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"Wenn es noch keine Dirigentin gibt, bist du halt die Erste": Gemma Camps feiert ihr Operndebüt in Palma

Frauen am Dirigentenpult sind in Spanien noch immer selten – Gemma Camps gehört zu ihnen. Die Mallorquinerin hat einen spannenden Werdegang – und dirigiert jetzt mit Poulencs "La voix humaine" im Teatre Principal erstmals eine Oper

Fühlt sich dem Teatre Principal schon lange verbunden: Gemma Camps, Mallorcas erste Dirigentin.

Fühlt sich dem Teatre Principal schon lange verbunden: Gemma Camps, Mallorcas erste Dirigentin. / B. Ramon

Gemma Camps Galmés (31) war schon mit zehn Jahren eine Pionierin. Als eines von drei Mädchen sang sie bei den „Blauets“ der Escolanía de Lluc, nachdem das Ensemble fünf Jahrhunderte lang ein reiner Knabenchor gewesen war. Sie war erst sieben, als sie ins Konservatorium eintrat und die, wie sie sagt, „extrem männlich geprägte und wenig geschätzte“ Fachrichtung Schlagzeug wählte. Und heute ist Camps eine von nur rund einem Dutzend Dirigentinnen, die es in Spanien gibt. Auch weltweit sind sie dünn gesät.

Gemma Camps ist außerdem die erste Dirigentin von Mallorca – und sie wird in der kommenden Woche am Pult einer Oper debütieren. Im Teatre Principal in Palma dirigiert sie bei Poulencs ergreifender Monooper „La voix humaine“ etwa zwanzig Musiker eines speziell für diese neue Produktion zusammengestellten Kammerorchesters.

Die Leidenschaft entstand durch das Singen

Die junge Mallorquinerin kennt das Theater gut, in dem sie nicht nur Assistenzdirigentin bei „La Traviata“ und „Turandot“ mit den Balearen-Sinfonikern war, sondern zwischen 16 und 21 Jahren auch Mitglied des Chors – bevor sie nach Madrid zog, um Orchesterleitung zu studieren. In dieser Zeit sang sie unter anderem in „Aida“, „Rigoletto“, „Eugenio Oneguin“, „Cavalleria Rusticana“ und zweimal in „Turandot“, während sie Klavier, Schlagzeug und Komposition im Konservatorium lernte.

Ihre Leidenschaft für die Musik entstand durch das Singen und ohne jegliche familiäre musikalische Vorprägung: „Meine Eltern sahen, dass ich schon sehr früh diese Neigung hatte, und meldeten mich mit vier Jahren im Kinderchor der Uni an, da sie dort arbeiten“, erzählt Camps. „Als mein Interesse wuchs, brachten sie mich zum Klavierunterricht an die Musikschule Ireneu Segarra, die auf Mallorca sehr geschätzt wird und an der auch meine Schwester war.“

Dirigenten müssen die "andere Seite" kennen

An der musikalischen Früherziehung, die Kinder normalerweise kaum begeistere, habe sie großen Spaß gehabt. „Ich bat darum, dass man mir mehr beibringt, man erzählt, dass ich extrem neugierig gewesen sei. Ich wollte verstehen, warum Musik bei mir so viele Emotionen auslöst, mehr noch als ein Instrument zu spielen“, so Camps. Wobei Instrumente natürlich enorm wichtig seien. „Es ist unerlässlich, dass Dirigenten auch auf der anderen Seite gestanden haben.“

Am Konservatorium stellten die Dozenten fest, dass dieses Mädchen für die Orchesterleitung gemacht war. „Sie benannten, was ich nicht auszudrücken wusste, da ich kein Vorbild hatte, sodass ich ab diesem Moment, mit etwa 13 oder 14 Jahren, begann, denselben Ausbildungsweg zu verfolgen wie die großen Dirigenten – etwa, Komposition zu studieren“, erinnert sie sich. Diese Ausbildung konnte sie in Palma absolvieren, im Gegensatz zur Orchesterleitung, die sie in Madrid studierte. Die Aufnahmeprüfungen waren hart – es gab nur sechs Plätze. Camps begann zusammen mit nur einer anderen Studentin, doch diese brach ab, sodass sie als einzige Frau übrig blieb. Außerdem seien alle deutlich älter gewesen als sie, weil es sich um Studien handle, für die man viel Vorbereitung brauche. Sie selbst schloss schon mit 24 Jahren ab. „Gegen Ende meines Studiums lernte ich dann auch andere professionelle Dirigentinnen kennen, die oft nicht so bekannt sind“, bedauert sie.

Machistische Struktur in der Musikwelt

In ihrer Laufbahn habe sie „einige unangenehme Situationen aufgrund der weiterhin bestehenden machistischen Struktur ertragen und sogar einige gewalttätige Momente erlebt, wie verbale Angriffe in einer Probe“, sagt Camps. „Es gibt Männer, die nicht in der Lage sind, die Autorität einer Frau zu akzeptieren, was dich zwingt, eine noch autoritärere Haltung einzunehmen, als du eigentlich möchtest.“ Das sei aber nicht die Regel: Zumeist herrsche „völlige Kollegialität“.

Gemma Camps hat seit ihrer Zeit bei den Blauets Konventionen durchbrochen. Dabei konnte sie stets auch auf die bedingungslose Unterstützung ihrer Familie zählen. Die habe einst zu ihr gesagt: „Wenn es noch keine Dirigentin gibt, bist du halt die Erste.“

„La voix humaine“, Monooper von Poulenc, mit Marga Cloquell (Sopran) sowie Paloma Camprodon (Tanz), Regie: Roberto G. Alonso, musikalische Leitung: Gemma Camps, auf Französisch mit Übertiteln auf Spanisch und Katalanisch, 24. April, 20 Uhr, 25. April, 19 Uhr, C/. de la Riera, 2, Eintritt: 10–45 Euro, Karten unter: teatreprincipal.com

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