Zuflucht für den Rock’n’ Roll: Hier gibt es auf Mallorca jeden Donnerstag Live-Musik abseits des Mainstreams
Mit dem "Gabba Gabba Hey Club" hat die Insel kürzlich ein mobiles Refugium für diverse Spielarten des Rock bekommen. Die Köpfe dahinter haben nun auch eine neue Konzertreihe im Club Mutante gestartet

Stecken hinter der Konzertreihe „Esos Juernes“: David Clavo, Miriam Ortega, Diego López und Edu Martínez (von links nach rechts). / Nele Bendgens
Der Dunstkreis des Musikers David Clavo ist wie eine liebenswerte, chaotische Familie. Die etwas komplizierten Wahlverwandtschaftsverhältnisse auseinanderzudröseln, ist die erste Mission beim MZ-Besuch im Club Mutante in Palmas Szeneviertel Santa Catalina, wo an diesem Donnerstag (6.2.) das erste Event der neu geschaffenen Konzertreihe „Esos Juernes“ (ein Mix aus jueves und viernes) steigt. „Wir sind nur vier, machen aber eine Million verschiedene Sachen unter zig verschiedenen Namen“, sagt Clavo fast entschuldigend.
Er selbst ist so etwas wie ein Pokémon mit diversen musikalischen Erscheinungsformen – danach gefragt, wie er sie alle unter einen Hut bekommt, sagt er: „Weil ich ein bisschen verrückt bin.“ An diesem Abend steht er etwa als „One Wolfman Band“ Hombre Lobo Internacional auf der Bühne. Dazu ist er Frontmann der Punkband Fundación Francisco Frankenstein, hat sich unter dem Künstlernamen Agente Secreto Ibérico kürzlich Unterstützung von dem Energiebündel Miriam Ortega alias Miri Misteryo geholt und bildet mit ihr nun das Duo Agentes Especialitos.
Konzerte "bis die Welt untergeht"
Zusammen mit dieser Partnerin in Crime schickt sich Clavo nun seit Kurzem an, in Zeiten des Clubsterbens das Nachtleben auf Mallorca aufzumischen – mit dem ambulanten „Gabba Gabba Hey Club“: Events mit Konzerten oder DJs in wechselnden Locations, die Musikrichtungen wie Rock ’n’ Roll, Punkrock und Garage Rock, aber auch Power Pop und Indie eine temporäre Heimat geben. Gekoppelt ist die Sause stets mit dem „Gabba Gabba Hey Market“, einem kleinen Markt, wo Miriam Ortega und weitere Aussteller Band-Merchandise, Kunsthandwerk und selbst gemachten Schmuck verkaufen. Die erste Konzertnacht fand im November im Sunset Club statt, ein echtes Mini-Festival mit mehreren Bands.

Immer mit dabei: der „Gabba Gabba Hey Market“ mit schönen Dingen. / Nele Bendgens
Und daraus ergab sich schon wieder der nächste Impuls. „Es war spektakulär und richtig voll“, sagt Eduardo („Edu“) Martínez, Musiker mit der Indie-Rock-Band Soslayo. Er ging danach auf David Clavo zu und erzählte ihm, dass ihm ein ganz ähnliches Projekt vorschwebte. Ursprünglich dachte er an ein Festival, bei einem Treffen mit der „Gabba Gabba Hey“-Crew entwickelte sich die Idee einer Konzertreihe mit dem Namen „Esos Juernes“ – jeden Donnerstag eine Band statt vieler Bands an einem Tag. Vierter im Bunde wurde der Musiker Diego López, der unter dem Namen Príncipe Diegales auch als DJ auflegt. Erweiterte Familie. „Esos Juernes“ ist nun quasi der gesetztere Cousin des sprunghaften „Gabba Gabba Hey Club“ – eine wöchentliche Konstante, die gekommen ist, um zu bleiben. „Im Prinzip so lange, bis die Welt untergeht“, sagt Edu Martínez. Aber mindestens bis zum Sommer.
Herrlich unverkrampfte Stimmung
Als Ort des Geschehens bot sich der Club Mutante an. „Ich wage zu behaupten, dass sein Besitzer David Valle der einzige Veranstalter ist, der heute daran interessiert ist, lokale Bands auftreten zu lassen, die keine Coversongs spielen und solide Musik machen“, sagt Clavo. Ein eigenes Repertoire sei das wichtigste Kriterium für die Auswahl der Gruppen. „In der Hinsicht sind wir Romantiker.“

Auftritt des Hombre Lobo Internacional. / B. Rohm
Und natürlich lassen es sich die Organisatoren nicht nehmen, auch selbst aufzutreten. Dass der Hombre Lobo Internacional, der seit elf Jahren Kultstatus hat, am ersten Abend spielt, erweist sich als goldrichtig: David Clavo braucht nur seine Wolfsmaske, den zitronengelben Paillettenblazer, eine Gitarre in der Hand und ein Schlagzeug an den Füßen, um die rund 60 Zuschauer schon beim dritten Song zum Tanzen zu bringen. Altersdurchschnitt ist geschätzt zwischen 30 und Mitte 60, die Stimmung herrlich unverkrampft. Wer die Szene ein wenig kennt, entdeckt schnell Bekannte. So hat sich etwa der Bassist der Band Terror V unters Volk gemischt und sagt mit glasigem Blick: „Gebt mir einen Kontrabass, ich will am liebsten gleich mitmachen…“
"Esos Juernes·, donnerstags, 21 Uhr, Club Mutante, Carrer de la Indústria, 8, Palma, Eintritt: 5 Euro, Infos unter Instagram/esosjuernes
Gabba Gabba Hey Club, Infos zu kommenden Events unter Instagram/gabbagabbaheyclub
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