Konzerttipp: Eine Liebesgeschichte zwischen Mallorca, Deutschland und Ungarn, die nach Jazz und Flamenco klingt
Als sich die Berliner Sängerin Clara Hill und der ungarische Gitarrist Robert Unyi auf der Insel trafen, war dies der Beginn eines romantischen Sommers – und eines aus Liebe geborenen Albums. Am Samstag (8.3.) spielen die beiden Musiker live in Lloret

Lieben die Natur, die Musik und einander: Clara Hill und Robert Unyi. / Nele Bendgens
Wenn man einen Beweis dafür sucht, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt, muss man Clara Hill (49) und Robert Unyi (47) besuchen. Dieser Tage trifft man das Musikerpaar in einem verwunschen wirkenden Haus im Grünen nahe Selva an. Die beiden bewegen sich in einem Dreieck zwischen Berlin, Mallorca und Ungarn. Ihre fast filmreife erste Begegnung trug sich im Sommer 2021 zu.
Clara folgte einer Einladung von Freunden auf ihre Mallorca-Finca, verliebte sich in die Insel und blieb länger als geplant. Eines Abends ging sie aus, um in Port de Sóller ein Glas Wein zu trinken. „Ich hörte aus der Ferne wunderschöne Gitarrenklänge. Dann sah ich Robert und dachte: Oh, es ist auch noch ein gut aussehender Mann“, erinnert sich die Sängerin. Sie lächelten sich an, kamen später ins Gespräch. Robert spielte damals sechs Tage die Woche auf einer Bank an der Hafenpromenade. „Bei Clara sah ich in ihren Augen, dass sie versteht, was ich tue“, sagt er.
Eine kreative Explosion
Dass die beiden ganz wunderbar zusammenpassen, spürt man schon Minuten nach dem Kennenlernen: Die leidenschaftliche Berlinerin mit den blau geschminkten, leuchtenden Augen ist ganz im Gefühl. Der in sich ruhende Ungar wie ihr Gegenpol. Beide fallen sich nie ins Wort, ergänzen einander respektvoll, tauschen immer wieder Blicke aus.

Robert Unyi und Clara Hill. / Nele Bendgens
In der Zeit, als Clara ihn ansprach, hütete der Gitarrist gerade das Haus eines Malers in Sóller, er lud seine neue Bekanntschaft dorthin ein. In der inspirierenden Umgebung begannen beide schnell, zusammen Musik zu machen. „Wir hatten eine kreative Explosion und haben sieben Songs in nur einem Monat geschrieben“, sagt Clara. „Es war unglaublich intensiv.“ Ein romantischer Sommer, aber nicht nur mit Höhen. „Liebesgeschichten sind nicht nur voller rosaroter Wolken, es sind viele verschiedene Emotionen mit im Spiel“, sagt Robert. Auch die weniger glücklichen Momente flossen direkt in die Musik mit ein.
Der Gedanke "Ich will nicht gehen"
Das beste Beispiel dafür ist der Song „Don’t Wanna Leave“: Er entstand in der Nacht vor Claras ursprünglich geplantem Rückflug. Es hätte das Ende sein können, die Geschichte nicht mehr als ein Urlaubsflirt. Doch der Gedanke „Ich will nicht gehen“ wurde immer stärker. Die Musikerin entschied sich dafür, sich mutig auf die Liebe einzulassen – und bis Ende August zu bleiben. Die Beziehung und die musikalische Entwicklung des Paares entwickelten sich parallel, rankten sich aneinander empor, gewannen an Tiefe und an Kraft. Im Schatten eines Johannisbrotbaums entstand etwa das nachdenkliche Lied „El pozo“ (Der Brunnen), das im Inneren verborgenen Gefühlen und Ängsten nachspürt. „Wie viele kreative Menschen haben auch wir beide eine melancholische Seite“, sagt der Gitarrist.
Clara überzeugte ihren Partner schließlich, aus dem Material ein gemeinsames Album zu entwickeln. „Ich fühlte, dass da ganz viel Potenzial war“, so die Sängerin, die im Laufe ihrer Karriere bereits sechs Alben aufgenommen hatte und versiert in Genres wie Jazz, Folktronica und House ist. Robert war von der Idee zunächst überrumpelt, weil er damit Neuland betrat: „Clara ist, im Gegensatz zu mir, eine professionelle Musikerin“, betont der Gitarrist.
Album in einer alten Mühle in Selva aufgenommen
Er hingegen hat einen abenteuerlichen Lebenslauf: 2006 wanderte Robert nach Spanien aus, lebte erst in Andalusien und seit 2008 auf Mallorca. In all den Jahren arbeitete er in den Bereichen Wirtschaft und Marketing, unterrichtete Spanisch, war Übersetzer, wurde Koch und Bäcker. Parallel lernte er die komplexe Kunst der Flamencogitarre. Sieben Jahre lang habe er jedoch nur für sich selbst gespielt, bis er sich erstmals vor einem Freund traute. Und erst nach zehn Jahren habe er Auftritte vor mehreren Zuhörern gewagt. Ein langsamer Prozess, der nun durch Claras Elan einen regelrechten Turbogang verpasst bekam.
Im Zuge der Covid-Pandemie gelang es Clara, sich erfolgreich auf ein 5.000-Euro-Stipendium der GVL zu bewerben. Die Förderung ermöglichte es den Musikern, Anfang des Jahres 2022 eine 300 Jahre alte Mühle in Selva anzumieten und dort das Album aufzunehmen. „Das war eine ganz neue Phase als Paar“, sagt die Sängerin. Nach der übersprudelnden Kreativität am Anfang war nun disziplinierte Arbeit vonnöten – vor allem für Clara, die alleine den technischen Part des Unterfangens stemmte. Dies ist wohl ein Grund dafür, dass sie nicht ganz so euphorisch auf die Frage nach der Wechselwirkung zwischen Arbeits- und Liebesbeziehung antwortet wie Robert: „Manchmal ist es nicht einfach, wir müssen immer eine Balance finden“, sagt sie.

Das Paar verbringt gerade einige Zeit in einem Häuschen bei Selva. / Nele Bendgens
Der Sprung nach Berlin
Nach der Aufnahme des Albums beraubte Clara die Insel um Robert, wie sie es ausdrückt: Er zog zu ihr nach Berlin, wo sie vor allem aus familiären Gründen ihren Lebensmittelpunkt hat, obwohl sie eine Hassliebe zu ihrer Heimat pflege. „Unser Herz schlägt mehr für Mallorca und für die Natur“, sagt sie. Robert würde lieber heute als morgen zurück nach Mallorca, obwohl Deutschland und Ungarn kulturell nicht weit entfernt seien. Doch zumindest sind die beiden regelmäßig auf der Insel, in unterschiedlichen Quartieren.
Die letzte Phase der Produktion fand in Berlin statt und wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Hier kamen auch noch weitere, internationale Musiker hinzu, die das Projekt bereicherten. Im Sommer 2024 erschien „Anhelo“ dann zunächst auf der Online-Musikplattform Bandcamp. Die offizielle Veröffentlichung des Albums auf dem Label Sound Essence ist nun für Mai dieses Jahres geplant. Ab dann sind die Songs auch bei Spotify abrufbar. Eine Release-Party steht noch aus, doch die beiden Musiker haben das Album schon bei einigen Konzerten in Ungarn, Berlin und auf Mallorca präsentiert. Nun gibt es am Samstag (8. März) in Lloret eine Gelegenheit, die gefühlvolle Musik des Paares live zu erleben.
Texte inspiriert von der Natur
Die englischsprachigen Texte von Clara fangen die Essenz der schicksalshaften Wochen perfekt ein. „Sie sind inspiriert von der Natur und von dem magischen Moment, als wir uns ineinander verliebt haben“, sagt sie. Sinneseindrücke und die Erlebnisse miteinander, beides schlug sich in den Worten nieder – von unbekannten Inselblumen bis hin zum Wind in Roberts Haar.
Hinzu kommt eine Prise spanische Poesie aus Roberts Feder. Als Clara im Dezember 2021 in Berlin war und er sie vermisste, schrieb er etwa den Text „Anhelo“ (Sehnsucht/ich sehne mich). Dieser wurde zum titelgebenden, atmosphärischen Prolog des Albums, da diese Empfindung beiden gleichermaßen aus der Seele spricht.
Für Clara, die schon immer mit verschiedenen Musikrichtungen experimentiert hatte, ist das „Anhelo-Gefühl“ der Kitt, der ihre Stile zusammenhält. Die gemeinsame Sprache des Paares ist eine Fusion aus Jazz- und Flamenco-Elementen und einem Hauch psychedelischer Klänge. Sie kommt mal leicht-verspielt und träumerisch, mal schwermütig daher, aber immer aufrichtig – und driftet nie in den Kitsch ab. Ein weiteres Album soll folgen. Bis dahin lebt das Paar ganz im Hier und Jetzt.
Konzert mit Gefühl: „Anhelo“, 8. März, 19.30 Uhr, Es Clot den Font, Camí des Clot den Font, Lloret de Vistalegre. Eintritt: 15 Euro, danach (21 Uhr) optional vegetarisches Dinner (15 Euro). Anmeldung unter Tel.: +34 653 62 10 09.
Digitales Album „Anhelo“: 10 Euro, anhelo.bandcamp.com/album/anhelo
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