Botschaften: Die Pet Shop Boys ließen vor ihrem Auftritt minutenlang eine Ukraine-Flagge einblenden, Llergo schmückte ihr Mikro mit der Flagge Palästinas und Rodrigo Cuevas brachte die Zuschauer nicht nur mit seinem Mix aus traditionell spanischer und elektronischer Musik zum Tanzen, sondern erhob auch seine einzigartige Stimme für die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft und gegen Rechtsextremismus. 

Am Eröffnungstag war zudem Stimmungsmache gegen die Touristen zu hören gewesen. Für die meisten sollte dies die Freude am Festival jedoch nicht allzu sehr getrübt haben – und ebenso wenig die Vorfreude auf das nächste Jahr.