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"Poesie und Widerstand": Die deutsche Liedermacherin Sarah Lesch gibt ein intimes Konzert in Sa Pobla

Der Auftritt im Patio des Kulturraums Leo Vermell in Sa Pobla beschert den Zuhörern softe Singer-Songwriter-Klänge, Ukulele, Gitarre und kleine Geschichten

Vielseitige Musikerin mit Texten am Puls der Zeit: Sarah Lesch.

Vielseitige Musikerin mit Texten am Puls der Zeit: Sarah Lesch. / Sandra Ludewig

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Ihr jüngstes Album heißt „Gute Nachrichten“, und eine besonders gute gibt es nun für alle Fans von Sarah Lesch auf Mallorca: Die für ihre rebellischen Texte bekannte deutsche Liedermacherin spielt zum ersten Mal ein Konzert auf der Insel. Bis vor drei Jahren war sie überhaupt noch nie geflogen, erzählt die 39-Jährige im MZ-Telefoninterview: Ihr erster Flieger ging für einen Urlaub nach Palma. Dann weilte sie noch einmal als Musikerin im Rahmen einer Workation auf Mallorca. Nun gibt es davon eine Wiederholung, und sie nutzt die Gelegenheit für ein atmosphärisches Patio-Konzert im Kulturraum Leo Vermell in Sa Pobla.

Die Sängerin und Songwriterin, die im deutschsprachigen Raum gewöhnlich größere Bühnen rockt, freut sich schon mächtig auf „Wohnzimmer-Vibes“ auf der Insel, bei der sie und ihr Publikum es sich „gemeinsam kuschelig machen“, sagt sie. „Für mich ist das eines der schönsten Dinge der Welt, wenn man so intime, kleine Konzerte spielt.“ An ihrer Seite hat Lesch ihren Gitarristen und Produzenten Norman Daßler. Was das Publikum bei dem Abend im Duo-Format erwartet? „Softe Singer-Songwriter-Klänge, Ukulele und Gitarre, kleine Geschichten und hoffentlich viel, was Mut macht und beseelt“, so die Musikerin.

Themen wie Freiheit, Menschenwürde, Träume und Ängste

Im Gepäck haben die beiden ein riesiges Repertoire, die Songauswahl sei aber fast nie in Stein gemeißelt – und selbst die Lieder aus dem besonders rockigen Album von 2024 ließen sich problemlos auch zu zweit spielen: „Wir reagieren immer spontan und schauen, was in die Stimmung passt.“ Lesch singt über Themen wie Freiheit, Menschenwürde, Träume und Ängste – Udo Lindenberg sagte 2016 in seiner Laudatio zum Panikpreis seiner Stiftung, sie mache „Unterhaltung mit Haltung“.

Manche Lieder sind von persönlichen Erfahrungen geprägt – etwa der Song über das Pronomen „Dey“, der entstand, weil Lesch viele queere und nicht binäre Personen in ihrem Umfeld hat. Es ist eine Hymne für „Leute, die sich selbst jeden Tag erklären müssen“.

Aktuell spiele sie auch sehr gerne Songs, die „nicht konkret gegen irgendjemanden gehen“, sondern die in philosophischem Sinne Themen unserer Zeit ansprechen. Fragen, die sich jeder stellt: Was kann ich als kleiner Mensch eigentlich tun? Geht es anderen auch so? Haben wir vielleicht noch eine Chance, etwas gut zu machen? Warum tun wir immer wieder Dinge, von denen wir wissen, dass sie schädlich für uns und unsere Welt sind?

Befreiungsschlag und Mittelfinger an den Rechtspopulismus

Der Name ihres neuen Programms „Poesie und Widerstand“ passt zu ihrem Gesamtwerk, denn beides ging bei der Liedermacherin stets Hand in Hand. Ihren Durchbruch hatte sie vor rund zehn Jahren mit dem Song „Testament“ über die ungewisse Zukunft eines Kindes. Sie schrieb das Lied für ihren Sohn.

Ein bittersüßer Meilenstein, denn die Musikerin erreichte damit zwar ein Millionenpublikum und räumte Preise ab, doch das Lied wurde von rechtsextremen Gruppierungen gekapert. Von dieser Vereinnahmung distanzierte sich Lesch sehr deutlich – und legte in dem Songtext zur Single „Nie wieder“ auf dem jüngsten Album noch einmal kräftig nach: „Und auf deiner Friedensdemonstration / spielst du sogar meine Lieder. / Doch damit machst du dich mit mir gemein / und ich sage dir: Nie wieder.“ Ein Befreiungsschlag und ein Mittelfinger an den Rechtspopulismus.

Die Herzen erreichen und Menschen verbinden

Das beste Gegenmittel gegen Faschismus sind laut der Musikerin Orte, wo Menschen zusammenkommen, Kunst und Kreatives teilen und sich verbinden. Denn sie wolle nicht nur die Köpfe, sondern vor allem die Herzen erreichen und den Fokus auf die Dinge legen, die wir gemeinsam haben. Der „Gamechanger“ für unser Miteinander seien „diese Momente, wo man nur fühlt und einfach zusammenkommt. Und merkt, dass die Menschen oft das gleiche fühlen: Keiner will nicht dazugehören, keiner will Krieg – außer ein paar richtig Bekloppte. Die Leute wollen in Fülle leben, sich eigentlich miteinander vertragen und nicht einsam sein“, erklärt Lesch.

Mit ihrem Mix aus Punk, Rock und Folk, Stimmgewalt und Gefühl spricht Lesch den Zuhörern aus der Seele. „Was mich immer am meisten berührt, ist, wenn es gar nicht so viele Worte braucht. Es gibt Momente, da steht jemand vor dir und sagt einfach nur ‚Danke‘. In einem Blick spielt sich manchmal so viel ab …“

Die Liedermacherin Sarah Lesch.

Die Liedermacherin Sarah Lesch. / Sandra Ludewig

Mit Punk und Gefühl: Sarah Lesch (Patio-Konzert), 19. Juni, 20 Uhr, Espai Cultural Leo Vermell, Carrer Varet, 12, Sa Pobla, Eintritt: ab 36 Euro, Karten unter: entradium.com, Infos: sarahlesch.de

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