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"Ein Obstsalat aus Einflüssen": Was uns die Sängerin und Köchin TIU mit ihrer neuen Musik auftischt

Nach zehnjähriger Pause ist Beatriu Herrero mit einem neuen Album zurück. Es ist ein intimes Werk – in dem das Essen weiter eine große Rolle spielt

Das Foto, das in verfremdeter Form auf dem Albumcover von „Assaig Obert“ erscheint.

Das Foto, das in verfremdeter Form auf dem Albumcover von „Assaig Obert“ erscheint. / NEUS FAFA/VERANSTALTER

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Über zehn Jahre ist es her, dass Beatriu Herrero unter ihrem Künstlernamen TIU ihr letztes Album veröffentlicht hat. Die gelernte Köchin – und Patisserie-Lehrerin an einer Berufsschule – hatte sich bis dahin einen Namen mit ihrem eigenen musikalischen Genre gemacht. Die gastromúsica war weniger an eine bestimmte stilistische Spielart geknüpft, als dass sich ihre Leidenschaft für die Küche und ihre Zutaten durch ihre Texte zog. Wenn zum Beispiel das pa amb oli auf irgendeine Art und Weise besungen werden kann, dann so: melodisch, fröhlich und leichtfüßig sowie natürlich auf Katalanisch.

Nun ist TIU nach einem Jahrzehnt zurück – und präsentiert ihr neues Album „Assaig Obert“ (Offene Probe), das sie mit den Musikern Jordi Tugores und Pere Dàvila aufgenommen hat, bei zwei Konzerten in Valldemossa (22.8.) und Son Carrió (29.8.). Karten ab 12 Euro unter fonart.com.

Eigene Klangwelten erschaffen

Frau Herrero, wie fühlt es sich an, Ihr musikalisches Projekt nach so einer langen Pause wieder anzugehen? Hat sich Ihre Herangehensweise ans Songwriting geändert in der Zeit?

Die Songs habe ich nicht alle am Stück geschrieben. Manche sind teilweise 15 Jahre alt, andere ganz neu. Sie bilden eine Collage, eine Reise durch die vergangenen Jahre in Liedern. Natürlich habe ich sie alle für das Album überarbeitet, aber ich habe sie nicht mit einem vorgefertigten Konzept verfasst. Letztlich habe ich nie aufgehört zu schreiben, auch wenn ich nichts veröffentlichte und kaum auftrat.

Die Sängerin Tiu.

Die Sängerin Tiu. / Veranstalter

„Assaig Obert“ ist sehr minimalistisch gehalten. Damit unterscheidet es sich sehr von dem Vorgängerwerk von 2013, das mit einer ganzen Band aufgenommen wurde.

Ja, ich wollte das neue Album nicht überladen. Es sollte ohne großen technischen Aufwand live reproduzierbar sein. Wir haben mit zwei Gitarren aufgenommen. Die Percussion stammt zum großen Teil von einfachen Gegenständen. Was im Lied wie ein Shaker klingt, sind etwa Münzen in einer Hosentasche. Wir haben versucht, mit diesen Dingen eigene Klangwelten zu erschaffen. Für mich drückt der Albumtitel diese Herangehensweise aus.

Inwiefern?

Offene Probe bedeutet für mich, mir selbst die Erlaubnis zu geben, ohne große Ansprüche Musik zu machen. Ich wollte es einfach nur genießen – auf Augenhöhe mit dem Publikum. Heutzutage gibt es unendliche Möglichkeiten, Klänge zu erzeugen und nachzubearbeiten. Da muss man Basta sagen. Weniger ist mehr.

Nicht alle Lieder handeln vom Essen

Dazu passt das Bühnenbild der Konzerte. Sie sitzen mit den Musikern um einen kleinen Tisch, auf dem unter anderem eine Kaffeekanne und eine Schale Obst stehen.

Genau. Ich wollte das Gefühl vermitteln, als ob man gemeinsam gegessen hat und nach dem Essen noch zusammensitzt und gemeinsam musiziert. Kochen ist für mich eine eindringliche Art zu zeigen, dass man jemanden liebt. Und diese gemeinsame Zeit am Tisch zu verbringen, ist sehr intim. Dass man jemanden zu sich nach Hause einlädt oder von jemandem eingeladen wird, ist für mich das Größte.

Spielt die Gastronomie in Ihren Texten immer noch so eine große Rolle?

Die Sprachbilder, die ich schaffe, haben immer etwas mit Gastronomie zu tun. Ich fühle mich in dieser Welt sehr wohl. Auf dem neuen Album handeln nicht alle Lieder vom Essen, aber Songs wie „Ametllers“ (Mandelbäume) haben durchaus einen Bezug.

Dort singen Sie im Refrain: „Ich werde aus Liebe überall Mandelbäume pflanzen.“

Das basiert auf einer mallorquinischen Sage. Sie erzählt von einem Liebespaar, von dem ein Partner nicht nach Mallorca will, weil es dort keinen Schnee gibt. Die andere Person verspricht, überall Mandelbäume zu pflanzen, damit man im Frühjahr bei der Blüte das Gefühl hat, dass es geschneit hat. So kamen die Mandelbäume auf die Insel.

Albumcover als Hommage an die Mutter

Das Cover von „Assaig Obert“, ist eine Hommage an Ihre Mutter, die bekannte Sängerin Miquela Lladó. Sie imitieren – allerdings in verfremdeter Form – auf dem Foto das Bild von deren ersten Single aus dem Jahr 1967.

Ich bin sehr stolz darauf. Es ist nicht die einzige Hommage an meine Mutter. Der Song „Quasi bé som negre“ ist ihr gewidmet. Und es gibt eine kurze A-cappella-Cover-Version von Stevie Wonders „I Just Called To Say I Love You“. Das ist eine WhatsApp-Audionachricht von meiner Mutter, über die ich drübergesungen habe. Wobei nicht alle Texte von ihr handeln, sondern auch von den Beziehungen mit anderen Menschen. Es ist ein sehr intimes, äußerst emotionales Album geworden.

Inwieweit hat Sie Ihre Mutter musikalisch geprägt?

Bei uns zu Hause gab es immer Musik. Auch mein Vater und meine Geschwister sind sehr musikbegeistert. Ich könnte aber sehr viele Künstler nennen, die mich inspirieren, darunter natürlich auch meine Mutter. All sie ergeben den Obstsalat aus Einflüssen, die heute meine Musik prägen.

Cover der ersten Single von TIUs Mutter Miquela Lladó.

Cover der ersten Single von TIUs Mutter Miquela Lladó. / Label/Archiv

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