Zwischen Mystik und Tradition: So klingt es, wenn persische und mallorquinische Musik verschmelzen
Mit Tar, Akkordeon, Kontrabass und traditionellen Gesängen erschafft Qânât eine ganz eigene Klangwelt. Nun tritt das Trio bei den Festes de la Mare de Déu d’Agost in Campos auf

Vereinen ihre musikalischen Wurzeln zu einem völlig neuen Klangerlebnis: Pegah Khoei, Tomeu Gomila und José M. Puigserver. | FOTO: ZUMA MARTELLANZ
Wenn Pegah Khoei mit ihrer samtenen, klangvollen Stimme singt, spürt man die Vibration im eigenen Herzen. Das mag ein wenig esoterisch klingen, doch die Iranerin, die seit 2020 auf Mallorca lebt, hat eine besondere Gabe, Gefühl in Melodien zu legen. Und sie ist eine Botschafterin der musikalischen Völkerverständigung: Gemeinsam mit den Mallorquinern Tomeu Gomila und José M. Puigserver bildet sie das Trio Qânât, das auf einmalige Art und Weise die musikalischen Traditionen des Mittelmeerraums, Mesopotamiens und Persiens sowie das mündlich überlieferte Kulturerbe Mallorcas miteinander verwebt.
Nun treten die Musiker am 14. August im Rahmen der Festes de la Mare de Déu d’Agost in Campos auf. Vor knapp einem Jahr erschien ihr erstes Album „Aigua ballant“ (tanzendes Wasser), und seitdem gab es zwar einige internationale Auftritte, aber bislang erst drei Gelegenheiten, den Feinschliff der Originalkompositionen auf der Insel live zu hören.
Verbindung zwischen balearischen und iranischen Wurzeln
Qânât ist ein Projekt, das über mehrere Jahre reifte und dabei auch Impulse von anderen Musikern bekam, bevor Puigserver fest zum Ensemble stieß. „Anfangs ging es vor allem um eine Verbindung zwischen unseren balearischen und iranischen Wurzeln. Aber dann floss immer mehr von unserer künstlerischen Vision in das Projekt“, sagt Khoei im Gespräch mit der MZ. „Es hat eine ganz neue Ebene in Sachen Musik und Inspiration erreicht. Selbst unser Produzent meinte, er hätte das Gefühl gehabt, etwas völlig Neues zu hören.“
Die ersten Berührungspunkte entdeckten Khoei und Gomila zwischen den Gesängen der Feldarbeiter hier und dort: die monotonen Rhythmen und die schweren, getragenen Melodien sowie der leicht dissonante Gesang scheinen in beiden Kulturen dieselbe Essenz zu haben. Die Musiker experimentierten damit, mallorquinische Zeilen, wie Gomila sie noch von seinen Großeltern kannte, mit Akkordeon und mit der Instrumentenvielfalt zu kombinieren, die Khoei beherrscht: unter anderem Tar, Bendir und Daf. Puigserver brachte später Kontrabass und Kantele mit ein.
Kompositionen mit Herzblut und Emotion
In den Kompositionen, die man nur auf Youtube und Bandcamp, aber nicht auf Spotify hören kann, stecken Herzblut und viel Emotion. Da gibt es etwa Stücke wie „Sant Antoni de Khorasan“, welches das alte persische Mittwinterfest Sadeh mit dem funkensprühenden Brauchtum auf Mallorca in Verbindung bringt, das fast zeitgleich zelebriert wird. Das Video mit Musik und Tanz im Feuerschein unterstreicht die fast tranceartige Wirkung des Liedes.
„Figues de Tadjikistan“ verschmilzt indes ein Feigenernte-Lied mit der traditionellen Musik der Grenzregionen im Norden des Iran zu Turkmenistan und Tadschikistan, und vertont zugleich ein Gedicht des Mystikers Rumi.
Nicht minder mystisch: das Stück „Motreba Narmak Bessan“, das den sufi-islamischen Andachtsgesang Qawwali und die Musik der Region Belutschistan mit dem Dreschlied kreuzt, das einst auf Mallorca gesungen wurde, um mithilfe von Pferden das Stroh vom Weizen zu trennen. Es enthält eine Anrufung der Meeresbrise, um bei dieser Aufgabe zu helfen, die Erinnerungen und Melodien der Ahnengeister in sich trägt.
Trotz aller Spiritualität, die dem Projekt Qânât zugrunde liegt, lösen die Musiker die alten Melodien von Orthodoxie und Purismus: Sie interpretieren sie auf zeitgenössische Weise neu. Ein Erlebnis, das live am eindrucksvollsten zur Geltung kommt.
Qânât, 14. August, 21 Uhr, Auditòrium de Campos, Carrer del Pare Alzina, 2, Eintritt: 10 Euro, Karten: ticketib.com, mehr Infos unter: illamusics.com
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