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Vor seinem Mallorca-Konzert: Nico Santos über Heimat, Proteste und die Zukunft der Insel

Der deutsch-spanische Sänger und Songwriter tritt bei der 30-Jahr-Feier des Inselradios auf

Ist auf Mallorca aufgewachsen: Nico Santos.

Ist auf Mallorca aufgewachsen: Nico Santos. / Timo Wagner

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Simone Werner

Simone Werner

Schon mit 13 Jahren durfte Nico Santos (Nico Wellenbrink) beim zehnten Jubiläum des Inselradios singen. Auch beim 20-jährigen Bestehen sollte der Sohn von „Melitta-Mann“ Egon Wellenbrink wieder performen. Nun steht der Sänger, Songwriter und Produzent am Samstag (1.8.) bei der großen Feier des Inselradios anlässlich des 30-jährigen Bestehens in Es Jardí erneut auf der Bühne. Vor allem mit „Rooftop“, „Safe“, „Better“ und „Play with Fire“ gelang dem mittlerweile 33-Jährigen sein Durchbruch im deutschsprachigen Raum. Zudem wurde er durch Fernsehsendungen wie „Sing meinen Song“ und „The Voice of Germany“ einem breiteren Publikum bekannt.

Sie sind als Baby nach Mallorca gekommen, haben fast 20 Jahre hier gelebt. Was bedeutet die Insel für Sie heute?

Mallorca ist immer noch, und das wird es auch immer bleiben, mein Zuhause. Meine Eltern wohnen seit 33 Jahren dort. Auch meine Schwester ist dort geboren, hat einen Mallorquiner geheiratet. Zuhause ist für mich dort, wo meine Lieblingsmenschen sind. Seit zwei Jahren pendle auch ich wieder häufiger zwischen Mallorca und Berlin.

Wie kommt das?

Ich habe mir vor zwei Jahren ein Haus auf der Insel gekauft.

Fühlen Sie sich noch als Einheimischer oder inzwischen eher als Besucher?

Früher hab’ ich immer gedacht, ich bin in Deutschland wie ein Tourist. Jetzt, habe ich das Gefühl, ich bin in Deutschland und auf der Insel zu Hause. Das ist echt sehr schön. Ich spreche Mallorquinisch, was mir auch sehr wichtig ist. Ich wusste schon als Kind, dass ich mallorquín lernen will. Das war etwa bei der Frage entscheidend, auf welche Schule ich gehe. Für mich war es immer wichtig, in den Dörfern auch Einheimischer zu sein. In einer Zeit, in der immer mehr Deutsche auf die Insel auswandern und dort etwas kaufen und in der viele Mallorquiner sehr kritisch gegenüber dem (Massen-)Tourismus sind, ist es für viele Mallorquiner auch wichtig, glaube ich. Sie finden es gut, wenn man ihre Kultur versteht, sie annimmt und sie auch verinnerlicht.

Gibt es einen Ort auf der Insel, an dem Sie sofort wieder der Junge von früher sind?

Es Capdellà. Da bin ich aufgewachsen. Der Ort macht, dass ich mich fühle, als wäre ich noch der fünfjährige Nico – in einer Welt, die immer schneller und futuristischer wird. In Es Capdellà gibt es nur zwei Lokale – die Bar Es Molí und die Bar Nou –, einen kleinen Supermarkt und einen Kiosk. Die Lokale gehören jetzt jeweils den Kindern der alten Eigentümer. Es hat sich also alles nur um eine Generation verschoben. Das liebe ich so sehr. Es ist wirklich wie nach Hause kommen.

Ist ein Auftritt auf der Heimatinsel emotional schwieriger als ein Auftritt vor völlig fremdem Publikum?

Ja, hundertprozentig. Es sind so viele Menschen da, mit denen ich angefangen habe, Musik zu machen. Wenn ich vor Freunden und der Familie auftrete, verspüre ich immer mehr Nervosität. Man will alles zeigen, hat eine neue Show für die Festivals diesen Sommer, will einfach sein Bestes geben. Es ist auch noch einmal etwas anderes, auf Mallorca zu spielen als auf Festivals in Deutschland. In Deutschland weißt du, in welchen Regionen welche Songs im Radio gespielt worden sind. Auf Mallorca weißt du es nicht.

Wer aus Ihrer Mallorca-Zeit wird bei dem Konzert im Publikum stehen – ehemalige Lehrer, Freunde oder Wegbegleiter?

Meine Mama, mein Papa, meine Schwester und ihr Mann, Freunde, alte Schulfreunde, die Ersten, mit denen ich damals im Robinson Club als Animateur gearbeitet habe. Es wird so vollgepackt sein mit Menschen, von denen ich noch gar nicht weiß, dass sie da sein werden. Mein Papa hat so viele Nachrichten bekommen, dass er irgendwann gesagt hat: Ich kann nicht alle Leute als plus eins mit reinnehmen.

Mallorca ist in Ihren Songs zumindest Thema, in „Pinienbäume“ (2025) etwa. Wie kommt es, dass Sie kaum spanisch- oder katalanischsprachige Lieder haben, sondern vor allem englisch- und deutschsprachige?

Damals auf Mallorca gab es in meiner Klasse mehrere Sänger, die spanische Musik gemacht haben. Ich wollte mich von ihnen abgrenzen und war der, der die englischen Songs gesungen und geschrieben hat. Als ich angefangen habe, war spanischer Rock-Pop groß. Ich war eher Fan von RnB, Soul und englischer Popmusik, auch weil ich mit der Musik von meinen Eltern aufgewachsen bin. Daher ist Englisch, musikalisch gesehen, meine Muttersprache. Dennoch schreibe ich vor allem für andere Künstler auch viel auf Spanisch. Mein erfolgreichster Song als Songwriter ist ein spanischer Song: „Déjate llevar“ von Juan Magan. Auch mit Álvaro Soler habe ich viele Songs auf Spanisch geschrieben. Ich glaube, ich werde es jetzt auch wieder ein bisschen mehr tun, auch weil ich wieder öfter auf Mallorca bin.

War beim 10. und beim 20. Inselradio-Jubiläum dabei und rockt jetzt auch die Bühne beim 30.: Nico Santos.

War beim 10. und beim 20. Inselradio-Jubiläum dabei und rockt jetzt auch die Bühne beim 30.: Nico Santos. / Mats Bohle

Mallorca hat sich seit Ihrer Kindheit stark verändert. Welche Entwicklung macht Ihnen am meisten Sorgen?

Sorgen macht mir am meisten, dass die Freunde meiner Schwester wegziehen müssen von der Insel, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können. Auch viele alte Schulfreunde von mir machen bei Protesten wie dem am vergangenen Sonntag (26.7.) mit. Gleichzeitig bekomme ich gefühlt alle drei Wochen eine Nachricht von einem befreundeten Musiker-Kollegen, der nach Mallorca ziehen will. Und das wird auch nicht aufhören die nächsten Jahre. Irgendetwas muss passieren. Die Politik muss schauen, wie sie in die Massifizierung eingreift.

Sie haben auf Mallorca geheiratet, leben heute mit Ihrer Familie zwischen Berlin und Mallorca. Können Sie sich vorstellen, irgendwann dauerhaft nach Mallorca zurückzukehren?

Ich ja. Aber es ist natürlich nicht nur meine Entscheidung, ob das Kind auf Mallorca zur Schule gehen wird oder in Deutschland, wo ich die meiste Zeit arbeite. Wir haben Gott sei Dank noch ein bisschen Zeit, um darüber nachzudenken.

Nico Santos bei der Inselradio-Party: ¡Viva la 30!, Samstag (1.8.), Einlass: ab 17 Uhr, Es Jardí, Recinto Mallorca Live Calvià, Eintritt: Erwachsene und Kinder ab 13 Jahren: 49 Euro, Kinder bis 13 Jahre: 25 Euro, bis 6 Jahre: gratis, Karten: inselradio.com

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