Junge Musiker mischen Mallorcas Klassik-Szene auf: Zwei Festivals setzen im September neue Akzente
Zwei Klassik-Highlights im September: Der erst 23-jährige Geiger Joan López de Soria hat sich für sein erstes Mallorca Chamber Music Festival talentierte Vertraute mit ins Boot geholt. Und auch das Mahler-Festival in Pollença wird ein Fest

Eine frühere Ausgabe des Klassik-Festivals in Pollença, das immer einem Komponisten allein gewidmet ist. / Veranstalter
Früh übt sich, wer ein guter Konzertveranstalter werden möchte. Während für viele junge Menschen Anfang 20 der Ernst des Lebens noch ganz weit weg zu sein scheint, macht der mallorquinische Violinist Joan López de Soria (23) seine Familie schon richtig stolz: 2024 schloss er das Studium am Real Conservatorio Superior de Música de Madrid mit Auszeichnung ab. Derzeit lebt er Wien, wo er ein Master- und Aufbaustudium absolviert und mit renommierten Orchestern zusammenarbeitet. Und statt einfach nur Heimaturlaub zu machen, organisiert López de Soria nun auf der Insel das Mallorca Chamber Music Festival.
„Ich glaube, dass es hier junge Initiativen im Bereich Klassik braucht“, erklärt er im Gespräch mit der MZ. Warum er gerade so sehr für Kammermusik schwärmt? „Man kann dabei die Stimme jedes einzelnen Instruments hören. In einem Orchester hört man eine Textur und viel Klangfülle. Aber Kammermusik ist ein viel persönlicherer, intimerer Dialog. Man fühlt sich den Musikern näher“, sagt er.

Joan López de Soria ist der Gründer des neuen Kammermusikfestivals auf Mallorca. / Veranstalter
Hauptquartier in Alaró, drei Konzerte im Auditorium Palma
Eine Art Hauptquartier für die Beteiligten ist das Theater in Alaró, dem Dorf, in dem schon López de Sorias Großeltern lebten. Die Musiker dürfen dort proben und werden am 7. September das Abschlusskonzert spielen. Der Hauptteil des Festivals findet im Auditorium in Palma statt. Zu hören gibt es dabei starke Stücke aus dem Repertoire der Kammermusik: Am 3. September stehen die Metamorphosen (Arr. für Streichseptett) von Strauss und das Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur von Dvořák auf dem Programm. Tags darauf darf der Festivalleiter selbst ran: Mit seinem 2023 gegründeten Trío Moment wird er das Publikum mit der Elegie (Op. 16) von Krein, dem Klaviertrio (Op. 50) von Granados und dem Klaviertrio Nr. 1 (Op. 8) von Brahms erfreuen.
Beim Konzert am 5. September sind alle Musiker des Festivals mit von der Partie: Sie interpretieren dann das Klavierquintett A-Dur (D.667) „Die Forelle” von Schubert und das Oktett Es-Dur (Op. 20) von Mendelssohn. „Das wird ein ganz besonderer Abend, weil das zwei sehr dichte, große und wichtige Werke sind“, sagt López de Soria. Und weil es so schön ist, wird das Programm auch zum Abschluss noch einmal im Teatre d’Alaró zu hören sein.
Musikalische Hommage an Ramon Llull
Davor steht jedoch noch das Herzstück der ersten Edition an: eine Hommage an den mallorquinischen Universalgelehrten Ramon Llull zu dessen 710. Todestag. Bei dem Konzert am 6. September in Ca’n Oleo werden im Gegensatz zu den Vortagen mehr kurze Stücke aufgeführt: „Lamento für zwei Bratschen“ von Bridge, „Langsamer Satz für Streichquartett“ von Webern, „Passacaglia für Violine und Violoncello“ von Händel und Halvorsen, „Mallorca (Barcarola), Op. 202“ von Albéniz und das Klavierquartett a-Moll von Mahler. Alle Werke nehmen Bezug zu Llulls Werdegang.
Als Mitstreiter für die erste Ausgabe konnte López de Soria eine Schar aufstrebener Talente gewinnen, für die er selbst seine Hand ins Feuer legen würde. Zehn Freunde zusammenzubringen, um gemeinsam Musik zu machen, die Bühne zu teilen und etwas Bedeutungsvolles aufzubauen, sei für ihn ein wahr gewordener Traum, so der Festivalgründer, der es mühelos schafft, mit seiner Begeisterung anzustecken. „Ich glaube, das Publikum wird bemerken, wie viel Spaß wir zusammen haben und dass da eine Verbindung ist.“ Für die kommenden Editionen, die in Zukunft zweimal im Jahr stattfinden könnten, wünscht er sich, auch Masterclasses anzubieten.
Siebte Ausgabe der Klassik-Reihe in Pollença
Nun ist es nicht leicht, als junger Musiker ein neues Klassik-Festival zu etablieren. Zwei, die das bereits mit Bravour geschafft haben, sind der Pianist Magí Garcías (32) und der Dirigent Bernat Quetglas (33). Sie feiern im September bereits die siebte Ausgabe ihrer Konzertreihe im Claustre de Sant Domingo in Pollença, die jeweils nur um einen Komponisten kreist. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Gustav Mahler, anlässlich seines 115. Todestages.
„Er ist einer der Künstler, die sich von einer Epoche verabschieden und eine neue begrüßen“, sagt Garcías. „Es ist die Dämmerung des 19. Jahrhunderts und zugleich der Beginn der ersten Strahlen der Moderne.“ Mahler sei einer der größten Symphoniker der Geschichte, und in seinem Werk ließen sich universelle Elemente der westlichen Kultur wie Religion, Schuld, Spiritualität, Unterbewusstsein und Tradition erkennen. Selbst ungeübte Hörer werden laut dem Pianisten sofort von der „dramatischen Tiefe“ gefesselt, in der die Vorkriegszeit mitschwingt: „Es ist das europäische Chaos, diese Spannung, die zu den Konflikten führte – man hört das Orchester in seiner ganzen Pracht und Leistungsfähigkeit, die Klangfarben, Kombinationen, Strukturen.“
"Starker Kaffee für Kaffeeliebhaber"
Mit Wumms geht es denn auch am 12. September los: Die Formation EOIB (Encontres Orquestrals de les Illes Balears) bestreitet unter Leitung von Bernat Quetglas Mahlers 6. Sinfonie mit dem geläufigen Beinamen „Tragische Sinfonie“. Das zweite Konzert am 19. September wird dann laut Garcías sehr speziell, denn es handle sich um eine Art Biopic, ein ganz neues Format im Rahmen des Festivals: Gedanken der Komponistin und Ehefrau Alma Mahler sind mit dem Repertoire verwoben. Bei dem intimen Kammermusikabend gebe es jede Menge „weibliche Energie“: Mit dabei sind mehrere hochkarätige internationale Musikerinnen – Fabiola Tedesco (Violine), Kinga Wojdalska (Bratsche), Zuzanna Sosnowska (Cello) und Begoña Gómez (Mezzosopran) – sowie Magí Garcías am Klavier. Im Fokus stehen nicht nur Stücke von Gustav, sondern auch von Alma Mahler und von Brahms.

Zuzanna Sosnowska und Magí Garcías spielen ein biografisches Mahler-Konzert. / Deuxquinze
Beim dritten und letzten Konzert am 27. September wird es wieder symphonisch. Das mallorquinische Kammerorchester widmet sich, dirigiert von Bernat Quetglas, der ersten Sinfonie mit dem Beinamen „Titan“ und dem Adagio aus der letzten, unvollendeten Sinfonie Nr. 10, die Mahler komponierte. Leichte Kost ist die Musik des Spätromantikers nicht. Vielmehr „starker Kaffee für Kaffeeliebhaber“, wie Garcías es ausdrückt. Doch die Intensität habe etwas für sich: „Seine Musik ist sehr bildhaft, fast schon filmisch, und sehr dynamisch – sie packt einen am Kragen und lässt einen bis zum Ende des Konzerts nicht mehr los.“
Mallorca Chamber Music Festival: 3.–7. September, verschiedene Orte, Eintritt: 25 Euro/ Abo für alle drei Konzerte im Auditorium: 60 Euro, Karten/Infos unter: mallorcachambermusicfestival.com
Festival Mahler: 12.–27. September, Claustre de Sant Domingo, Pollença. Eintritt: ab 20 Euro, Karten/Infos: festivalmahler.com
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