Interkulturell und herzlich: Ein deutsch-kolumbianisches Auswanderer-Paar eröffnet einen Kulturraum in Sa Pobla

Die Sopranistin Anne Leohold und Gitarrist Tatán Pedraza laden in ihrem authentischen Dorfhaus zu Kunstausstellungen und Events ein

Verliebtes Paar voller Tatendrang: Tatán Pedraza und Anne Leohold öffnen ihr privates Wohnhaus als Kulturraum.

Verliebtes Paar voller Tatendrang: Tatán Pedraza und Anne Leohold öffnen ihr privates Wohnhaus als Kulturraum. / B. Rohm

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

In Zeiten, wo Kulturräume abseits des Mainstreams auf Mallorca eine aussterbende Art geworden sind, gibt es zur Abwechslung einmal einen Neuzugang: Sa Pobla gewinnt mit dem Espai Cultural Leo Vermell ein originelles, alternatives Refugium für die Künste hinzu. Der Name spielt einerseits auf einen kleinen „roten Löwen“ an – den scheuen Kater Simba, der dort gemeinsam mit dem schwarzen Baghira die Gäste begrüßt. Zum anderen steckt das „Leo“ im Nachnamen seiner Gründerin, der deutschen Sopranistin Anne Leohold (43).

Seit neun Jahren lebt die Bremerin, die als Sängerin und Lehrerin arbeitet, auf der Insel, zunächst in Palma. Dann passierten vor rund zwei Jahren gleich zwei bedeutsame Dinge: In einem Café in Santa Maria lernte sie den in Kolumbien geborenen, klassischen Gitarristen Tatán Pedraza (35) kennen, die beiden verliebten sich. Zudem kaufte Leohold ein über 100 Jahre altes Haus in Sa Pobla und zog dort ein, als die Renovierung in vollem Gange war.

Das private Heim für die Kultur öffnen

Von Anfang an habe es die Idee gegeben, das private Heim auch für die Kultur zu öffnen, erzählt die Sängerin mit der positiven Ausstrahlung beim MZ-Besuch. „Ich möchte mich mit Leuten umgeben, die an Kunst interessiert sind“, sagt Leohold. Nun bewohnt sie die obere Etage des alten Gebäudes, in dem früher die Ernte gelagert und Schweine geschlachtet wurden, gemeinsam mit Pedraza. Das Erdgeschoss mit großem Eingangsbereich, Wohnzimmer und Patio soll künftig für Events genutzt werden. Das Konzept ist ein Gegenentwurf zu glattgebürsteten, mit viel Geld schnieke hergerichteten Galerien und Veranstaltungsorten. Hier betritt man ein authentisches Haus in einem typisch mallorquinischen Dorf, das den Charme des Unperfekten hat. „Wir wollen, dass die Leute sich hier einfach zu Hause fühlen“, so die Gastgeberin, die unabhängig von ihrem entspannt-unversnobten Kulturraum auch plant, bald einen deutschen Chor in Sa Pobla zu gründen.

Im Eingangsbereich finden die Konzerte statt.

Im Eingangsbereich finden die Konzerte statt. / Pedraza

Leohold möchte ein gemischtes Publikum anziehen und die Communitys, die auf der Insel dazu tendieren, unter ihresgleichen zu bleiben, aus der Reserve locken, miteinander in Kontakt bringen. Sowohl die lokalen Politiker als auch die Nachbarn begegneten der Initiative mit Wohlwollen. „Man sagt, in Sa Pobla sind die nettesten Menschen von Mallorca, und das können wir so bestätigen. Die Leute aus der Straße haben uns sofort mit offenen Armen aufgenommen – allein unter ihnen sind mindestens acht Künstler“, sagt die Sängerin, die die lokale Kunstszene fördern will.

Allen Kunstformen ihren Raum geben

Am Anfang stehen nun vor allem Konzerte und wechselnde Ausstellungen auf dem Programm. Im August ist etwa ein klassischer Liederabend der Gastgeber angedacht – nicht mit Klavier, sondern mit Gitarre. Weitere Pläne für die nahe Zukunft sind ein Instrumentenbau-Workshop, ein englisches Theaterstück und eine Zusammenarbeit mit einem anderen Paar: Cineasten aus Kuba, die regelmäßig stattfindende Kinoabende mit Vorträgen und Diskussionen organisieren wollen.

Ruheoase: Der Patio hinter dem Haus.

Ruheoase: Der Patio hinter dem Haus. / Brigitte Rohm

Die erste Schau mit Kunstwerken von Joan Llaneras und Joan Pol startet am 19. Juli, zur offiziellen Eröffnung des Raums. Davor gibt es am 10. Juli ein Pre-Opening mit einem Konzert des „Tarka Ensamble“, bestehend aus Pedraza und der Flötistin Alexandra Pastrana. Sie spielen Stücke des indigenen Komponisten Atawara Sandino, eine Fusion aus Klassik und Musik der Ureinwohner Kolumbiens. „Wir wollen allen Kunstformen ihren Raum geben, nicht nur dem Klassischen, Akademischen“, sagt der Gitarrist, dem die gelebte Wertschätzung für Musiktraditionen jenseits des westlichen Kanons und für die „Outsider“ am Herzen liegt. Im Herbst wird ein chilenischer Musiker zu Gast sein, der die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi auf dem Zupfinstrument Charango aus den Anden zu spielen versteht.

Pedraza sagt, in Lateinamerika sei der Gedanke stärker verbreitet, dass Kunst und Kultur auch einen Beitrag für die Gesellschaft leisten sollten, Geld sei nicht das Wichtigste. Dieser Ansatz wird nun auch in Sa Pobla gepflegt.

Espai Cultural Leo Vermell in Sa Pobla

C/. Varet, 12, Pre-Opening mit Konzert: 10. Juli, 20.30 Uhr, Eintritt: 12 Euro.

Vernissage und Opening: 19. Juli, 19 Uhr, dann Di.-Sa. 10-13 Uhr mit Voranmeldung, Reservierung / Info jeweils unter Tel.: 657-33 91 25.

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